Fachkräftemangel – im Kammerbezirk droht Riesenlücke

Weiden. Der Mangel an Fach- und Arbeitskräften stellt die regionale Wirtschaft neben der Corona-Pandemie und dem Ukrainekrieg vor immense Herausforderungen, so die einhellige Erkenntnis aus dem Gespräch der Vorstände des IHK-Gremiums Nordoberpfalz mit dem Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht.

Die Herbstsonne lacht vom Arbeitsmarkthimmel. Immer mehr offene Stellen werden gemeldet. Foto: Pixabay

„Die Reserven auf dem Arbeitsmarkt sind aufgebraucht, die Stellenangebote der Unternehmen häufen sich und auf jeden Bewerber um eine Ausbildungsstelle kommen aktuell mehr als zwei Angebote“, schilderte der Vorsitzende des IHK-Gremiums Nordoberpfalz Bernd Fürbringer das besorgniserregende Tagesgeschäft der Betriebe.

Ferner sei das Gewinnen von neuen Beschäftigten aus dem nahen Tschechien oder der Europäischen Union mittlerweile auch mehr als schwierig. Bei den Nachbarn herrsche nicht minder großer Mangel an Arbeitskräften.

Ein strukturelles Problem

Somit beschäftigt sich die Wirtschaft nun vermehrt mit der Anwerbung aus sogenannten Drittstaaten. Ein notwendiger Weg, so die Wirtschaftsvertreter, um überhaupt den hohen Auftragsbestand abzuarbeiten, Öffnungszeiten aufrechtzuerhalten oder Kunden zu bedienen. „Die angespannte Lage erstreckt sich de facto über alle Branchen, und das vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, das heißt die Nordoberpfälzer werden weniger und älter“, so Fürbringer.

„Wir haben es hier mit keinem vorübergehenden, sondern einem strukturellen Problem zu tun“, ergänzte Florian Rieder, Leiter der hiesigen IHK-Geschäftsstelle. Zudem baue sich mit dem Renteneintritt der „Babyboomer“ eine unheilvolle, zusätzliche Welle auf.

Fachkräfte fehlen an allen Ecken

„Allein im Jahr 2026 werde eine Lücke von 26.000 fehlenden qualifizierten Fachkräften für den Kammerbezirk Oberpfalz /Kelheim prognostiziert“, stellte IHK-Fachkräfteexpertin Nicole Scheßl fest. Die Erfahrungen aus dem 2020 geschaffenen Fachkräfteeinwanderungsgesetz ernüchterten demgegenüber.

Gerade einmal 72 Arbeitnehmer seien zwischen dem Inkrafttreten und Mitte 2022 aus Drittstaaten in die Nordoberpfalz zur Arbeitsaufnahme gekommen, sogar viel weniger als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, so die Unternehmer. „Wir benötigen den möglichst pragmatischen Zugang in die Beschäftigung unseres Landes“, gab Albert Rupprecht den Sorgen recht.

Das Gesetz baue zum Teil umständliche bürokratische Hürden auf. Verständnis besteht auf Seite der Politik auch für den dringenden Bedarf der Betriebe, auch Bewerbern aus Drittstaaten ein Visum zu erteilen, die über keine staatlich anerkannten Ausbildungsabschluss verfügen.

Trotzdem keine falschen Signale senden

Gleichwohl müsse beim Nachschärfen des Gesetzes ein Konzept entwickelt werde, das keine falschen Signale aussende und zur sofortigen Belastung der heimischen Sozialsysteme führe, so Rupprecht. Große Einigkeit herrschte bei den Gesprächsteilnehmern zum Thema der sozialen Integration zugewanderter Arbeits- und Fachkräfte. Keine Anwerbung ohne gelungene Integration, so das Ergebnis der intensiven Diskussion.

Dass man nur erfolgreich sein kann, wenn man nicht nur neue Beschäftigte, sondern auch neue Bürger gewinnt, lag den Unternehmensvertretern besonders am Herzen. Diese keinesfalls triviale Herausforderung könne aber nur in einem gemeinsamen Konzept zwischen Wirtschaft, Politik, Kommunen und Ehrenamtlichen gestemmt werden, zeigte sich Rupprecht überzeugt.

Die Wirtschaftsvertreter begrüßten diesen Ansatz der Zusammenarbeit, da in übergreifenden systematischen Strukturen auch kleine und mittlere Betriebe die realistische Chance auf eine Anwerbung bekommen würden. Gemeinsam wolle man nun die Akteure an einen Tisch holen, um erste Schritte zu erarbeiten.

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