Kultur

Geschichtspark Bärnau feiert Geburtstag: Umweltareal eröffnet

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Bärnau. Ob Freilegung eines verschwundenen Dorfes, Erinnerungen an den Reformator Jan Hus oder ein Kräuterklassenzimmer: Dem Geschichtspark Bärnau-Tachov gehen die Ideen nicht so schnell aus. Nun feierten rund 100 Gäste aber erst einmal die ersten zehn Jahre Erfolgsgeschichte grenzübergreifender Zusammenarbeit.

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Der Geschichtspark Bärnau-Tachov feierte mit großer Torte Geburtstag. Bild: Ilona Hunsperger
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Mitgründer Alfred Wolf blickte auf zehn Jahre Geschichtspark zurück. Bild: Ilona Hunsperger
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Zehn Jahre Geschichtspark Bärnau-Tachov: Die Band durfte nicht fehlen. Bild: Ilona Hunsperger
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Der große Moment: das Band wird durchgeschnitten. Bild: Ilona Hunsperger/Geschichtspark
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Handwerkervorführung bei der Feier zu 10 Jahren Geschichtspark Bärnau-Tachov. Bild: Ilona Hunsperger
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Zur Feier von 10 Jahren Geschichtspark kamen viele prominente Gäste. Bild: Ilona Hunsperger

Rund 100 Gäste feierten den 10. Geburtstag des Geschichtsparks Bärnau-Tachov. Los ging's mit knallenden Korken, einem Ständchen und einer Megatorte.

Eine Menge Prominenz war zum Fest des Vereins Via Carolina – Goldene Straße gekommen. Persönlich gratulierten nicht nur Bürgermeister Alfred Stier und Landrat Roland Grillmeier. Auch die Pilsener Regierungspräsidentin Ilona Mauritzová, Regierungsvizepräsident Florian Luderschmid, Bezirkstagspräsident Franz Löffler und der Sprecher des wissenschaftlichen Beirats Dr. Michael Henker waren gekommen.

Sie stellten die Bedeutung dieses deutsch-tschechischen Projektes und die Arbeit des Vereins im Brückenbau zwischen der bayerischen und böhmischen Nachbarschaft heraus.

Geschenk für tiefe Verwurzelung

Die beiden Gründer des Geschichtsparks ließen die vergangenen zehn Jahre Revue passieren. Alfred Wolf und Roman Soukup, Vorsitzender des Vereins Terra Tachovia, dankten allen Unterstützern und ehrten verdiente Mitglieder.

Eine besondere Überraschung war das Geschenk der Vereinsmitglieder an Alfred Wolf und Stefan Wolters: eine Linde und eine Eiche. Sie werden auf dem Gelände des Geschichtsparks gepflanzt und symbolisieren die tiefe Verwurzelung des Vorsitzenden des Vereins Via Carolina und des wissenschaftlichen Leiters mit dem Park.

Umweltareal eröffnet

Das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat hatte die Veranstaltung gefördert. Das Catering wurde unterstützt durch das Berufsschulzentrum Wiesau. Zur Feier des Tages wurde am Morgen das neue Umweltareal zum Grünen Band eröffnet.

Mit dem Durchschneiden des Blumenbandes und einer Weihe durch Pfarrer Konrad Amschl ist der Steg nun für die Öffentlichkeit begehbar. Besucher erfahren Wissenswertes über die Geschichte und die Natur im Grünen Band. Das Gemeinschaftsprojekt mit Revis in Tachov wurde gefördert von der Europäischen Union.

Brückenbauer zwischen Bayern und Böhmen

Der über Jahrhunderte gewachsene gemeinsame Kulturraum zwischen Nürnberg und Prag, mit der unter Kaiser Karl IV. so bedeutsamen „Goldenen Straße“ wurde durch den „Eisernen Vorhang“ jäh unterbrochen.

Diesen Kulturraum wieder zusammenwachsen zu lassen, haben die Vereine „Terra Tachovia“ aus der tschechischen Stadt Tachov und „Via Carolina-Goldene Straße“ aus der bayerischen Stadt Bärnau mit Engagement und Willen mit einem einzigartigen Brückenprojekt auf den Weg gebracht. Sie bringen mit dem Geschichtspark Bärnau-Tachov die Geschichte zwischen Bayern und Böhmen den Besuchern wieder nahe.

Mit hunderten ehrenamtlichen Helfern mit mehr als 50.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden entstanden mehr als 30 Rekonstruktionen vom 8. bis zum 13. Jahrhundert nach Originalbefunden, womit der Geschichtspark zum größten mittelalterlichen archäologischen Freilandmuseum in Deutschland aufstieg.

Über 800 Mitglieder

Mittelalterliche Darsteller aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Tschechien, und viele Ehrenamtliche ließen sich anstecken, opferten ihre Freizeit und wirkten an diesem gewaltigen Gemeinschaftsprojekt mit. Die Mitgliederzahl des Vereins stieg von 250 beim Start des Vorhabens auf zwischenzeitlich über 800 Mitglieder und wurde immer „internationaler“.

Damit nicht genug. Die Kernidee, das bayerisch-tschechische Grenzgebiet als gemeinsamen Kultur- und Siedlungsraum wieder zusammen zu führen, wurde mit einer Vielzahl an Aktionen und Projekten systematisch verwirklicht.

