Gauner und Guru: LTO brilliert mit Komödie „Der Beutelschneider“

Leuchtenberg. Nach zweijähriger Corona-Pause hebt sich wieder der (symbolische) Theatervorhang auf der Burg. Los geht es mit dem "Beutelschneider", eine Komödie über einen Betrüger mit Guru-Allüren.

Der Beutelschneider mit viel Körpereinsatz, auch als
Der Beutelschneider mit viel Körpereinsatz, auch als „Unterhosen-Model“. Bild: Holger Stiegler
Das Ensemble sorgte für viele Lacher im Publikum. Bild: Beate Luber
Das Ensemble sorgte für viele Lacher im Publikum. Bild: Beate Luber
Bild: Beate Luber
Bild: Beate Luber

Bei dem Stück „Der Beutelschneider“ handelt es sich um eine bayerische Bearbeitung der bekannten Molière-Komödie „Tartuffe“, die unter der Regie von Nicole Schymiczek mit Oberpfälzer Dialekt versehen und in die Gegenwart versetzt wurde.

Hauptdarsteller mit Guru-Charisma

In der Komödie wird Molières Protagonist Tartuffe zu Herrn Dadü, einem Halunken, Gauner und Betrüger der schlimmen Sorte, der zudem mit jeder Menge Bigotterie und Guru-Charisma ausgestattet ist. Er schleicht sich mit allerlei Schmeicheleien in das Haus und das Hirn des Kaufmannes Bonifazius Gandlgruber ein, und bringt dort mit viel Menschenkenntnis und halblegalen Tricks dessen Haus und Vermögen an sich. Zwischendrin versucht er auch, dessen Ehefrau Resi zu verführen und Tochter Julia zu heiraten. Schließlich wird sogar noch die Obrigkeit in Form eines Gerichtsvollziehers auf den Plan gerufen, der unter Umständen das Schlimmste verhindern könnte.

Körperlicher Einsatz als „Unterhosen-Model“

Man merkte an den Lachern aus dem Publikum, dass die 90 Minuten äußerst unterhaltsam waren. Überzeichnete Charaktere sorgten dafür, dass der dramaturgische Sprung in die Gegenwart problemlos gelang. Parallelen zum gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft waren offensichtlich. Johannes Lukas agierte in der Rolle des Dadü als Guru mit messianischem Eifer, der nicht nur symbolische Nebelkerzen warf. Darüber hinaus leistete er auch jede Menge Körpereinsatz – sei es mit Sprüngen von der oberen Ebene der Kulisse, mit erstaunlicher Körperspannung in ungemütlichen Posen sowie einem mutigen Einsatz als „Unterhosen-Model“.

Parallelwelt jenseits des Verstandes

Reinhard Kausler verkörperte den leichtgläubigen Bonifazius, abgetaucht in eine Parallelwelt jenseits des gesunden Menschenverstands. Hätte der Guru erzählt, dass die Welt eine Scheibe ist – Bonifazius und seine ebenfalls geistig vernebelte Mutter Lucia, die hervorragend von Waltraud Janner-Stahl interpretiert wurde, hätten es wohl auch geglaubt.

Dem gegenüber stand eine ganze Phalanx, die den Beutelschneider von Beginn an durchschaut hatte und sich an echten Fakten orientierte: Claudia Lohmann als Resi Gandlgruber, Josepha Reber als Tochter Julia, Philipp Rosenthal als deren Verlobter Silvester, Gerhard Kühner als Bonifazius‘ Schwager Pauli und in besonderem Maße Doris Hofmann als Angestellte Wally boten dem Herrn Dadü immer wieder Paroli – mit deutlichen Worten und klaren Ansichten.

Erst Gerichtvollzieher Kornpropst (Gerhard Wölfel als zwielichtiger Bürokraten-Hengst par excellence) sorgte schließlich für die glückliche Wende in dem Stück.

Weitere Vorstellungen

Weitere Vorstellungen von „Der Beutelschneider“ auf der Burg Leuchtenberg finden statt am 24. Juni sowie am 2., 8. und 22. Juli jeweils um 20 Uhr. Zu sehen ist das Stück auch am 30. und 31. Juli jeweils um 20 Uhr auf dem Schlossberg Waldeck. Die nächsten Premieren auf Burg Leuchtenberg: Am 12. Juni um 14 Uhr „Schweinchen Babe“ und am 26. Juni um 16 Uhr „Im Weißen Rössl“. Tickets gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen. Mehr Infos auf der Webseite des LTO.

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