Diskothek “Hashtag”: Polizei zählte zuletzt 50 Einsätze im Jahr

Weiden. Im März 2024 verkündete der Betreiber die vorübergehende Schließung der Diskothek "Hashtag". Grund: eine Sperrzeitverlängerung der Stadt auf 3 Uhr (vorher 5 Uhr). Der Sturm der Entrüstung war riesig. Und völlig unangebracht, sagen Polizei und Stadtverwaltung.

Polizeidirektor Markus Fuchs (links) in der Stadtratssitzung am Montag. Das Thema: “Hashtag”. Foto: Christine Ascherl

Das “Hashtag” ist am Montag Thema in der Stadtratssitzung. Die Freien, CSU und Bürgerliste haben einen Antrag auf einen “Runden Tisch zur Problemlösung” gestellt. Für junge Menschen fehle mit der Schließung der Disco ein wichtiger Anlaufpunkt in der Stadt und dem Betreiber eine Perspektive.

Polizei und Verwaltung nutzen die Gelegenheit, die Dinge zurechtzurücken. “Es ist nicht so, dass die Stadt Weiden das Hashtag geschlossen hat”, betont OB Jens Meyer (SPD). Die vorübergehende Schließung sei eine freie Entscheidung des Betreibers. Die auf 3 Uhr vorgezogene Schließzeit kam nicht ohne Ansage. Seit Jahren fordere man den Betreiber auf, endlich tätig zu werden.

Polizeichef Fuchs: “Es gab immer nur diese eine Problemdisktohek”

Im Umfeld der Diskothek kam es zu massiven Straftaten. “Wir sind dort jedes Wochenende hingefahren”, erinnert Polizeidirektor Markus Fuchs, Chef der Inspektion Weiden. Das waren keine einfachen Einsätze. Seine Kollegen waren umgeben von stark betrunkenem, aggressiven Klientel. “Es gab immer nur diese eine Problemdiskothek. Und keine Besserung in Sicht.”

Die Zahlen von 2023: 50 Einsätze, 42 Straftaten, davon 30 Körperverletzungen. Es kam zu drei Kapitaldelikten: zweimal versuchter Totschlag (Messerstechereien) und einer Vergewaltigung. “Da kann ich als verantwortlicher Inspektionsleiter nicht zusehen. Da muss sich etwas ändern.”

42 Straftaten im Jahr, davon 30 Körperverletzungen, drei Kapitaldelikte: Da kann ich als verantwortlicher Inspektionsleiter nicht zusehen. Da muss sich etwas ändern.” Polizeidirektor Markus Fuchs

Erstmals 2019 nahm die Polizei Kontakt zur Stadtverwaltung auf. Das Amt für öffentliche Ordnung vereinbarte mit dem Betreiber eine Aufstockung der Security. Als nach Corona 2022 die Sicherheitsproblematik wieder aufploppte, gab es erneut ein Treffen mit den Beteiligten. Diesmal wurde vereinbart: kein Alkoholausschank nach 3 Uhr, Licht an und Musik aus um 4.30 Uhr.

Nur: Da hielt sich keiner dran. Die Polizei kontrollierte in Zivil. Polizeichef Fuchs: “Das hat offenbar nicht wirklich jemanden interessiert. Es ging weiter wie bisher.”

Verhandlung am Verwaltungsgericht Regensburg steht noch aus

Die Stadt griff schließlich zum härteren Mittel: der Sperrzeitverlängerung auf 2.30 Uhr, mit Karenzzeit bis 3 Uhr. “Diese Entscheidung musste getroffen werden”, sagt stellvertretende Rechtsdezernentin Carolin Gradl. “Wir halten daran fest.” Der Betreiber klagt dagegen vor dem Verwaltungsgericht Regensburg. Im einstweiligen Verfügungsverfahren hat er verloren. Das Gericht hält die Maßnahme für verhältnismäßig. Die Vorfälle seien der Discothek zurechenbar. Das Hauptverfahren steht noch aus.

In sozialen Medien üble Beleidigungen

SPD-Fraktionschef Roland Richter schießt gegen CSU-Kollege Benjamin Zeitler, der das Thema auf Social Media nutzte. “Ich glaube, es wäre schlauer gewesen, er hätte erst diesen Antrag gestellt und dann ein Foto mit dem Betreiber gemacht.” Der Antrag auf einen runden Tisch sei überflüssig, den gebe es schon seit langer Zeit. Auch die SPD-Fraktion bedauere die Schließung. Richter weist auf die “sehr, sehr vielen Straftaten” hin: Mitmenschen wurden geschlagen, Frauen angegangen. “Wir hätten einen schlechten OB und eine schlechte Polizei, wenn die gesagt hätten: Ja mei.”

Richter kritisierte übelste Verleumdungen des Oberbürgermeisters in den sozialen Medien: “Es ist die Aufgabe des OB, das zu entscheiden. Dafür kann man ihn fachlich kritisieren. Aber nicht beleidigen.”

Zeitler: “Wo können die jungen Leute unter 30 noch hingehen?”

CSU-Fraktionsvorsitzender Zeitler bleibt dabei: “Wir haben die Disco faktisch nicht geschlossen, aber eben doch. Wenn man sie nicht wirtschaftlich betreiben kann, kann man sie nicht offen halten.” In der “Lebensrealität der jungen Menschen” beginne die Nacht später. Seiner Fraktion gehe es um den Blick nach vorne: “Wo können die jungen Leute unter 30 noch hingehen?” Es müsse das Ziel sein, in Weiden als lebenswerter Stadt für alle Altersgruppen Angebote vorzuhalten.

Ali Zant (Die Grünen) hätte sich all diese Informationen schon früher gewünscht. “Dann hätte es die Diskussion in der Öffentlichkeit nicht geben müssen.” Er stehe hinter der Entscheidung der Verwaltung. Die Alkoholproblematik dürfe man nicht bagatellisieren, die Gewalt nicht tolerieren.

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