[Update] Ortsrichterhaus: Besitzerin klagt vor Verwaltungsgericht

Weiden. Zwei Jahre hat es gedauert. Jetzt konnte die Gemeinde Reuth bei Erbendorf das Ortsrichterhaus im Ortsteil Drahthammer ersteigern. Die bisherige Besitzerin will sich weiter dagegen wehren. Aktuell laufen mehrere Strafanzeigen und Zivilklagen.

Wieder freie Durchfahrt. Zuletzt hatte die Besitzerin den Radweg versperrt, der durch das Grundstück des Ortsrichterhauses führt. Seit Dienstag gehört es nun der Gemeinde Reuth bei Erbendorf. Foto: David Trott

Rechtspfleger Paul Dumler erteilte am Dienstagvormittag am Amtsgericht Weiden den Zuschlag für ein Bargebot von 90.000 Euro. Vor Ort war Bürgermeister Werner Prucker. Ursprünglich war das Gebäude auf einen Verkehrswert von 175.000 Euro taxiert worden.

Gemeinde will touristische Nutzung sichern

Für die Gemeinde bedeutet dieses Haus viel. Sie will eine touristische Nutzung sichern. Quer durch das Grundstück und direkt an der Haustür vorbei verläuft der Steinwald-Radweg. Die verschuldete Besitzerin hatte die Durchfahrt zuletzt mit einem Bauzaun verhindert. Die Gemeinde musste eine Umleitung einrichten. Der Bauzaun ist nach rechtlichen Schritten zumindest vorübergehend wieder entfernt worden.

Das Ortsrichterhaus (Baujahr vor 1800) war schon einmal ein gastronomischer Betrieb, ab 1996 bis zur Ermordung des Wirtes im Jahr 2011. Ein Schweißer (33) aus Weiden erschlug den Wirt (67) mit sieben Hammerschlägen. Motiv: Habgier. 2016 verkaufte die Erbengemeinschaft das Areal. Die Sigo Immobilien GmbH verkaufte das Haus weiter an die jetzige Besitzerin. Bis zuletzt kämpfte diese gegen die Zwangsversteigerung an, unter anderem mit Befangenheitsanträgen gegen Rechtspfleger Dumler.

Mehrere Anläufe für Versteigerung

Der Versteigerungstermin am Dienstag war der (hoffentlich) letzte einer ganzen Reihe. 2021 hatte die Sigo die Zwangsversteigerung beantragt. Ein erster Termin 2022 war nur teilweise erfolgreich. Die Versteigerung des Geländes erfolgte in drei Teilen. Die Gemeinde ersteigerte ein unbebautes Grundstück; der Geschäftsführer einer Münchener Firma sicherte sich das Nebengebäude. Verkündung für diese Zuschläge war Anfang 2023. Für das Ortsrichterstüberl selbst war zunächst kein ausreichend hohes Gebot abgegeben worden. Dies erfolgte nun am Termin am Dienstag.

[Update] Die bisherige Eigentümerin schildert gegenüber OberpfalzECHO am Dienstag ihre Sicht der Dinge – und die ist naturgemäß anders als die der Gemeinde. Unter anderem streiten die Parteien um den Radweg, der über das Gelände führt. Sie habe den Bauzaun zwar jüngst entfernen müssen, so die Besitzerin. “Aber nur vorübergehend.” Sie habe in dieser Sache Klage zum Verwaltungsgericht Regensburg eingereicht. Zudem hat die Frau mehrere Strafanzeigen gestellt, unter anderem gegen den Bürgermeister. Freiwillig, das scheint klar, wird sie das Areal nicht verlassen.

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