Die Reserven von Fachkräften sind aufgebraucht

Weiden. Das Gremium Nordoberpfalz blickt besorgt auf die Verfügbarkeit von Fachkräften. Denn um auszubilden, braucht es erstmal wieder Menschen, die sich ausbilden lassen.

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Die Situation rund um die Pandemie verändert sich beständig – inmitten dieser stehen jedoch Themen, die den Unternehmen schon vor Corona Sorgen bereiteten und sich nun teilweise auch verschärft haben. Eines davon treibt die regionale Wirtschaft besonders um: die Verfügbarkeit von Arbeits- und Fachkräften.

„In vielen Branchen der Nordoberpfalz trifft die stabile Konjunktur auf die strukturelle Herausforderung des demografischen Wandels. Zudem erschwert Corona die Berufsorientierung und führte zu einem eklatanten Bewerbermangel“, sagte Bernd Fürbringer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Nordoberpfalz.

Bei ihrer Sitzung diskutierten die Gremiumsmitglieder gemeinsam mit IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes, IHK-Fachkräfteexpertin Sibylle Aumer und dem neuen Präsidenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) Prof. Dr. Clemens Bulitta die Auswirkungen und mögliche Maßnahmen.

Fehlende Mitarbeiter als Risiko

„Die Unternehmen versuchen mit Investitionen unter anderem die eigene Arbeitgeberattraktivität zu stärken“, so Fürbringer. „Denn um auszubilden, brauchen wir erst einmal wieder Menschen, die sich ausbilden lassen wollen“, ergänzt Anton Forster von der Forster Stahl- und Anlagenbau GmbH. Doch die Reserven des regionalen Arbeitsmarktes sind aufgebraucht, die Rekrutierungspotenziale erschöpft.

„Der Fachkräftemangel steht für die Unternehmen in der Region an Platz eins des wirtschaftlichen Risikos – noch vor Rohstoffpreisen oder anderen Rahmenbedingungen“, unterstrich Aumer die Dringlichkeit des Themas. Der IHK-Fachkräftemonitor prognostiziert für 2026 einen Saldowert von branchenübergreifend 20.000 fehlenden Fachkräften für die Oberpfalz und den Landkreis Kelheim.

Zuwanderung aus Drittländern als Lösung

Doch schon heute gibt es Fälle, bei denen Aufträge von den Unternehmen nicht mehr abgearbeitet oder angenommen werden können und die Gastronomie wegen Personalmangel geschlossen bleibt. Das IHK-Gremium wird sein regionales Engagement zur Gewinnung potenzieller Mitarbeiter weiter verstärken, so Fürbringer. Klar ist für ihn aber auch, dass „strukturell wirksame Lösungen auf anderen Ebenen wie Land und Bund entwickelt werden müssen.“

Neben der betriebseigenen Aus- und Weiterbildung stellte Aumer die Möglichkeit der Zuwanderung aus Drittländern als einen Lösungsaspekt vor, um qualifizierte Mitarbeiter aus dem Ausland in die Betriebe zu holen. Seit März 2020 gibt es im Rahmen des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes einige Erleichterungen. „Das Instrument ist durch Corona leider etwas ausgebremst worden und in den Hintergrund geraten“, bedauerte Aumer.

Zusammenarbeit mit der OTH

Als einen wichtigen Baustein für die Qualifizierung von Nachwuchskräften sieht das Gremium die Zusammenarbeit mit der OTH. Die Wirtschaftsvertreter und OTH-Präsident Bulitta waren sich einig, dass es dabei nicht nur um die akademische Bildung geht. Vielmehr soll auch der Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verstärkt werden, um Herausforderungen gemeinsam zu lösen und Impulse zu setzen.

„Dabei geht es auch um die Frage, wie das regionale Gleichgewicht zwischen beruflicher und akademischer Bildung so austariert werden kann, dass die Bedarfe der Unternehmen erfüllt werden“, sagte Fürbringer.

Keine Konkurrenz der Bildungsschienen

Gemeinsames Ziel der Region muss sein, den Menschen Perspektiven vor Ort zu bieten und Fachkräftenachwuchs selbst zu sichern. „Unsere Wissens- und Bildungsregion muss greifbar und wirksam werden,“ betonte Bulitta. Einen Wettbewerb zwischen den Bildungsschienen sieht er ebenfalls als hinderlich. Für Studium wie auch berufliche Bildung braucht es eine Durchlässigkeit in beide Richtungen.

Die derzeit ins öffentliche Licht gerückte Umstrukturierung der Weidener sowie der Neustädter Berufsschule sowie der Wirtschaftsschulen in Weiden und Eschenbach wurde von den Gremiumsmitgliedern sehr positiv beurteilt. Es besteht die einmalige Gelegenheit für die Region, die berufliche Bildung anhand modernster Ausstattung und innovativer Lehrmethoden in die Zukunft zu führen. „Das ist eine besondere Chance für die Wissensregion Nordoberpfalz“, so Fürbringer.

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