Gemeinsame touristische Projekte zwischen den Nachbarn haben die Region positiv verändert. Dazu zählen „Region erleben in Bayern und Böhmen“ – geführte Wanderungen auf der Goldenen Straße von Bärnau nach Tachov, die Errichtung von 35 „Meilensteinen der Zeit“ von Weiden bis Kladruby, verbunden mit Theateraufführungen, Ausstellungen, Schulprojekten, die Gründung eines bayerisch-tschechischen Stammtisches und ein vielfältiger kultureller und touristischer Austausch.

Mittelalterliche Baustelle

Mit dem ArchaeoCentrum Bayern-Böhmen und der Zusammenarbeit der Universitäten Bamberg, Pilsen und Prag entstand ein wissenschaftlicher Standort zur experimentellen Archäologie mit einer ArchaeoWerkstatt.

Mit der Dauerbaustelle eines Königshofes Kaiser Karl IV. betreibt der Verein eine der größten Mittelalterbaustellen in Europa. Bayerische und tschechische Handwerker bauen mit Originalmethoden des 14. Jahrhunderts in den nächsten 20 Jahren eines der außergewöhnlichsten Vorhaben unserer Zeit.

Ehrenamt unersetzlich

Dem Ehrgeiz des Trägervereins Via Carolina und seiner Partner ist es zu verdanken, dass in den vergangenen Jahren aus der Vereinsaktivität heraus weitere zahlreiche deutsch-tschechische Projekte im Bereich Kultur, Tourismus und Wissenschaft umgesetzt wurden. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie zeigen nicht, was uns trennt, sondern was uns verbindet.

Auch wenn zwischenzeitlich fünfzehn hauptamtliche Mitarbeiter, in etwa die Hälfte deutsche, die andere Hälfte tschechische, beim Verein beschäftigt sind, ist dennoch das Ehrenamt unersetzlich. Ob als Helfer bei der Pflege des gesamten Areals oder bei Veranstaltungen, oder der Vielzahl an Museumsführern, die den Gästen das Wissen über den Geschichtspark vermitteln.

Zudem verleihen die mehr als 150 Darstellerinnen und Darsteller mit ihrer authentischen Belebung der Einrichtung einen außergewöhnlichen Erlebnisfaktor. Besondere Verantwortung tragen die Hauspaten, die für die Einrichtung und den Erhalt der mittelalterlichen Häuser verantwortlich sind.

Pflege traditioneller Bauweise

Weitere Projekte stehen an: Mit der Bauhütte Bärnau wird im Sinne des traditionellen Bauhüttenwesens ein Projekt zur Wissenssammlung und -vermittlung sowie der Erprobung und Erforschung von Techniken entstehen.

Mit dem Vorhaben „ökologisches Naturdorf“ sollen Häuser errichtet werden, bei denen die traditionellen Bauweisen und regionale Materialien mit dem Wohnstandard der heutigen Zeit vereint werden.

Mit diesem experimentellen ökologischen Vorhaben soll der gesellschaftliche Diskurs bereichert werden, Bau- und Lebensstile wieder in den Kreislauf der Natur zu integrieren und eine neue Zukunftswertigkeit zu etablieren.

Naturschutz und verschwundene Dörfer

Um Ökologie und Artenvielfalt geht es bei den Projekten „Green belt“ und „Kräuterwerk“. Gemeinsam mit tschechischen Partnern wird das durch den Eisernen Vorhang entstandene Grüne Band Thema. Schüler und Jugendliche lernen den sorgsamen Umgang mit der Natur.

Ein umweltpädagogischer Lehrpfad über die Geschichte der Entstehung des „Grünen Bandes“, des Eisernen Vorhangs mit dem Untergang der „verschwundenen Dörfer“ sowie die Entwicklung von Ökosystemen, Biokorridoren und das Thema Naturschutz stehen auf der Agenda.

Mit dem „Kräuterwerk“ entsteht ein Bildungsort für Biodiversität mit Wildkräutergarten und Kräuterklassenzimmer und somit ein wichtiger Baustein zur Vermittlung von Artenvielfalt. Besondere Themen des Standortes werden Kräuter und Mittelalter, sowie Kräuter und Handwerk.

Teilfreilegung von Paulusbrunn

Im Bildungssektor sind zwei Projekte Eckpfeiler der Zukunft: „Didaktik über Grenzen“ und „Erinnerungs- und Versöhnungskultur Paulusbrunn“. Mit den Universitäten Pilsen und Regensburg sowie der OTH Amberg-Weiden werden mediale Unterrichtsmaterialien für angehende Lehrer und Schüler entwickelt.

Das verschwundene Dorf Paulusbrunn ist als internationales Gemeinschaftsprojekt mit dem Ziel der Teilfreilegung für die nachfolgenden Generationen und als lebendiges Zeichen einer Erinnerungs- und Versöhnungskultur von zentraler Bedeutung.

Mit der Realisierung des Historischen Pfads Böttgerweg mit dem rührigen Arbeitskreis Paulusbrunn wird die grenzüberschreitende Geschichte um Vertreibung, Eiserner Vorhang und das Wiederzusammenwachsen der Region der nachfolgenden Generation nahegebracht.

Ein touristisches, grenzüberschreitendes Brückenprojekt ist „Der Weg des Jan Hus durch die Region Pilsen und die Oberpfalz“. Hierbei soll in Kooperation mit der Regionalentwicklungsagentur Pilsen ein internationaler Fernwanderweg auf den Spuren des böhmischen Reformators von Prag bis Nürnberg und letztlich bis zum Ort seines Feuertods, Konstanz, etabliert werden.

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