Grüne Landtagsabgeordnete im KZ Flossenbürg: Archäologische Funde sehr wichtig

Flossenbürg. Wie bedeutsam archäologische Grabungen auch für die Erforschung der Gräueltaten und Verbrecherorte der Nationalsozialisten sind, zeigte sich eindringlich beim Besuch der Grünen Landtagsabgeordneten Sabine Weigand, Anna Schwamberger und Jürgen Mistol in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

Die Grünen Abgeordneten besuchen die Gedenkstätte. Foto: Büro Weigand
Die Grünen Abgeordneten besuchen die Gedenkstätte. Foto: Büro Weigand
Foto: Büro Weigand
Foto: Büro Weigand
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Foto: Büro Weigand

„Wir müssen in der Öffentlichkeit stärker vermitteln, dass archäologische Funde wesentlich dazu beitragen, das Unfassbare fassbar zu machen“, forderte die denkmalpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Sabine Weigand. Das bayerische Denkmalschutzgesetz lege allerdings fest, dass Bodendenkmäler „in der Regel aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit“ stammen. „Wir sehen in Flossenbürg, wie wichtig auch archäologische Funde aus jüngeren Zeiten für unser Geschichtsverständnis sind“, sagte Weigand. Sie werde auf eine entsprechende Änderung drängen, wenn im Herbst über die Novelle des Denkmalschutzgesetzes im Landtag diskutiert wird.

Lager nach Kriegsende weitergenutzt

Weigand reist jeden Sommer durch Bayern, um sich vor Ort über aktuelle Herausforderungen für den Denkmalschutz zu informieren. In diesem Jahr stehen Bodendenkmäler im Fokus, ebenso wie die Förderung erneuerbarer Energien im Denkmal. Im KZ Flossenbürg hielt die SS zwischen 1938 und 1945 rund 100.000 Häftlinge gefangen, mindestens 30.000 kamen ums Leben. Ab 1943 mussten die Inhaftierten für die Firma Messerschmidt Flugzeugteile montieren, zuvor wurden sie unter menschenverachtenden Bedingungen gezwungen, im Steinbruch für die Bauten der Nazis Granit zu schlagen.

„Nach Kriegsende wurde das Lager weitergenutzt“, erklärte Timo Saalmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte, den Landtagsabgeordneten. Zunächst war es ein Internierungslager für Mitglieder der SS, ab 1946 wurde es zum Lager für „Displaced Persons“ und 1947 zum Lager für Flüchtlinge aus Schlesien, Ostpreußen und dem Sudetenland. Auf Initiative ehemaliger Häftlinge begann 1946 die Umwandlung des östlichen Teils des Häftlingslagers in eine Gedenkstätte. Doch ansonsten war man eher darum bemüht, die Fläche zu nutzen, ohne die Historie zu thematisieren. Mitte der Fünfziger Jahre wurde für Geflüchtete anstelle der Baracken auf dem Nordhang des früheren Lagers eine neue Wohnsiedlung gebaut. In anderen Teilen des Lagers siedelten sich Industriebetriebe an.

Teil der Denkmalgeschichte

„Der Umgang mit dem Lager in der Nachkriegszeit ist Teil der Denkmalgeschichte“, betonte Saalmann. Als 2007 das Häftlings- und SS-Lager, die benachbarte SS-Wohnsiedlung und der Steinbruch sowie die historischen Zeugnisse im Boden unter Denkmalschutz gestellt wurden, habe es einige Irritationen darüber in der Bevölkerung gegeben. Grabungen, die im Zuge der Umgestaltung der KZ-Gedenkstätte zwischen 2000 und 2014 stattfanden, zeigten unter anderem auf, wo einst die Außengrenzen der Häftlingsbaracken verliefen.

„Die Umgestaltung der Gedenkstätte ist von Anfang an archäologisch begleitet worden“, berichtete Walter Irlinger, Leiter der Abteilung Bodendenkmäler im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Auch in den 80 Außenlagern des KZ Flossenbürg, von denen 25 in Bayern stehen, finden bis in die Gegenwart immer wieder Grabungen statt. „Wir arbeiten daran, dass alle Funde hier in Flossenbürg gesammelt werden. Das macht es leichter, sie wissenschaftlich auszuwerten“, sagte Irlinger. „Noch ist das allerdings nicht abschließend konkretisiert.“

Zentraler Ort für Fundstücke

Sabine Weigand unterstützte den Wunsch der Denkmalpfleger nach einer Zusammenführung der Funde in Flossenbürg ausdrücklich: „Hier sollte ein zentraler Ort für die Fundstücke geschaffen werden, fehlende Finanzmittel dürfen hierfür kein dauerhafter Hinderungsgrund sein.“ Anna Schwamberger erzählte, dass sie als Lehrerin immer wieder mit Schulklassen die Gedenkstätte besucht habe, „Fundstücke, die von dem schrecklichen Lagerleben zeugen, sind wichtig, um den Kindern die Geschichte deutlich zu machen.“ Ihr Landtagskollege Jürgen Mistol pflichtete ihr bei: „Deshalb sind die Bodendenkmalpflege und auch die archäologischen Funde so wichtig für die Gedenkstättenarbeit“.

Auch vor diesem Hintergrund sei die Eingrenzung von Bodendenkmälern im bayerischen Denkmalschutzgesetz auf in der Regel aus „vor- und frühgeschichtliche Zeit“ nicht mehr zeitgemäß, betonte Walter Irlinger. Aus Gründen der Gleichbehandlung historischer Zeugnisse aus neuerer Zeit mit älteren Ausgrabungen sei das nicht mehr sinnvoll, betonte Irlinger.

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