Immer weniger Lebensmittel: Tafel zieht die Reißleine

Weiden. Lebensmittel werden zur Mangelware. Ab kommender Woche dürfen die Tafel-Kunden aus Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN nur mehr einmal in der Woche dort einkaufen.

Leere Regale, leere Kisten: Tafel-Chef Josef Gebhardt (links) und Geschäftsführerin Diana Hermann (rechts) müssen die Reißleine ziehen. Foto: Theo Kurtz

Hiobsbotschaft für die Kunden der Weidener Tafel. Ab 29. August darf jeder Berechtigte nur mehr einmal in der Woche einkaufen. Der Grund: Die gespendeten Lebensmittel werden knapp. So ist die Versorgung mit Brot jetzt schon um sage und schreibe 50 Prozent eingebrochen.

Tafel-Leiter Josef Gehhardt ist nicht nur ratlos, er ist auch schon verzweifelt. Wenn früher ein Engpass auftrat, hat er seine Kontakte aktiviert. Ein Telefonat genügte in der Regel und schon war die missliche Lage behoben. Doch jetzt ist alles anders. Die Lebensmittelbetriebe leiden unter den gestiegenen Rohstoffpreisen und den horrenden Energiekosten. „Wenn ich jetzt anrufe, bekomme ich immer die gleiche Antwort: Tut uns leid, aber wir müssen sparen“, erzählt Gebhardt. Überproduktionen, die früher bei der Tafel gelandet waren, gibt es scheinbar nicht mehr.

Bald nur alle zwei Wochen einkaufen?

Zwar ist die Ausgabestelle der Tafel in der Fichtestraße nach wie vor am Montag und Freitag geöffnet. Aber eingekauft werden darf nur mehr an einem der beiden Tage. Für die Ukraineflüchtlinge ist der Laden in der Max-Reger-Stadt immer mittwochs geöffnet. Diese neue Regelung gilt übrigens auch für die Nebenstellen in Vohenstrauß, Rothenstadt, Mantel und Floß. Und es könnte tatsächlich noch schlimmer kommen. Gebhardt schließt nicht mehr aus, dass zukünftig nur mehr alle zwei Wochen Lebensmittel ausgegeben werden können. „Möglicherweise werden wir auch keine Neukunden mehr aufnehmen“, bedauert er.

Lage der Tafel verschlechtert sich immer mehr

Die Lage hat sich für die Tafel seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs immer mehr zugespitzt. Zu den 2.600 „Stammkunden“ kamen noch fast 1.000 Flüchtlinge dazu, die mitversorgt werden müssen. Außerdem zählt die Tafel rund 400 neue Kunden, allesamt Deutsche. Menschen, die sich bislang geschämt hatten, an die Tafel-Türe anzuklopfen und versucht hatten, sich irgendwie durchs Leben zu wursteln.

Das geht nicht mehr: Den Einkauf im Geschäft können sie sich aufgrund der hohen Preise einfach nicht mehr leisten. Gleichzeitig nimmt aber die Menge an gespendeten Lebensmitteln immer mehr ab. Zuletzt mussten zum Teil weite Fahrten zu anderen Tafel unternommen werden, um sich dort einzudecken. Die hohen Spritkosten belasten die Einrichtung zusätzlich.

Tafel-Chef ist sauer auf die Politik

Gebhardt ist richtig sauer. Der frühere Weidener SPD-Stadtrat ärgert sich maßlos über „das ganze Politiker-Gesabbere“. Seiner Meinung werden die Tafeln einfach im Stich gelassen. „Es reicht nicht, alle ukrainische Flüchtlinge und zunehmend von Armut betroffene Personen an die Tafeln zu verweisen“, kritisiert er. Leider gebe es noch immer kein Gesetz, das die Lebensmittelvernichtung durch die Industrie verhindert, bedauert der Tafel-Chef. In seinen Augen ist die Politik gefordert, ganz schnell zu handeln. „Die Regelsätze der Grundsicherung müssen deutlich angehoben werden.“ Nur so könnten einkommensschwache Leute sich wieder den Gang zum Supermarkt leisten.

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