Saisonal, regional, gesund: So schmeckt Natur

Waldeck. Zurück zur Natur und zu dem, was sie uns schenkt: Köstliche und gesunde Wildpflanzen, zu entdecken bald wieder im Essbaren Wildpflanzenpark (EWILPA) Waldeck.

Von Udo Fürst

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Markus Strauß ist der Ideengeber für den Essbaren Wildpflanzenpark in Waldeck.

Sie heißen „Waldecker wilde Tage“ und sie eröffnen die Saison 2019 des Essbaren Wildpflanzenparks (EWILPA) Waldeck an Pfingsten. Bei Vorträgen und Führungen auf dem circa fünf Kilometer langen Rundweg mit 13 Teilflächen rund um den Ort kann man die Natur mit Hunderten Wildpflanzen von Apfelbeere bis Wermut hautnah entdecken. Lange vor dem erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat Dr. Markus Strauß erkannt, dass sich einiges ändern muss beim Umgang des Menschen mit der Natur. „Ich plädiere für die (Re-)Integration der essbaren Wildpflanzen in unsere Alltagskultur. Seit Anbeginn der Menschheit vor mehr als zwei Millionen Jahren bildeten essbare Wildpflanzen unsere Lebensgrundlage. Leider ging das altbewährte Wissen fast gänzlich verloren. Heute wird uns in zunehmender Weise ein Verlust an Lebensqualität bewusst“, sagt der im Allgäu lebende Geograf, Geologe und Biologe.

Der „Wildpflanzenpapst“ hat eine Vision!

Vor vier Jahren gründete der auch als Wildpflanzenpapst bezeichnete Strauß die Stiftung Essbare Wildpflanzenparks. Seine Vision: Möglichst siedlungsnah werden mit einheimischen essbaren Bäumen, Sträuchern, Stauden und Kräutern Landschaftsparks angelegt, in denen sich jeder mit wilden Lebensmitteln versorgen kann. Die Parks stehen für alle offen und dienten damit auch dem sozialen Ausgleich. „In einem solchen Park fühlen sich aber nicht nur Menschen wohl: Auch Insekten, Kleinsäuger, Amphibien, Reptilien und Vögel finden hier Unterschlupf und reichlich Nahrung. Außerdem können sich die Böden regenerieren und sauberes Trinkwasser bilden.“

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Von Liebhabern des gepflegten Gartens gehasst, von Naturfreuden geliebt: Giersch. Foto: Birgit Matz

Saisonal, regional, gesund: Arbeiten mit Kraft der Natur

Nach dem langen Winter erwacht die Natur in der rauen Oberpfalz erst langsam. Vorsichtig spitzen erste Knospen aus der vor wenigen Wochen noch schneebedeckten Erde. Doch der Winterschlaf ist bald beendet. Spätestens im Mai/Juni werden rund um den Schlossberg die Wildpflanzen sprießen: Apfelbeere, Bärlauch, Gänseblümchen, Brennnessel und Giersch – nur einige von Dutzenden natürlich wachsenden Sorten, aus denen man gesunde Getränke und Gerichte herstellen kann. 1000 Sträucher und 100 Bäume wurden vor eineinhalb Jahren unter der Regie des Heimat- und Kulturvereins Waldeck entlang des Rundwanderweges gepflanzt.

„Mit der Kraft der Natur arbeiten“, beschreibt Strauß das Prinzip. Essbare Wildpflanzen seien das ganze Jahr über eine gesunde und schmackhafte Bereicherung des Speiseplans: „Von März bis Juni in der grünen Hochsaison finden wir würzige Kräuter und schmackhafte Wildgemüse in Hülle und Fülle.“ Im Juni und Juli sei die Konzentration an Duftstoffen und ätherischen Ölen besonders hoch. Es ist die Zeit duftender Blüten und Kräuter zur Herstellung von Tees, Sirup und Limonaden. „Im Sommer bieten besonders die Ackerbegleitkräuter Melde, Gänsedistel, Malve, Nachtkerze und Franzosenkraut reichlich Nahrung.“

Im Spätsommer und Herbst lockt alles gleichzeitig: Wildfrüchte wie Hagebutten, Kornelkirschen und Ebereschen, Esskastanien, Nüsse und Wurzelgemüse. Auch die Kräuter erleben ihre zweite Saison. „Jetzt kann man Vorräte für die Wintermonate anlegen.“ Wildpflanzen wachsen ohne menschliches Zutun und Strauß sieht in ihnen die ehrlichsten Lebensmittel, da sie ohne Züchtung, Gentechnik, Dünger oder Agrarchemie gedeihen.

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Die Protagonisten des EWILPA Waldeck: Elisabeth Zintl, Werner Nickl, Leonhard Zintl, Markus Strauß, Anja Hösl und Ernst Tippmann (von links). Fotos: Udo Fürst

„Waldecker wilde Tage“

Man nimmt Markus Strauß‘ Begeisterung für die Natur gerne ab. Ruhig und doch eindringlich plädiert er für die großartigen Möglichkeiten, die sie biete. In Waldeck hat der Wildpflanzenpapst engagierte Unterstützer gefunden: Leonhard Zintl von den Hollerhöfen, Ernst Tippmann vom Naturpark Steinwald, Kemnaths Bürgermeister Werner Nickl und die Helfer vom Heimat- und Kulturverein.

Der EWILPA Waldeck ist mehr als ein Erlebnis-Wanderweg und Standort für essbare Wildpflanzen. „Er ist ein Ort des Lernens, des Naturschutzes, der Gesundheit, der Erholung und der Lebensqualität“, sagt Strauß und verweist auf die Seminare für Kräuter- und Pflanzenliebhaber in den Hollerhöfen.

Das Programm zum einjährigen Bestehen des EWILPA unter der Überschrift „Waldecker wilde Tage“ von 7. bis 9. Juni bietet eine Kombination aus Fachkongressen, Führungen, Vorträgen und Informationsständen.

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