Essen aus dem Garten Natur: Erster Wildpflanzenpark Deutschlands

Waldeck. In Waldeck entsteht der erste essbare Wildpflanzenpark (EWILPA) Deutschlands. Die Stadt Kemnath, der Naturpark Steinwald und der Heimat- und Kulturverein schufen unter Anleitung von Markus Strauß von der Stiftung „Essbare Wildpflanzenparks“ ein Areal mit 13 Teilflächen und einem fünf Kilometer langen Rundweg zwischen Sportplatz, Schlossberg und altem Friedhof. Dort wachsen Hunderte Wildpflanzen von Apfelbeere über Bärlauch und Giersch bis Wermut.

Von Udo Fürst

essbare Wildpflanzen Park Waldeck
Leonhard Zintl, Bürgermeister Werner Nickl, Ernst Tippmann, Markus Strauß sowie Franz Horn und Georg Wagner (v. li.) vom Heimat- und Kulturverein stellten den Wildpflanzenpark vor.

Im Herbst vergangenen Jahres pflanzten Fachleute mit Unterstützung von Freiwilligen vom Heimat- und Kulturverein 900 Sträucher und 100 Bäume entlang des Rundwanderweges. Zusammen mit den dort bereits seit Jahrhunderten beheimateten Pflanzen bilden sie den EWILPA Waldeck – ein Areal voller gesunder, leckerer und kostenloser Pflanzen. Die Pflanzen wachsen auf ökologisch unterschiedlichen Flächen: Feldfluren mit Hecken und Alleen, Mager-, Feucht- und Streuobstwiesen, Auwald, Laub- und Mischwälder, Fichtenforst, Hochstaudenflut oder Basaltfelsen. „Das zusammen ergibt im harmonischen Zusammenspiel sowohl ein artenreiches Biotop als auch eine idyllische Erholungslandschaft“, erklärt Markus Strauß.

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Der Experte: Markus Strauß

Der Wildpflanzenpapst

Der Geograf, Geologe und Biologie gilt als „Wildpflanzenpapst“ und erster Ansprechpartner bei diesem Thema in Deutschland. Bei der Vorstellung des circa 60.000 Euro teuren Projekts in den Hollerhöfen schwärmte der im Allgäu lebende Experte: „Essbare Wildpflanzen bieten das ganze Jahr über eine gesunde und schmackhafte Bereicherung des Speiseplans. Sie gedeihen ohne unser Zutun und werden uns von der Natur geschenkt.“

Strauß‘ Intuition ist nach seinen Worten die Reinkarnation der Wildpflanze in der heutigen Alltagsesskultur. „Es gibt nichts Besseres. Die Pflanzen schmecken gut, sind gesund und kosten nichts.“ Oft werde nur von Kräutern gesprochen, aber die seien nur ein Teil des Ganzen. Zu Wildpflanzen gehörten auch Stauden, Sträucher und Bäume. Er freue sich, dass in den vergangenen Jahren ein Umdenken eingesetzt habe und immer mehr Menschen den großen Wert dieser Naturgeschenke erkennen würden.

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Rund um den Schlossberg entstand ein fünf Kilometer langer Rundweg, auf dem man Dutzende essbarer Wildpflanzen entdecken, ernten und verkosten kann.

Hundert Jahre alte Pflanzen – zum Essen

Im Park gibt es neben den vielen Wildkräutern auch Wildobstbäume, Nüsse oder Esskastanien – teilweise Hunderte Jahre alt. So sei laut Leonhard Zintl, dem Initiator des Projekts, ein Waldecker bereits vor fast 200 Jahren für seinen Obstgarten am Schlossberg vom Bayerischen König ausgezeichnet worden. Der zweite Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins holte den Spezialisten Strauß nach Waldeck. „Wir wollen Vorhandenes sichtbar machen“, erklärte Zintl und zählte dafür die Beispiele Burgsanierung und Marterlweg auf.

Auch Bürgermeister Peter Nickl („Der Wildpflanzenpark bringt den Tourismus wieder ein Stück nach vorne“) und Ernst Tippmann vom Naturpark Steinwald („Der Naturpark besteht nicht nur aus Oberpfalzturm und Weißenstein“) ließen ihre Begeisterung für den essbaren Wildpflanzenpark erkennen. Laut Tippmann sei das Projekt erheblich vom Freistaat gefördert worden, so dass die Kommune nur etwa 24.000 Euro aufbringen müsse. Da auch die Folgekosten recht gering ausfielen, halte sich die Belastung für die Stadt in überschaubaren Grenzen.

essbare Wildpflanzen Park Waldeck
Auch der alte Friedhof von Waldeck wurde in den Rundwanderweg integriert

Die Eröffnung des essbaren Wildpflanzenparks am Samstag, 16. Juni (Einweihung um 14 Uhr) und Sonntag, 17. Juni wird mit Führungen, Vorträgen, Kräutererkundungen, Pflanzenmärchen, Übungen, Informationen und Musik gebührend gefeiert.

Fotos: Udo Fürst

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1 Kommentare

Ositha Prögler - 23.03.2022

oh, das muss ich mir anschauen.
Gibt es auch Führungen oder Schulungen/ für Vermehrung oder Pflanzenverkauf?
Wir habe 80 ha rund ums Haus in 93464 Tiefenbach und wollen auch so einen Garten anlegen. Wer hilft dabei? An wen kann ich mich wenden?

Freundliche Grüße

Ositha Prögler