Gemeinde Theisseil trauert um Bürgermeisterin Marianne Rauh

Theisseil. Die Feier des 50. Geburtstags der Gemeinde wird schwer überschattet: Bürgermeisterin Marianne Rauh (70) ist am Samstag ihrem Krebsleiden erlegen. Die frühere Kreisbäuerin war die erste Bürgermeisterin im Landkreis.

Nach schwerer Krankheit verstarb am Samstag die Theisseiler Bürgermeisterin Marianne Rauh. Foto: Archiv Gabi Eichl

Schon beim Start in ihre dritte Amtsperiode war Marianne Rauh nicht zum Feiern zumute. Damals wusste sie noch nichts von ihrer Erkrankung, es war vielmehr das Corona-Virus, das ihr Sorgen machte. Kurz nach der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats im Mai 2020 musste sie sich in Behandlung begeben; sie sollte erst ein halbes Jahr später wieder ins Rathaus zurückkehren.

Guten Mutes

Noch nicht wieder gesund, aber guten Mutes nahm sie im Januar 2021 die Amtsgeschäfte wieder auf. Man mochte ihr kaum abnehmen, wie schwer erkrankt sie war, sie sah so gar nicht danach aus. Von da an nahm alles seinen gewohnten Gang. Nur Eingeweihte wussten, dass sie weiterhin in Behandlung war. Dazu gehörte zweiter Bürgermeister Karl Völkl, der ihr unter die Arme griff, wann immer das nötig war. Ihren 70. Geburtstag am 1. November vergangenen Jahres feierte sie nicht; sie wollte erst wieder ganz gesund werden. Im April leitete Rauh die Gemeinderatssitzung noch wie gehabt, es sollte ihre letzte sein.

Erste Bürgermeisterin

Marianne Rauh war nicht nur die erste Frau, die im Landkreis den Bürgermeistersessel erobert hatte, sie war auch die erste Frau an der Spitze eines CSU-Ortsverbandes. Diesem stand die
Hammerharlesbergerin 26 Jahre vor, von 1991 bis 2017. 2008 entschied Marianne Rauh die Bürgermeisterwahl in einer Stichwahl gegen Oswald Lingl von den Freien Wählern mit der
hauchdünnen Mehrheit von 15 Stimmen für sich. Unter den ersten Gratulantinnen war Sieglinde Schärtl, die damalige Kreisvorsitzende der Frauen-Union. Sie hatte jahrelang an dem Ziel gearbeitet, Frauen in hohe politische Positionen im Landkreis zu hieven. Schärtl erinnert sich an
gemeinsame Jahrzehnte politischer Arbeit. „Marianne hat uns immer unterstützt, ich konnte immer auf sie zählen.“

Die beiden folgenden Kommunalwahlen entschied Rauh deutlich für sich. 2020 kandidierte Lingl noch einmal gegen sie, doch die CSU-Politikerin gewann ihre letzte Wahl bei einer hohen Wahlbeteiligung von über 80 Prozent recht deutlich mit 58,1 Prozent.

Karriere in der CSU

Marianne Rauh fand als Kreisbäuerin zur CSU und machte dort schnell Karriere. Sie wurde in den Bezirkstag gewählt und machte Politik an der Seite von CSU-Legenden wie Gustl Lang. Auch als Kreisbäuerin wurde sie viel gelobt. Als sie das Amt 2007 nach 15 Jahren in jüngere Hände übergab, lobte die Weidener Bürgermeisterin Elisabeth Kraus ihren großen Einsatz für die Landfrauen. So hatte Rauh den „Ring junger Landfrauen“ gegründet, dessen Bezirksvorsitzende sie jahrelang war. Bei der Veranstaltung wurde Rauh als „Bindeglied zwischen Bauern, Politik und Bürgern“ bezeichnet. Die von ihr ausgerichteten Landfrauentage in Weiden waren ein
Besuchermagnet mit namhaften Referenten.

Am Donnerstag Sitzung

Am kommenden Donnerstag findet die Juni-Sitzung des Gemeinderats statt, die Einladung dafür ist schon nicht mehr von Marianne Rauh unterzeichnet. Die Arbeit der Bürgermeisterin endete nach 14 Jahren kurz vor der Feier des 50-jährigen Bestehens der Gemeinde.

Marianne Rauh

geb. am 1. November 1951, gest. am 18. Juni 2022

  • geboren am 1. November 1951, gestorben am 18. Juni 2022
  • 1991: erste Frau an der Spitze eines CSU-Ortsverbandes
  • 2008: erste Bürgermeisterin im Landkreis Neustadt/WN
  • Kreisbäuerin
  • Kreisrätin, Bezirksrätin

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