Gutes Miteinander in Unterkunft für Minderjährige

Neustadt/WN. „Es fehlt an psychologischer Betreuung“, antwortet Thomas Vipper auf die Frage von Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht, was auf einer Wunschliste oberste Priorität hätte. Vipper ist Gruppenleiter in der Unterkunft für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge im Verwaltungsgebäude des ehemaligen Krankenhauses. Seit April wohnen dort 29 Jungen im Alter von 14 bis 18 Jahren.

Von Benedikt Grimm

Alle Plätze seien eigentlich immer belegt, berichtet Stephanie Bach beim Besuch des CSU Ortsverbandes mit dem Wahlkreisabgeordneten. Wird ein Bewohner volljährig und zieht in eine normale Unterkunft um, sei der Platz spätestens innerhalb von drei Tagen neu vergeben. Die Traumatisierung zeige sich oft bei Kleinigkeiten im Alltag.

Wenn man zum Beispiel einen Geburtstag feiert und ein Luftballon platzt, dann sieht man wer aufspringt

sagt Bach. „Eigentlich bräuchten alle psychologische Betreuung. Allein die Flucht ist so dramatisch“, bekräftigt Vipper.

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Hauptschulabschluss als Ziel

Die meisten der Jugendlichen besuchen vormittags von acht bis 12 Uhr spezielle Integrationsklassen an den Berufsschulen in Neustadt und Weiden, in denen hauptsächlich Deutsch gelernt wird. Nach Möglichkeit gehen sie auch in normale Hauptschulklassen. Das Ziel ist in jedem Fall der Hauptschlussabschluss. Ein Problem entstehe für die Jugendlichen, die während des Schuljahres nach Neustadt kommen. Die Schulen könnten die Klassen während des Schuljahres nicht aufstocken. „Das ist unbefriedigend, weil die meisten Jungs lernen wollen“, sagt Bach.

Vormittags sind nicht so viele Betreuer in der Einrichtung. Die Minderjährigen sind dann auf das Engagement von Ehrenamtlichen angewiesen oder sie gehen dem Hausmeister ein wenig zur Hand. Die Jungen aus Pakistan, Somalia, Syrien oder dem Iran sind auf zwei Gruppen aufgeteilt, für die je fünf hauptberufliche Mitarbeiter und ein Berufspraktikant zuständig sind.

Glücklich über Praktikum

Einer der jungen Männer, die in Deutschland Fuß fassen wollen, ist Abdul-Shakoor. Kürzlich hat der Afghane, der gut Deutsch spricht, ein Praktikum bei einer Dachdeckerfirma absolviert. „Das war sehr schön“, sagt Abdul-Shakoor, der über Facebook den Kontakt zu seiner Familie in Afghanistan hält. Sein Berufswunsch ist aber Bankkaufmann.

Das Zusammenleben der Flüchtlinge funktioniere gut, sagt Bach. Sie wohnen zusammen mit Mitbewohnern, mit denen sie sich am besten verstehen, in Zwei- und Dreibettzimmern. Gesprochen wird deutsch, nur bei Neuankömmlingen müsse man gelegentlich auf Englisch ausweichen.

Die Jugendlichen wollen auch Deutsch sprechen

betont Bach. Auch Christen und Muslime respektierten sich gegenseitig. Den Ramadan habe man vier Wochen lang gemeinsam abgehalten. Auch die Christen machten mit. Die Muslime sind umgekehrt bei christlichen Festen mit dabei.

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Plötzlich wieder auf sich gestellt

Schwierig sei die Übergangsphase, wenn die Jugendlichen volljährig werden und die intensive Betreuung in der Unterkunft wegfällt. Manche wissen nicht, von welcher Stelle sie Geldleistungen erhalten und kommen in der Unterkunft vorbei um nach Essen zu bitten. Es müsste noch jemanden geben, der sie noch einige Monate begleite, baten die Betreuer an Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht gerichtet. Ein Wunsch wird sich vielleicht schnell erfüllen lassen: Die Einrichtung bräuchte noch einige Fahrräder, mit denen die Jungs in die Schule oder zu den Sportvereinen fahren können.

Bilder: B. Grimm

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