Frankfurter Buchmesse zwischen Wiedersehens-Freude und Krisenmodus

Frankfurt/Main. Auch auf der Frankfurter Buchmesse ist Krieg und Krise omnipräsent. Das euphorische Flimmern, das der Literaturszene innewohnt, bleibt aber weiterhin greifbar.

Die Frankfurter Buchmesse zieht weiterhin viele Besucher an. Foto: Stefan Schmid
Die Frankfurter Buchmesse zieht weiterhin viele Besucher an. Foto: Stefan Schmid
Die Buchbranche ruft dazu auf, Bücher nicht online zu bestellen. Foto: Stefan Schmid
Die Buchbranche ruft dazu auf, Bücher nicht online zu bestellen. Foto: Stefan Schmid
Bei besserem Wetter ist der Ausblick auf das Messegelände schöner. Foto: Stefan Schmid
Bei besserem Wetter ist der Ausblick auf das Messegelände schöner. Foto: Stefan Schmid
Multimediales Aufkommen auf der Büchermesse - Das Blaue Sofa des ZDF. Foto: Stefan Schmid
Multimediales Aufkommen auf der Büchermesse – Das Blaue Sofa des ZDF. Foto: Stefan Schmid
Ehrengast der Buchmesse ist dieses Jahr Spanien. Foto: Stefan Schmid
Ehrengast der Buchmesse ist dieses Jahr Spanien. Foto: Stefan Schmid
Stefan Schmid
Stefan Schmid
Stefan Schmid
Stefan Schmid

Im letzten Jahr fiel die Frankfurter Buchmesse deutlich kleiner aus als gewohnt. Nun, da praktisch keine Corona-Beschränkung für die Durchführung der Messe vorliegen, präsentiert sich die Ausstellung wieder im Prä-Pandemie-Gewandt. Mehr als 2.000 Aussteller präsentieren dem Publikum ihr Angebot, welches weit über die klassische Literatur hinausgeht.

Dabei können die Macher der Messe nicht nur mit Buchverlagen glänzen, auch Funk und Fernsehen sowie Zeitungen finden sich unter den nationalen und internationalen Ausstellern. Neben Ehrengast Spanien, tritt dieses Jahr, aufgrund des völkerrechtswidrigen Angriffs Russlands, auch die Ukraine in den Vordergrund. Nicht zuletzt der Auftritt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj macht dies deutlich.

Wer die Buchmesse besuchen will, sollte auf jeden Fall den Veranstaltungsplan im Auge behalten, der das Erlebnis vor Ort erst richtig abrundet. Von der Live-Diskussion mit Harald Welzer und Richard David Precht zu ihrer Medien-Kritik bis zum Live-Podcast, der von der Abschaffung des Kapitalismus träumt, ist alles geboten. Selbstverständlich können sich Besucher auch einfach eine Widmung ihrer liebsten Autorinnen und Autoren sichern.

Selenskyj bittet Buchbranche um Hilfe

Für großes Aufsehen sorgte am Donnerstagmittag der Auftritt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. In einer vierminütigen Ansprache richtet er sich im größten Saal der Messe an die Vertreter der Buchbranche. Er appelliert, den Angriff Russlands auf die Ukraine auch literarisch zu thematisieren. Dazu lädt Selenskyj die Kulturschaffenden ein, sein Land zu besuchen. „Bezeugen Sie es und erzählen Sie davon!“

Ohnehin finden sich viele ukrainische Autoren auf der Buchmesse wieder. So auch der in Kiev lebende Andrij Kurkow, dessen Bücher in deutscher Übersetzung beim Diogenes-Verlag erscheinen. Erfreut stellt dieser fest, dass ukrainische Literatur jetzt auch in Deutschland mehr in den Mittelpunkt rückt.

Buchmesse steht für gelebte Meinungspluralität

Dass die Buchmesse kein selbst beweihräuchernder abgeschirmter Raum ist, wird dadurch klar, dass auch kritische Stimmen zu Wort kommen. So sind Harald Welzer und Richard David Precht von der Zeit zu einem kritischen Dialog eingeladen. Es zeigt sich: Die Branche stellt sich den Vorwürfen der beiden Autoren, die immer wieder das Verhalten der Medien anprangern. Nach Welzer würden Medienschaffende es zusehends versäumen, die „vierte Gewalt im Staat“ auszuführen.

Viele Besucher lockt die Diskussion mit Welzer und Precht an. Foto: Stefan Schmid

Selbstkritisch ist die Zusammenstellung des Veranstaltungsprogramms allemal. Als Ulrike Herrmann im Live-Podcast davon berichtet, den Kapitalismus abzuschaffen, greift sie auch die Grundlagen der Buchmesse an. Ohne kapitalistische Strukturen würde auch eine Frankfurter Buchmesse nicht in dem Umfang existieren können, wie sie es tut.

Buchbranche feiert sich selbst und vergisst zum Teil die Besucher

Während man über die Flure der gut besuchten Hallen der Messe schlendert, stechen den Besuchern aber auch negative Aspekte ins Auge. Die schaffende Literaturszene ist sichtlich erfreut, sich wieder in vollem Umfang in Frankfurt begegnen zu können. Für die Fachbesucher ist das Get-together sicherlich eine schöne Gelegenheit, alte Kontakte wieder aufleben zu lassen. Für die lesebegeisterte Besucherschar ergeben sich dadurch aber auch ernüchternde Momente. Es kommt vor, dass Aussteller verschiedener Stände zum Plausch zusammenstehen, anstatt sich dem Publikum zu widmen.

Demgegenüber stehen sehr viele offenherzige Ausstellende, die gerne mit ihren Leserinnen und Lesern ins Gespräch kommen wollen. Wer also dem Erschaffer der liebsten Roman-Figur schon immer einmal persönlich begegnen wollte, ist auf der Buchmesse ganz sicher richtig. Allerdings sollte vorher der Veranstaltungskalender gecheckt werden, ob der entsprechende Autor auch am eigenen Besuchstag anzutreffen ist.

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