Fahrrad Fritsch: Vom Hochrad zum E-Mountainbike

Der Familienbetrieb Fahrrad Fritsch kann auf 95 Jahre Firmengeschichte zurückblicken

Neustadt/WN. Jeder Neustädter kennt die Familie Fritsch und ihre Fahrräder. Viele haben sich in dem Laden am Stadtplatz selbst ihren ersten Drahtesel gekauft. Mittlerweile blickt die Familie auf 95 Jahre Firmengeschichte zurück. Seitdem hat sich nicht nur bei den Fahrradtrends einiges getan.

Die Familie Fritsch betreibt den Fahrradhandel mittlerweile in dritter Generation. Ludwig Fritsch jun (Mitte) ist inzwischen selbst Vater und verkauft seit einem Jahr seine Fahrräder in Altenstadt. Fotos (7): Hans Prem

Maria Fritsch erklärte ihren Ehemann Josef für verrückt, als dieser 1927 eine sichere Stellung bei der damaligen Reichsbahn aufgab und im Stadtmühlweg im Haus der Familie Sixt eine Bau- und Maschinenschlosserei mit einer angeschlossenen Auto-Reparaturwerkstätte und einem Fahrradgeschäft gründete. Heute können Sohn Ludwig und Enkel Ludwig mit ihren Familien auf eine 95-jährige Firmengeschichte zurückblicken.

Harte Zeiten nach dem ersten Weltkrieg

Die Zeiten vor und nach dem Ersten Weltkrieg waren hart. Nachdem der am 14.10.1899 geborene Josef Fritsch eine Ausbildung zum Schmied bei der Firma Mittelmeier in Reuth bei Erbendorf absolviert hatte, brach er zu Wanderjahren auf und erlernte in Friedberg bei Augsburg den Beruf des Maschinenschlossers. „In einem Brief forderte der damalige Lehrherr meine Großeltern auf, Lehrgeld für dessen Ausbildung zu zahlen“, erzählt Ludwig Fritsch, der seit 1972 die Firma Metallbau Fritsch leitet.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs, in dem der 18-Jährige bayerische Infanterist in Frankreich an der Front diente, arbeitete Josef Fritsch im Ausbesserungswerk der Reichsbahn in Weiden. „Mein Vater war ein begeisterter Radfahrer und hat schon in dieser Zeit nebenbei mit Fahrrädern gehandelt“. Auf einem Foto an der Wand in der guten Stube ist er zu sehen zusammen mit Mitgliedern des Radfahrvereins Concordia, die auf Rädern und zwei Hochrädern sitzen.

NSU-Motorräder und eine Tankstelle

In den 30er-Jahren wurde der Betrieb in eine Garage in der heutigen Alten Tirschenreuther Straße verlegt. 1936 erwarb Josef Fritsch dann ein Haus am Stadtplatz. „Mein Vater vertrieb bereits vor dem Krieg NSU-Motorräder und NSU-Fahrräder und bot auch einen umfassenden Reparaturservice an. Auch zu den Heidemann-Werken in Einbeck (HWE) hatte er gute Geschäftsbeziehungen“.

Fahrräder über Fahrräder. Josef Fritsch eröffnete das Geschäft kur nach dem ersten Weltkrieg. 1947 übernahm sein Sohn Ludwig. Bilder aus vergangenen Tagen.
Fahrräder über Fahrräder. Josef Fritsch eröffnete das Geschäft kur nach dem ersten Weltkrieg. 1947 übernahm sein Sohn Ludwig. Bilder aus vergangenen Tagen.
Das Fahrradgeschäft am Neustädter Stadtplatz ist für die Kreisstädter kaum wegzudenken. Inzwischen befindet sich hier nur noch eine Reparaturwerkstatt. Das Ladengeschäft ist mit Ludwig Fritsch jun. in eine Halle in Altenstadt gezogen.
Das Fahrradgeschäft am Neustädter Stadtplatz ist für die Kreisstädter kaum wegzudenken. Inzwischen befindet sich hier nur noch eine Reparaturwerkstatt. Das Ladengeschäft ist mit Ludwig Fritsch jun. in eine Halle in Altenstadt gezogen.
Hans Prem
Hans Prem
Hans Prem
Hans Prem
Hans Prem
Hans Prem

1947 eröffnete er am Stadtplatz auch eine Tankstelle, die er Ende der 50er Jahre nach dem Ausbau der neuen Ortsdurchfahrt wieder aufgeben musste. Bis zum letzten Jahr war hier der Sitz des Ladengeschäfts für eine Motorrad- und Fahrradhandlung sowie Reparaturwerkstätte.

Vom Fahrradhändler zum Metallbauer

Der Firmengründer übergab 1972 den Betrieb seinem jüngsten Sohn Ludwig. Der erweiterte den Betrieb 1984 durch den Bau einer großen Halle in Altenstadt/WN. Aus der Firma wurde Metallbau Fritsch. Aus kleinsten handwerklichen Anfängen entwickelte sich die Firma zu einem leistungsfähigen, flexiblen Handwerksbetrieb, der sich nicht nur regional, sondern auch außerhalb der weißblauen Grenzpfähle eines guten Rufes erfreute.

Das Fahrradgeschäft blieb am Stadtplatz. 2010 stieg Sohn Ludwig Fritsch junior ein. Er eröffnete eine Filiale in der Freyung und zog schließlich im letzten Jahr mit einem topmodernen Fahrradladen in einen Teil der Altenstädter Halle um.

Für Ludwig Fritsch, der sich in erster Linie um den Metallbau kümmerte, waren immer seine Mutter Maria und dann später seine Frau Anna die das Fahrradgeschäft führten und entwickelten. Vom anfänglichen Hochrad bis zu den aktuellen E-Bikes hat sich der Fahrradsektor im Laufe der Firmengeschichte rasant entwickelt.

Anfangs sei zu seinem Vater noch Engelbert Wiener, der Gründer der Fahrradmarke Winora in Schweinfurt persönlich gekommen und habe seine Fahrräder verkauft. Auch Otto Stahlgruber, der Erfinder des TippTopp-Schlauchflickzeugs kam als Vertreter zu Fahrrad Fritsch. „Der Torpedo-Freilauf und die Rücktrittsbremse, die Simplex-Schaltung und dann die 3-Gang-Nabenschaltung von Fichtel & Sachs oder die Felgenbremsen waren schon große Fortschritte im Fahrradbau“, erinnert sich Ludwig Fritsch senior.

Reparaturen und neueste Fahrradtrends

Ludwig Fritsch verkauft seit gut einem Jahr die neusten Modelle in einem neuen, modernen Laden in Altenstadt.

Auch wenn das Fahrradgeschäft in die Nachbargemeinde umgezogen ist: Ein paar Räder stehen immer noch herum und vor allem gibt es noch die bestens aufgestellte Reparaturwerkstatt. Für die ist seit vielen Jahren Norbert Neumann zuständig, der „Fahrraddoktor“, wie ihn Ludwig Fritsch nennt. Er kann auf beinahe 50-jährige Betriebszugehörigkeit zurückblicken und kennt sich mit den Macken der Bikes aus wie kein anderer. Er repariert immer noch in seiner Werkstatt am Stadtplatz Fahrräder während das Geschäft nach Altenstadt in die firmeneigene Halle verlegt wurde.

Im letzten Jahr eröffnete dort Ludwig Fritsch junior ein topmodernes Fahrradgeschäft. Er schreibt damit die fast hundertjährige Geschichte der Firma Fritsch fort.

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