Granitabbau in Flossenbürg: Buchautoren suchen alte Fotos

Flossenbürg. Im Rahmen des millionenschweren Projekts "Granit und Wasser" soll auch ein Buch entstehen, das sich der Geschichte des Abbaus und der Verarbeitung von Granit in Flossenbürg widmet.

Bilder wie dieses, das aus dem Archiv der Gemeinde stammt, suchen die Buchautoren für ihr neues Projekt. Foto: Gemeinde Flossenbürg

„Granit und Wasser“ heißt das grenzüberschreitende Großprojekt, das seit 2020 im Geopark Bayern-Böhmen angepackt wird. Die Europäische Union macht dafür rund 1,28 Millionen Euro aus dem Ziel-ETZ-Fördertopf locker. Im Mittelpunkt der Maßnahme stehen neben der tschechischen Stadt Planá die Gemeinde Flossenbürg. In der Oberpfälzer Kommune soll für rund eine halbe Million Euro das alte Steinhauerhaus am Burgweiher in eine Granit-Informationsstelle umgebaut werden.

Außerdem soll ein Buch entstehen, das sich mit der Geschichte des Granitabbaus in der Kommune beschäftigt. Dazu brauchen die Autoren, Dr. Gerhard Lehrberger von der Technischen Universität München und Ralf Schunk vom Geopark aber ganz dringend die Unterstützung aus der Bevölkerung.

Experte gerät beim Flossenbürger Granit ins Schwärmen

Lehrberger ist ein Kenner des Flossenbürger Granits. Seit gut 20 Jahren beschäftigt er sich bereits damit. „Es ist ein edles, wunderbares Material und wirklich einmalig“, schwärmt er. Und aufgrund seines leicht bläulichen Glanzes, der großen Kristalle und seines Glimmers unverwechselbar. Der Stein ist gefragt. In Lehrbergers Heimatstadt Schrobenhausen etwa wurde der Stadtplatz damit gepflastert und das Geschäft Beck am Rathauseck in München hat damit seinen Eingangsbereich gestaltet. Und auch die Tirschenreuther hatten bei der Neugestaltung des Marktplatzes auf das Flossenbürger Gestein zurückgegriffen.

„Flossenbürger Granit boomt“, weiß Bürgermeister Thomas Meiler. Aktuell gibt es noch fünf Firmen, die das Gestein abbauen, „Und die suchen händeringend Personal“, erläutert der Rathauschef. Überhaupt ist die Granitindustrie bis heute ein wichtiges Wirtschaftsstandbein der Kommune.

25 Steinbrüche in und um Flossenbürg

Früher, erinnert sich der Bürgermeister, hat es am Ort 25 Steinbrüche gegeben. Zum Teil waren es nur Ein-Mann-Betriebe.“ Fast jeder zweite Einwohner hat dort seine Brötchen verdient“, weiß Meiler. Und er kann sich an so manche Anekdote erinnern: Dass die Ehefrauen zum Beispiel die Lohntüten ihrer Männer abgeholt haben, damit das schwer verdiente Geld nicht in den Wirtshäusern auf den Putz gehauen werden konnte. Oder, dass die Steinhauer am Montag gerne mal „blau“ machten. „Die fehlenden Stunden wurden aber im Laufe der Woche wieder hereingearbeitet“, erzählt Meiler.

Zeitzeugen werden immer weniger

Es gibt heute noch Zeitzeugen, die von der schweren Arbeit erzählen können. Maschinen gab es damals nicht. Vieles war Handarbeit. „Die Leute sind aber alle schon über 80“, weiß Meiler. Damit dieser Teil der Flossenbürger Geschichte nicht für immer verloren geht, soll auch dieses Buch entstehen. „Für uns als Gemeinde geht damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung“, betont der Rathauschef.

Doch dafür brauchen die Kommune und die Autoren Unterstützung. Sie sind auf der Suche nach historischen Fotos, die nicht nur die harte und gefährliche Arbeit in den Steinbrüchen zeigen, sondern auch den Alltag der Menschen dokumentieren, die früher in der Granitindustrie arbeiteten. Sie freuen sich zudem über Geschichten und Anekdoten. „Wir laden jeden ein, sich einzubringen“, betont Lehrberger. Wer bei dem Projekt mitmachen möchte, sollte sich sobald als möglich mit der Gemeinde Flossenbürg in Verbindung setzen. Das Förderprojekt läuft zum 31. Dezember 2022 aus. Und bis dahin, muss auch das Buch auf dem Markt sein.

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