Integration brutal anstrengend

Neustadt/WN. Warum die europäischen Länder nicht in den Krisenstaaten aktiv würden, wollte einer der Teilnehmer beim Bürgergespräch des CSU-Ortsverbandes mit Albert Rupprecht wissen. Gleich die erste Frage war damit auch die komplizierteste. Der Bundestagsabgeordnete versuchte trotzdem eine Erklärung zu finden.

Die Möglichkeiten, die die Europäische Union habe, seien begrenzt. „Ich habe noch keine abschließende Meinung darüber. Ich denke nur laut darüber nach“, betonte Rupprecht schon vor seinen Ausführungen. „Vor zehn Jahren hätte ich vielleicht noch eher eine militärische Lösung in Erwägung gezogen“, sagte der Bundespolitiker. Entwicklungen wie der Arabische Frühling, die Demokratiebewegungen in Libyen und weiteren Staaten hätten ihn zunächst zuversichtlich gestimmt, dass diese Staaten für Veränderungen bereit seien. Jetzt sei er ernüchtert.

Es reicht nicht, wenn man den Kopf vorne austauscht

brachte Rupprecht seine Erkenntnis auf den Punkt. Und dennoch: betrachte man die Situation im Irak nach dem Krieg der Amerikaner, so sei die Situation unterm Strich schlechter als zuvor. „Wir werden mit vielen dieser Konflikte leben müssen“, meinte Rupprecht. Es gäbe nur wenige Situationen, wo ein militärisches Eingreifen notwendig sei, etwa bei Zuständen wie im Kosovo, wo in den neunziger Jahren die Zivilbevölkerung in Anwesenheit von Blauhelmsoldaten abgeschlachtet worden sei.

Rupprecht 1

Integration „brutal anstrengend“

Zum Thema Zuwanderer sagte der Bundestagsabgeordnete: „Integration ist brutal anstrengend.“ Es reiche nicht hier und da noch einige Milliarden locker zu machen. Um Zustände wie in Frankreich mit einer Ghettoisierung zu verhindern, müsse man sich jedem Flüchtling individuell annehmen. „Natürlich müssen sich die anstrengen, aber wenn wir uns nicht auch persönlich ihrer annehmen, dann wird das nicht gelingen. Wir müssen jeden einzelnen Menschen – auch wenn das jetzt blöd klingt – wie ein Projekt sehen.“ Schon bei manchen deutschen Jugendlichen sei es schwer, dass sie ihre Ausbildung abschlössen. Bei den Zuwanderer sei der „Kraftakt“ umso größer.

Grenzen der Aufnahmefähigkeit

Ideal wäre es, wenn alle staatlichen Stellen ständig zusammenarbeiteten, also ständig an einem runden Tisch sitzen würden. „Im Augenblick habe ich jedes Verständnis, dass das nicht funktionieren kann, weil die Behörden mit dem Tagesgeschäft ausgelastet sind.“ Dass die Zuwanderung Asylsuchender keine Obergrenze kenne, werde so nicht haltbar sein. Rupprecht sprach von einer christlichen Grundhaltung, das man denjenigen, die in Not seien helfe. Und trotzdem: „Es gibt eine Grenze der Aufnahmefähigkeit. Das ist eine der härtesten Aufgaben momentan, diese Grenze auszuloten“, sagte Rupprecht.

Rupprecht Albert

Bilder: B. Grimm

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