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Hannelore Bienlein-Holl, eine kämpferische Sozialdemokratin, ist tot

Fuchsmühl/Weiden. Hannelore Bienlein-Holl ist tot. Die langjährige SPD-Kreisrätin und frühere AWO-Geschäftsführerin verstarb am Donnerstag im Alter von 79 Jahren nach langer Krankheit, aber überraschend im Klinikum Weiden. Mit ihr verliert die Oberpfälzer SPD eine ihrer profiliertesten Politikerinnen.

Erst vor einigen Wochen wurde Hannelore Bienlein-Holl zum Ehrenmitgleid des SPD-Kreisverbands Tirschenreuth ernannt. Dazu gratulierten ihr auch MdB Uli Grötsch (links) und MdEP Ismaik Ertuk. Foto: Udo Fürst

Spricht man über das politische, soziale und gesellschaftliche Wirken von Hannelore Bienlein-Holl, sind zwei Organisationen untrennbar mit der langjährigen Kreisrätin verbunden: die SPD und die Arbeiterwohlfahrt. Das waren – neben ihrer Familie mit Sohn Marc, Schwiegertochter Ulli und den Enkelkindern – sozusagen die „Kinder“ der engagierten, kämpferischen und – wenn es sein musste – durchaus auch streitbaren Politikerin. Streitbar vor allem, wenn es um eine Sache ging: Gerechtigkeit. Nichts mochte die gebürtige Kielerin weniger als die Benachteiligung und Ausgrenzung bestimmter Menschengruppen.

Erste Frau im Kreistag

Mit 30 Jahren zog die damals in Pechbrunn lebende Kommunalpolitikerin als erste Frau überhaupt erstmals in den Kreistag ein – und blieb dort mit kurzen Unterbrechungen 37 Jahre lang. Bald war die „Zugereiste“ aus dem hohen Norden anerkannt und respektiert – auch von den politischen Mitbewerbern.

Zusammen mit dem langjährigen Kreis- und Fraktionsvorsitzenden Rainer Fischer bildete Bienlein-Holl ein kongeniales Duo, das immer die Souveränität besaß, sich auch mal gegenseitig auf die Schippe und sich selbst nicht immer bierernst zu nehmen. Dabei pflegten beide aber immer einen geradlinigen politischen Weg und fairen Diskurs. Vor zwei Jahren folgte für die Sozialdemokraten im Kreis eine Zäsur, als Fischer und Bienlein-Holl in den politischen Ruhestand gingen.

Großes Herz

Ihr großes soziales Herz bewies „Hanne“, wie sie von Freunden und Weggefährten liebevoll genannt wurde, unter anderem mit der Gründung ihres „Babys“, der Tafel Mitterteich, und in ihrer unermüdlichen Art, die Arbeiterwohlfahrt im Landkreis zu einem der stärksten und aktivsten Verbände in ganz Bayern zu machen. Hanne konnte durchaus auch mal „nerven“. Aber man sah ihr das nach, weil es dann stets um die gerechte Sache ging. Ihre ganze Kraft investierte sie auch in den Arbeitskreis Migration und Vielfalt und für Flüchtlinge allgemein.

55 Jahre SPD-Mitglied

In den 55 Jahren ihrer SPD-Mitgliedschaft bekleidete Hannelore Bienlein-Holl so ziemlich jedes Amt, das es in der Partei gibt: Von der Gemeinderätin und Delegierten über Landesgeschäftsführerin der Bayern-SPD bis zur Kreisvorsitzenden und zweimaligen Landtagskandidatin. In all den Jahren kämpfte sie immer dafür, Frauen für die Politik zu begeistern und ihnen dort Gehör und Gewicht zu verschaffen.

So war die Gründung der AsF Fuchsmühl, einer in den Achtziger und Neunziger Jahren weit über 30 Frauen starken Gruppe, Bienlein-Holls Initiative zu verdanken. Nicht zuletzt deshalb erlebte der Ortsverein mit seinen damals 125 Mitgliedern, insgesamt mehr als 50 Jahre dauernden Amtsperioden von SPD-Bürgermeistern und satten SPD-Mehrheiten im Marktrat, eine absolute Blütezeit.

Ehrenmitglied seit Juni

Obwohl gezeichnet von Krankheit und geschwächt durch den Verlust ihres geliebten Gatten John Holl vor einigen Jahren blieb das Ehrenmitglied des Ortsvereins Fuchsmühl und Trägerin der Willy-Brandt-Medaille, einer der höchsten Auszeichnungen der Sozialdemokratie, bis zuletzt interessiert an der kleinen und großen Politik. Für ihre großen Verdienste ernannte sie der SPD-Kreisverband erst vor gut einem Monat zum Ehrenmitglied. Es war für viele Weggefährten die letzte Begegnung mit einer großen Sozialdemokratin der Oberpfalz.

„Wahrhafte Kämpferin“

Bestürzt über den Tod äußersten sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch und Kreisvorsitzender Uli Roth. „Hanne war eine wahrhafte Kämpferin für die Sozialdemokratie. Ich fühle in dieser schweren Zeit mit der Familie und wünsche allen Angehörigen viel Kraft und Stärke“, schrieb Roth in einer E-Mail an die SPD-Ortsvereine.

Ein Termin für die Trauerfeier steht noch nicht fest. Voraussichtlich wird sie in der zweiten Augusthälfte stattfinden.

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