Jahn Regensburg beißt und kratzt sich auf dem letzten Zahlfleisch zum Dreier gegen St. Pauli

Regensburg. Ein ohnehin dünner Kader, die halbe Defensive gesperrt oder krank, das Selbstbewusstsein am Boden: Nur die größten Optimisten hatten damit gerechnet, dass die Rumpfelf von Jahn Regensburg gegen St. Pauli die Wende schafft. Am Ende steht ein verbissener Arbeitssieg.

Doppelpacker Andreas Albers (Mitte) sichert dem SSV Jahn den ersten Dreier seit sechs Wochen. Bild: Jürgen Herda

So hatte sich SSV-Coach Mersad Selimbegovic, dem Jahn-Präsident Hans Rothammer unter der Woche den Rücken gestärkt hatte, das vorgestellt: „Ein dreckiger Sieg muss her“, hatte er gefordert. Den haben seine elf Regensburger plus Ersatzspieler gegen ein extrem harmloses St. Pauli erkämpft.

Mit dem Glück des Tüchtigen und der Mut der Verzweiflung: Ein Elfmeter nach Hinweis des Video-Schiedsrichters, der durchaus als großzügig einzustufen ist. Andreas Albers drückt den Ball aus elf Metern gerade mal so über die Fäuste von Kiez-Keeper Nikola Vasilj ins rechte Eck, 1:0 (8.).

Ex-St.-Paulianer Viet als Matchwinner

Zuvor hatte Leard Paqarada einen Freistoß an den Pfosten gezirkelt, und St.-Pauli-Neuzugang Christian Viet auf der Linie gerettet (3.) – die genaue Umkehrung des Matchpechs, das Selimbegovic in der Pressekonferenz beklagt hatte: „Vor dem Führungstreffer des Gegners vergeben wir oft eine 100-prozentige Chance.“

Anschließend droht sich der SSV Jahn wieder in die Passivität der vergangenen Spiele zurückzuziehen, die zu der langen Flaute mit sechs tor- und sieglosen Partien geführt hatte. Regensburg überlässt den Kiez-Kickern den Ball, die zum Glück für Regensburg damit zu selten echte Gefahr produzieren können.

Schlüsselszene: Dass Paqaradas Freistoß von der Strafraumgrenze nur an den Pfosten knallte (3.), ist Teil des Matchglücks der Regensburger an diesem Sonntag. Bild: Jürgen Herda

Doppelpacker Albers

Dennoch: Dass der Kasten des gewohnt souveränen Jahn-Keepers Dejan Stojanovic trotz eines Schussverhältnisses von 7:4 zugunsten der Hamburger sauber blieb, hat mehr mit dem Unvermögen der Hanseaten zu tun als mit der Souveränität der Oberpfälzer Abwehr. Johannes Eggesstein scheitert nach einem Eckball Marcel Hartels aus spitzem Winkel zweimal an Stojanovic (23.), Étienne Amenyido hebelt die Kugel am langen Pfosten überrascht am leeren Tor vorbei (31.).

Nachdem die erste Welle der Hamburger Angriffe verebbte, traut sich auch Regensburg wieder aus der eigenen Hälfte heraus. Meistens scheitern konstruktive Angriffe an dem vom Jahn-Trainer ausgemachten Missstand, dass die Stürmer, wenn sie denn mal einen halbwegs brauchbaren Ball aus dem Mittelfeld bekommen, die Kugel zu selten festmachen. Wenn’s spielerisch nicht funktioniert, dann eben auch mal schlicht: Viet mit einer präzisen Flanke von links, Albers steigt am höchsten und wuchtet die Kugel zum 2:0 ins Netz (41.).

An den eigenen Standards, die in der vergangenen Saison noch zu den Stärken der Regensburger zählten, muss der SSV Jahn noch hart arbeiten. Bild: Jürgen Herda

Quälende zweite Hälfte

Die zweite Hälfte ist fußballerisch dann ganz schwere Kost. Obwohl die Gäste weiterhin ihr Abo für den Ballbesitz verwalten, hinterlassen sie den Eindruck einer zu langen Nacht auf der Reeperbahn. Gefahr entsteht lediglich durch die immer wieder leichtfertig von Regensburgern in die Beine gespielten Bälle – doch selbst mit Vorlagen von Max Thalhammer am Strafraum wissen die Hamburger nichts anzufangen. Stojanovic muss lediglich hin und wieder eine unpräzise Flanke herunterpflücken oder eine faktische Rückgabe unter sich begraben.

Den Regensburgern kann man vor dem Hintergrund des Personalnotstand keinen Vorwurf machen, dass sie sich vor allem in der eigenen Hälfte mit Zähnen und Klauen gegen den Anschlusstreffer wehren. Erst in den Schlussminuten glücken vereinzelt Ansätze zu vielversprechenden Kontern, bei denen freilich der letzte Pass nicht ankommt. Lediglich Andreas Albers zwingt nach starkem Antritt und wuchtigem Abschluss Keeper Vasilj zur einzigen Parade im zweiten Durchgang (87.).

Erlösung nach dem Abpfiff: Nach sechs tor- und sieglosen Spielen gelingt Andreas Albers (vorne rechts) und der Jahn-Elf ein 2:0-Arbeitssieg gegen St. Pauli. Bild: Jürgen Herda

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