Handwerk bietet Chancen für Flüchtlinge

Weiden/Straubing. Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz diskutierte bei einer Fachveranstaltung die Möglichkeiten zur Förderung und Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern.

Das Handwerk ist seit jeher für seine integrativen Kräfte bekannt. Nicht umsonst lautet einer der Leitsprüche der Imagekampagne des Deutschen Handwerks „Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern wo man hinwill“,

so Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, in seiner Begrüßungsrede bei der Fachveranstaltung zum Thema „Flüchtlinge und Asylbewerber als Fachkräftepotenzial für das ostbayerische Handwerk“. Die Veranstaltung in Straubing fand im Rahmen der Vorstandssitzung der Handwerkskammer statt. Gemeinsam mit Vertretern der Kreishandwerkerschaften und Spezialisten aus unterschiedlichen Institutionen sollten die Herausforderungen und Chancen der aktuellen Flüchtlingssituation aus Sicht des ostbayerischen Handwerks beleuchtet werden.

Vorstandssitzung_Diskussion
Integration ist eine komplexe Aufgabe. Die Experten beleuchteten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln (v. li. n. re.): Stefanie Graf, HWK-Beraterin für Passgenaue Besetzung, Astrid Blaschke, Koordinatorin Netzwerk FiBA 2 Ostbayern, Johann Dilger, Leiter der Staatlichen Berufsschule III, Martin Lauterbach, Leiter Grundsatzangelegenheiten der Integration im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Monika Wagner, Teamleiterin Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit, Stefan Weinberger, Geschäftsführer Weinberger Malerbetrieb-Akustikbau GmbH und Toni Hinterdobler, HWK-Hauptgeschäftsführer. Fotos: Fotostudio Bosl

Asylbewerber wichtige Zielgrupppe um Fachkräfte zu gewinnen

Um jetzt und in Zukunft regional, national und auch international wettbewerbsfähig zu bleiben, werden gut ausgebildete Fachkräfte benötigt. Gerade bildungswillige Asylbewerber und Flüchtlinge mit einer hohen Bleibewahrscheinlichkeit sind eine wichtige Zielgruppe, um einen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten.

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Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hans Schmidt war sich sicher, dass das Handwerk nachhaltige Integrationschancen biete und über eine ausgeprägte Willkommenskultur verfüge, wie die Zahl von aktuell 100 Auszubildenden aus Krisengebieten wie Syrien und Afghanistan beweise. Allerdings müsse dabei auch klar sein, dass „das Ausbildungsniveau mindestens gleichbleiben, wenn nicht sogar steigen muss, um die Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes erfüllen zu können“.

Dieser Meinung war auch Stefan Weinberger, Geschäftsführer der Weinberger Malerbetrieb-Akustikbau GmbH in Osterhofen:

Wir wollen keine Helfer einstellen, sondern sehr gute Maler ausbilden.

Er selbst beschäftige einen jungen Flüchtling aus Afghanistan als Auszubildenden, der hoch motiviert sowie fleißig sei und sowohl bei Kunden als auch Mitarbeitern gut ankomme. Neben einem flexibleren bürokratischen Regelwerk wünschte sich Weinberger vor allem Unterstützung beim Vermitteln der Sprachkenntnisse.

Sprachkenntnisse unbedingt vor der Lehre erlernen

Genau an gezielter Sprachförderung mangelt es häufig. Monika Wagner, Teamleiterin Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit Deggendorf, erklärte, dass die Förderprogramme bisher keine originären Sprachkurse umfassen, sondern in Form einer Einstiegsqualifizierung erfolgen würden.

Auch Johann Dilger, Leiter der Staatlichen Berufsschule III in Straubing, kannte das Problem unzureichender Deutschkenntnisse:

Selbst nach zwei Jahren Berufsschule fehlt es an Sprachkenntnissen, die Qualifizierung muss unbedingt vorher erfolgen.

Die Berufsschulen seien bereits an ihrer Leistungsgrenze angekommen, Unterstützung von Gymnasien und Realschulen sei dringend nötig.

Gemischte Bildungssituation unter Asylsuchenden

Das Handwerk bietet nachhaltige Integrationschancen. Darüber waren sich einig (v. li. n. re.): Georg Haber, HWK-Präsident, Hans Schmidt, stv. Hauptgeschäftsführer der HWK, Johann Dilger, Leiter der Staatlichen Berufsschule III, Monika Wagner, Teamleiterin Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit, Martin Lauterbach, Leiter Grundsatzangelegenheiten der Integration im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Stefanie Graf, HWK-Beraterin für Passgenaue Besetzung, Astrid Blaschke, Koordinatorin Netzwerk FiBA 2 Ostbayern, Stefan Weinberger, Geschäftsführer Weinberger Malerbetrieb-Akustikbau GmbH und Toni Hinterdobler, HWK-Hauptgeschäftsführer. Fotos: Fotostudio Bosl

Grundsätzlich sei die Bildungssituation der Asylsuchenden gemischt, wusste Martin Lauterbach, Leiter Grundsatzangelegenheiten der Integration im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Eine Umfrage unter 105.000 Asylsuchenden im Alter von über 20 Jahren ergab, dass 13 Prozent eine Hochschule, 17,5 Prozent ein Gymnasium und 30 Prozent eine Mittelschule besucht haben. Acht Prozent der Befragten gaben an, keine Schule besucht zu haben, 24 Prozent lediglich eine Grundschule. Allerdings seien diese Daten im statistischen Sinne nicht repräsentativ und valide, da sie auf freiwilligen Angaben beruhen würden.

Astrid Blaschke, Koordinatorin Netzwerk FiBA 2 Ostbayern, wies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung des Handwerks hin:

Traditionsgemäß gelingt hier die Qualifizierung und Integration besonders gut, da es vor allem auch auf praktische Fähigkeiten ankommt.

Seitens der Handwerkskammer unterstützt Stefanie Graf, Beraterin für Passgenaue Besetzung, Asylsuchende mit Interesse an einer Ausbildung im Handwerk. Auch interessierte Betriebe werden beraten.

Toni Hinterdobler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, betonte:

Integration wird vor Ort geleistet. Unsere regionalen Handwerksbetriebe fördern Talente von Afghanistan bis Ostbayern – das ist eine echte Win-win-Situation für Wirtschaft und Gesellschaft.

Informationen zum Thema Asylbewerber und Flüchtlinge finden interessierte Betriebe auf der Homepage der Handwerkskammer unter www.hwkno.de/asyl.

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