Erleichterungen kommen kaum an

Weiden. Am Dienstag hat das Bayerische Kabinett Lockerungen bei den Zuschauergrenzen für Sport- und Kulturveranstaltungen beschlossen. Allerdings helfen die neuen Regelungen den Kulturschaffenden in der nördlichen Oberpfalz nur wenig, wie eine Umfrage von OberpfalzECHO unter Theatern, Kinos und Veranstaltern ergab.

Bilder: Jürgen Wilke

Durch die Lockerungen bei den Zuschauergrenzen für Sport- und Kulturveranstaltungen können auch Fußballspiele wieder vor Publikum stattfinden. Seit Dezember waren Zuschauer bei Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern verboten, nun sollen Stadien bereits von Donnerstag an wieder bis zu 25 Prozent ihrer Zuschauerränge belegen können, maximal dürfen 10.000 Menschen ein Spiel besuchen.

Damit setzt sich Bayern, wie andere Bundesländer auch, über im Dezember getroffene Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz hinweg. Diese Neuregelung betrifft aber keinen Verein in der nördlichen Oberpfalz. Zum Beispiel dürfen die Blue Devils Weiden als ranghöchster Club der Region in der Eishockey-Oberliga jetzt schon vor Publikum spielen. 

Auch Kultureinrichtungen wie Theater oder Kinos sollen ihre Säle künftig stärker auslasten können. Statt der bislang erlaubten Zuschauergrenze von 25 Prozent soll nach den Beschlüssen der Staatsregierung die Hälfte der Plätze belegt werden dürfen – „eine moderate Anhebung“, wie Staatsminister Florian Herrmann betonte. Die 2-G-plus-Regel für den Besuch im Theater oder Kino soll jedoch weiterhin gelten. Ebenso wie die Abstandsregeln.

„Keinerlei Vorteile“

Und genau hier liegt die Crux. Weil weiterhin 1,50 Meter Abstand in geschlossenen Räumen eingehalten werden müssen, hilft die Lockerung zum Beispiel Veranstaltungen in der Weidener Max-Reger-Halle nichts, bedauert Geschäftsführer Johannes Häring. „Die 50 Prozent Auslastung haben für uns keinerlei Vorteile. Wir bringen im großen Saal nicht die jetzt erlaubten 450 Besucher unter, weil wir den Mindestabstand nicht einhalten können.“ 

Ein weiteres Problem für den Konzertveranstalter: Die Buchung der Künstler. „Es ist natürlich derzeit wegen der sich ständig verändernden Vorgaben sehr schwierig, etwas vorauszuplanen“, sagt Häring. Auch deshalb hätten die Lockerungen wohl kaum Auswirkungen auf das Geschäft.

Apropos Geschäft: Der Umsatz der Max-Reger-Halle ist laut Geschäftsführer um zwei Drittel eingebrochen. Sein Trost sei, dass die Stadt hinter der Halle stehe und so der Verlust nicht ganz so gravierend sei. „So lange sich an der 2-G-plus-Pflicht nichts ändert, werden wir auch kaum Veranstaltungen haben.“

Er habe fünf oder sechs Anfragen von Amerikanern, die Bälle durchführern wollen, das aber wegen der Vorgaben momentan zurückgestellt hätten. Häring hat eine klare Forderung an die Politik: „Wie in der Gastronomie brauchen auch wir die 2-G-Regel.“ So recht dran glauben will er aber nicht. „Ich denke, vor Mitte März wird sich hier nichts großartig ändern.“  

„Mehr Theateratmosphäre“

Für das Landestheater Oberpfalz (LTO) sind die beschlossenen Änderungen ein kleiner Lichtblick. „Endlich finden auch die Anliegen der Kultur Gehör für die längst überfällige Modifizierung der Infektionsschutzregelungen. 50 Prozent Auslastung bedeuten wieder mehr Theateratmosphäre für Publikum und Ensemble“, freut sich LTO-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer.

Mit 2-G-plus und Abstand sei für alle Seiten eine angebrachte Sicherheit gewährleistet. „Wir sind aber noch lange nicht in der Normalität angelangt. Bis zu den Sommerfestspielen im Mai hoffen wir natürlich, dass es weitere Lockerungen gibt und auch die Maske auf dem Platz abgenommen werden darf. Da sind wir dann ja an der frischen Luft und erhoffen uns, dass die Regelungen heuer aufgrund der Impfquote lockerer sind als im vergangenen Jahr.“

Zweimal „Karneval der Tiere“

Trotz einiger Absagen hat sich das LTO dazu entschieden, im Februar zwei Veranstaltungen vom „Karneval der Tiere“ in der Max-Reger-Halle zu spielen. „Dort haben wir viel Platz und wollten auch sehen, wie unser Publikum reagiert“, sagt der Geschäftsführer. Man überlege derzeit, wie man mit den Vorstellungen von „Resl Unser“ im April in Konnersreuth umgehe. Für die Veranstaltungen im Freilichtbereich Ende Mai ist Meidenbauer „vorsichtig optimistisch“, dass weitere Lockerungen folgen.

Die reduzierten Zuschauerkapazitäten und Absagen von Veranstaltungen waren auch finanziell eine Herausforderung für das Landestheater Oberpfalz. Meidenbauer: „Auch wir sind neben den öffentlichen Zuwendungen der Kommunen und des Freistaats auf weitere Corona-Hilfsprogramme zur Existenzsicherung angewiesen.“

OVIGO-Theater ist gut davon gekommen

Positiv bewertet auch Florian Wein, Autor, Regisseur, Schauspieler und Vorsitzender des einst in Oberviechtach gegründeten OVIGO-Theaters Regensburg die Lockerungen. „Das hilft uns natürlich bei unseren Planungen für die Saison.“ Zwölf Formate hat das OVIGO heuer geplant, davon mehrere im Freien, was das Ganze etwas erleichtere. Fiinanziell hätten sich die Einbußen laut Wein in Grenzen gehalten. „Wir sind ja ein gemeinnnütziger Verein und wurden entsprechend unterstützt. Wir können uns nicht beklagen.“  

Nur ein kleiner Schritt

Nur einen kleinen Schritt hin zur Gleichbehandlung sieht Evelyn Nadler vom Neue Welt-Kinocenter in Weiden in den Beschlüssen der Staatsregierung. „Warum gelten für uns nicht die gleichen Vorgaben wie für Restaurants und Gaststätten?“, fragt die Chefin des Lichtspielhauses. Zwar könnten jetzt theoretisch wieder mehr Besucher ins Kino kommen, doch viele Leute schrecke die Maske und vor allem die Testpflicht ab. „Das ist doch jedesmal ein Riesenakt, sich vorher testen zu lassen.“ 

2021 seien die Besucherzahlen im Vergleich zu einem guten Jahr um 80 Prozent zurückgegangen. „Weil wir ja bis Mitte Juni komplett schließen mussten.“ Sie habe aber auch Verständnis für die schwierige Situation der Politik („mit denen möchte ich nicht tauschen“), erhoffe von ihr aber eine „annähernde Gleichbehandlung mit anderen Branchen“. Und sie hofft, dass Corona bald vorbei ist. „Es kann ja nur besser werden.“   

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