Gesundheit

Dramatisch, was Corona mit der Psyche der Kinder anstellt

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Neustadt/WN. Zwei Jugendsozialarbeiterinnen schildern dem Jugendhilfeausschuss, wie dramatisch sich die Schüler durch den Lockdown in ihrem Wesen und ihrem Verhalten verändert haben. Das Gremium genehmigt daher eine neue Planstelle für die Neustädter Grundschule.

Die Corona-Pandemie hat massive Spuren in den Schülerseelen hinterlassen. Bild: Pixabay (Symbolbild)

Die Grundschule Neustadt/WN bekommt jetzt einen Jugendsozialarbeiter oder eine Jugendsozialarbeiterin. Das ist dann der oder die 13. im gesamten Landkreis. Der Jugendhilfeausschus des Kreistags hat grünes Licht für die Schaffung der Planstelle gegeben. In ihrem Antrag hatte die Rektorin Heike Merther auf den dringenden Bedarf hingewiesen. Wie die Schulkinder unter der Pandemie zu leiden haben, schilderten zwei Jugendsozialarbeiterinnen den Gremiumsmitgliedern.

Pandemie verschärft Lage in sozial schwachen Familien

Ein großer Teil der insgesamt 243 Schüler wachse in Patchwork-Familien oder nur bei einem alleinerziehenden Elternteil auf, schrieb die Neustädter Rektorin. Jeder fünfte Grundschüler weise einen Migrationshintergrund auf. Der Anteil der Eltern, die ihre Kinder kompetent und konsequent erziehe, sinke stetig, schildert die Schulleiterin die aktuelle Lage. Die Pandemie habe die Situation noch verschärft, heißt es in dem Schreiben an den Ausschuss. Einige Familien konnten ihre Kinder in der schwierigen Zeit kaum oder gar nicht unterstützen.

Das können Nadine Gehlert, die Jugendsozialarbeiterin an der Vohenstraußer Mittelschule ist und ihre Altenstädter Kollegin, Michaela Santl nur bestätigen. Corona hat die Welt der Schulkinder förmlich aus den Fugen geraten lassen. Ihre Erfahrungen, die sie den Ausschussmitgliedern schilderten: Immer öfter würden Konflikte mit körperlicher Gewalt ausgetragen. "Die Kinder haben es tatsächlich verlernt, Kompromisse einzugehen", erzählt Nadine Gehlert.

Handy auf Dauerempfang

Was die beiden Frauen besonders verblüffte, war das Ergebnis einer Umfrage, die sie gestartet hatten. Sie wollten von den Schülern wissen, wie sie denn auf ungerechte Behandlung reagieren würden. "Als Antwort gab es nur einhelliges Schweigen", erzählen die beiden. Stark zugenommen hätten auch die psychosozialen Belastungen.

Der Kontakt mit Freunden, mit denen normalerweise Probleme besprochen werden, ging verloren!

Umgekehrt würden viele ihr Handy gar nicht mehr aus der Hand legen, um im Falle des Falles für ihre Freunde in schwierigen Situationen erreichbar zu sein. Die Jugendlichen hätten jetzt zudem das Gefühl, ihr eigenes Leben nicht mehr gestalten zu können. Der Lockdown hat auch den Biorhythmus negativ beeinflusst. Sie wollen nicht mehr aufstehen, um in die Schule zu gehen. Kommen sie dann nach dem Unterricht nach Hause, sind sie todmüde und müssen erst mal schlafen.

Warnung vor neuem Schul-Lockdown

Die beiden Expertinnen haben aber durchaus auch Positiveffekte des Lockdowns ausgemacht. Die Familien seien stärker zusammengerückt und das Homeschooling habe die Kinder selbstständiger gemacht. Doch ihr Fazit ist eindeutig: Die Negativ-Folgen der Pandemie überwiegen. Die beiden warnen vor einer neuen Schul-Schließung. "Gerade haben die Kinder erst begonnen, sich langsam an den Lernalltag heranzutasten." Wenn dieser Prozess wieder unterbrochen wird, dann werde es sehr sehr schwer, die Kinder wieder aufzufangen.

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