Wirtschaft

Gärtnerei Schinner kämpft mit Folgen der Corona-Pandemie

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Fuchsmühl. Von den Auswirkungen des Coronavirus sind fast alle Firmen betroffen. Ganz besonders hart erwischt hat es die Gärtnereien und Floristen. In ihren Gewächshäusern und Blumenläden grünt und blüht es, aber sie bringen ihre Blumen nicht an den Mann, weil sie ihre Geschäfte nicht öffnen dürfen. Am Beispiel des Gärtnereifachbetriebs Hans Schinner in Güttern bei Fuchsmühl wird deutlich, wie existenzbedrohend die Situation für diese Unternehmen ist.

Von Udo Fürst

Gärtnerei Schinner Fuchsmühl Hans Schinner in seiner Gärtnerei. Was mit all den Blumen geschehen soll, ist ihm ein Rätsel

22. Februar: Hans Schinner feiert mit Kollegen, Freunden und Familie seinen 50. Geburtstag. Die Stimmung ist natürlich prächtig – von Corona redet damals noch fast niemand. Zu weit weg scheint das Virus. Dezente Musik, gutes Essen und nette Gespräche kennzeichnen den Abend im Gwäxhaus. Der Gartenbau-Ingenieur, Inhaber der gleichnamigen Gärtnerei, zweifache Familienvater und Marktgemeinderat dankt Familie, Angestellten, Geschäftspartnern und Freunden. Alle sind bestens gelaunt, Hans Schinner strahlt Mut und Zuversicht aus, ist stolz auf sein Lebenswerk.

28. März: Das Corona-Virus hat Deutschland fest im Griff. Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverbote und Geschäftsschließungen haben das öffentliche Leben lahmgelegt. Und es hat Hans Schinner verändert.

Verzweiflung statt Lebensfreude

Aus dem lebenslustigen, stets zu einem Späßchen aufgelegten Workaholic ist ein fast verzweifelter Unternehmer geworden. Wegen der Auswirkungen des Virus und weil er seinen Beruf liebt. Als er vor 25 Jahren die kleine Gärtnerei von seinem Vater Heinz übernahm, dachte er wohl selbst nicht im Traum daran, wie sich der zwei-Mann-Betrieb entwickeln sollte.

Heute beschäftigt Schinner 30 Leute und besitzt neben dem Stammbetrieb in Güttern weitere Filialen in Erbendorf, Mitterteich (2) und Grafenwöhr. Außerdem hat er sich mit Konzerten, Messen und als Hochzeitsveranstalter in seinem „Gwäxhaus“ ein zweites Standbein aufgebaut. Das alles ist Stand 28. März 2020 Makulatur.

Hans Schinner leidet – und man sieht es ihm an. Der sonst nie um einen Spruch verlegene 50-Jährige wirkt ernst und in sich gekehrt, als er erzählt: „Ich bin am Anschlag. Das alles macht mich wahnsinnig. Ich kann kaum noch schlafen.“ Nachdem klar war, dass er den normalen Verkauf in seiner Gärtnerei und in den Filialen schließen muss, habe er in einem ersten Schritt acht Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. „Das ist mir verdammt schwergefallen, war aber nicht zu vermeiden.“

Es ist eine dramatische Lage

Er wolle niemand entlassen – so lange es irgendwie gehe. Ausschließen könne man aber in der jetzigen Situation nichts. „Es ist eine dramatische Lage", urteilt Schinner. In den Betrieben stehe jetzt eigentlich die Hauptsaison an. Den Beginn machen die Frühjahrsblüher, die zum Großteil noch vor Ostern über die Verkaufstheken wandern. Zwar müssen die meisten Gärtnereien seit einigen Tagen ihre Türen geschlossen halten. Trotzdem laufen die Arbeiten dahinter weiter.

Wir können ja jetzt nicht die Hände in den Schoß legen.“

Es ist eine wahre Farbexplosion, die den Besucher in den fünf Gewächshäusern von Schinner in Güttern empfängt. 150.000 Primeln, Osterglocken und Narzissen warten auf Käufer – heuer wohl vergeblich. „Das ist alles bezahlte Ware“, sagt Schinner inmitten seiner Blütenpracht und schiebt fast resignierend hinterher: „Die Blumen vergammeln und ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll.“ Gärtnereien arbeiten in der Regel zyklisch. „Das heißt, wir kaufen im Winter ein und bezahlen das im Frühsommer aus den Verkaufserlösen.“

Gärtnerei Schinner Fuchsmühl Ans Aufgeben denkt der Gärtner nicht

Gärterei setzt auf Lieferdienst

Kleiner Trost für Hans Schinner, der mit seiner Frau Sandra zwei heranwachsende Töchter hat: „Ich habe eine unglaubliche Welle der Anteilnahme erfahren, Dutzende WhatsApp und E-Mails bekommen, in denen mich Freunde, Bekannte und Kunden gefragt haben, wie sie helfen können. Viele haben jetzt Blumen bestellt.“ Auch viele andere Gärtnereien setzen auf verstärkten Lieferservice.

„Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Schinner. „Das rettet den Umsatz nicht, den wir ansonsten in dieser Zeit machen." Ausgeliefert wird ohne direkten Kontakt zu den Kunden. Ein Fahrzeug reicht, um die Bestellungen, die per Telefon, Mail oder über Facebook in seiner Gärtnerei eingehen, an die entsprechenden Adressen zu bringen.

Jahresumsatz nicht einzuholen

Schinner glaubt nicht, dass es noch was mit dem Ostergeschäft werden könnte. „Wenn wir wenigstens das noch hätten, käme ich mit fünf blauen Augen davon. Aber das wird leider nicht kommen.“ Was man bis Mai nicht verdient habe, sei den Rest des Jahres nicht mehr aufzuholen. Zwei Drittel des Jahresumsatzes machten Gärtnereien von März bis Mitte Juni. Die angekündigten staatlichen Hilfen seien bei weitem nicht ausreichend, um das Überleben bisher wettbewerbsfähiger Unternehmen zu sichern. „Die Soforthilfe macht bei mir nicht einmal 30 Prozent der Lohnkosten eines Monats aus und steht ohnehin nur zur Verfügung, wenn gar nichts mehr geht.“

Gärtnerei Schinner Fuchsmühl Kisten für den Versand der Pflanzen

Ein Hoffnungsschimmer bleibt für Hans Schinner und seine bisher immer solide Firma, die seine Urgroßeltern Klara und Friedrich vor 105 Jahren gegründet haben. Seit circa zwei Jahren ist er Dienstleister von Deutschlands größten Onlineversandhändler „Blume 2000“ und verschickt für das Hamburger Unternehmen Topfpflanzen nach halb Europa. „Dieser Zweig sichert uns im Moment noch das wirtschaftliche Überleben. Letztlich ist es aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt der Gärtner aus Leidenschaft.

Leidenschaft lange nachgehen

Hans Schinner hofft inständig, dass er seiner Leidenschaft noch lange nachgehen kann. So wie viele andere Unternehmer, Selbstständige und Handwerksfirmen in Deutschland, die um ihre Existenz und damit oft um ihr Lebenswerk bangen.

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