Hilfe für Schwangere – vertrauliche Geburt

Neustadt/WN. Gesundheitsämter, Donum Vitae und Caritas bauen anonymes Beratungsangebot weiter aus und vernetzen sich am 23.10.2015 im Landratsamt Neustadt/WN mit Kooperationspartnern zur vertraulichen Geburt in der Region Neustadt / Weiden / Tirschenreuth.

Eine Schwangerschaft ist nicht immer nur ein Grund zur Freude: Frauen, die ihre Schwangerschaft verheimlichen, befinden sich in einer schwerwiegenden, mit Angst und Rückzug verbundenen Krise. Sie haben große Angst sich jemandem zu offenbaren, sie sind verzweifelt und isoliert. Aber keine Frau in der Region Neustadt – Weiden – Tirschenreuth muss allein bleiben mit ihrer Angst oder ihr Kind heimlich, ohne medizinische Begleitung, zur Welt bringen.

Das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt hat zum Ziel, den Frauen rechtssicher zu helfen. Deswegen bauen Schwangerschaftsberatungsstellen vor Ort ihre anonymen Hilfen weiter aus und beziehen wichtige Kooperationspartner mit ein.

Sie bieten eine professionelle, jederzeit auch anonyme Beratung und einfühlsame, kontinuierliche Begleitung vor und nach der Geburt. Sie unterstützen Frauen, wenn diese die vertrauliche Geburt wünschen, innerhalb des Spektrums anonymer Hilfs- und Beratungsangebote, damit eine geschützte und medizinisch begleitete Entbindung ermöglicht und einem Kind die Chance gegeben wird, mit 16 Jahren seine Herkunft zu erfahren. Ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen.

Die Mitarbeiterinnen der Schwangerschaftsberatungsstellen an den Gesundheitsämtern, von Donum Vitae und der Caritas, sind kompetent und besonders für diese Aufgabe geschult. Gemeinsam mit betroffenen Frauen suchen sie gute Lösungen für individuelle Lebenslagen.

vertrauliche Geburt
Die Organisatorinnen der Veranstaltung (von links) Marianne Spahn koordinierende Sozialpädagogin der Regierung der Oberpfalz, Uschi Malterer Caritas, Gabi Raithel Gesundheitsamt Neustadt/Weiden, Claudia Massenbichler Gesundheitsamt Tirschenreuth, Barbara Hösl Adoptionsvermittlung Neustadt, Andrea Käs-Werndl v. Lehenstein Donum Vitae.

Schwangerschaftsberatungsstellen spielen bei der Begleitung der vertraulichen Geburt eine zentrale Rolle. Sie steuern und organisieren das gesamte Verfahren. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sehen jedoch auch eine intensive Kooperation zwischen allen beteiligten Einrichtungen vor. Es müssen Abstimmungen und Absprachen getroffen werden, damit im Falle eines Falles alles reibungslos für die Frauen verläuft. Auf Anregung der vier Beratungsstellen und auf Einladung der Regierung der Oberpfalz hatten am 23.10. alle Akteure zur Umsetzung der vertraulichen Geburt in der Region Gelegenheit zum Austausch.

Wie verläuft eine vertrauliche Geburt

Ideal ist es, wenn sich eine Frau in Not zuerst an eine Schwangerschaftsberatungsstelle wendet. Nach einer ausführlichen Beratung wird ein Pseudonym gesucht, das die Anonymität der Schwangeren für den weiteren Verlauf sicherstellt. Die Adoptionsvermittlungsstelle kann zu diesem Zeitpunkt schon mit einbezogen werden. Die Suche nach geeigneten Eltern für das Kind beginnt, wobei die Vorstellungen der Schwangeren mit einfließen. Die Mutter kann einen Brief für das Kind hinterlassen und auch ein kleines Geschenk. Auch dabei muss die Frau ihre Anonymität nicht aufgeben. Der Weg zur gewünschten Geburtshilfe wird angebahnt. Die Frauen werden auf Wunsch dorthin von einer Beraterin begleitet. Nach der Entbindung wird dem Kind von der Kreisverwaltungsbehörde ein Name gegeben. Dieser wird in das Geburtenregister eingetragen. Das Kind wächst bei der ausgewählten Familie auf.

Mit 16 Jahren kann sich das Kind an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) wenden, um dort den Namen der Mutter zu erfahren. Im Gesetz ist jedoch vorgesehen, dass die Mutter rechtzeitig eine Erklärung abgeben kann, um dies zu verhindern, wenn auch nach 16 Jahren die Aufgabe der Anonymität aus gewichtigen Gründen nicht möglich ist. Allerdings muss dafür das Familiengericht mit einbezogen werden. Die Entscheidung darüber liegt nicht mehr alleine in den Händen der Frau.

Das kostenlose Hilfetelefon „Schwangere in Not – anonym & sicher“: 0800 40 40 020 ist rund um die Uhr erreichbar und hilft in mehreren Sprachen sowie barrierefrei. Es bietet den Schwangeren erste Unterstützung und vermittelt an die lokalen Schwangerschaftsberatungsstellen weiter.

Umfassende Informationen finden sich auf: www.geburt-vertraulich.de Weitere Infos erhalten Sie auch bei Marianne Spahn, Regierung der Oberpfalz, marianne.spahn@reg-opf.bayern.de

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