Jahn Regensburg enttäuscht beim letzten Heimspiel gegen Heidenheim

Von wegen befreit aufspielen: Bei einem müden Kick gegen etwas präsentere Gäste aus Heidenheim verliert Jahn Regensburg mit 0:2.

Regensburgs Bester an diesem Samstag faustet den Ball weg: An Jahn-Keeper Torwart Thorsten Kirschbaum hat es nicht gelegen, dass der SSV sein letztes Heimspiel gegen Heidenheim verliert.. Bild: SSV Jahn

Wir wollen fair bleiben: Würde man sich nur die Statistik und nicht das Spiel anschauen, könnte man meinen, dass der SSV Jahn sein letztes Heimspiel in dieser Saison mehr als ordentlich absolviert hat: Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, sogar mehr gewonnene Zweikämpfe.

Doch die Zahlen täuschen. So richtig Zugriff auf das Spiel gegen den Tabellen-Achten haben die Regensburger nur gegen Ende der ersten Halbzeit. Da sind sie eine Viertelstunde dem Führungstreffer näher als das Team von FCH-Coach Frank Schmidt. Und als Andreas Albers einen feinen Pass von Jan-Niklas Beste im Alleingang versenkt, scheint das auch aufzugehen – leider steht der Däne zuvor einen halben Schritt im Abseits.

Halbherzige Defensive

In der zweiten Hälfte reichte den Gästen die Taktik vom Beginn des Spiels: Die Regensburger immer wieder man mit Nadelstichen, Seitenwechseln und Pässen in den Strafraum nerven, die die Oberpfälzer zu oft nur halbherzig klären. Und einen der vielen Eckbälle der Ost-Württemberger köpft schließlich Patrick Mainka via Innenpfosten zum 0:1 (51.) über die Linie.

Es ist nicht so, dass sich der Jahn anschließend nicht um Schadensbegrenzung bemüht hätte. Vor allem Beste und Albers, nach seiner Einwechslung auch Joël Zwaarts haben einige Chancen – aber der letzte Biss, auf den Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic gehofft haben dürfte, ist nicht zu erkennen.

Sallers Knicks vorm 0:2

Stattdessen lässt sich die Regensburger Defensive mit einem klugen Seitenwechsel von Theuerkauf aushebeln und der eingewechselte Tobias Mohr sorgt unbedrängt für die Vorentscheidung, 0:2 (82). Dass Bene Saller, der bei dessen Schuss aus 16 Metern einen höflichen Knicks machte, beziehungsweise die Ferse etwas rausreckte, anschließend von Selimbegovic vom Feld genommen wurde, dürfte kein Zufall gewesen sein.

So bleibt es dabei: Die Bilanz der Regensburger Rückrunde bleibt unterirdisch: 12 Punkte bis hierher hätten ohne die ebenso überirdische Vorrunde mit 28 Punkten zum sicheren Abstieg geführt. So vergeigt die Mannschaft „nur“ die zu erwartenden TV-Gelder, die unter anderem nach Tabellenplatz bemessen werden. Die Weichenstellung für den neuen Kaders macht das nicht leichter.

An mangelnder Unterstützung hat es auch beim letzten Heimspiel in dieser Saison im Jahn-Stadion nicht gemangelt. Bild: Stefan Schmid

Leistungsgedanke hat Vorrang vor der Zukunft

Mit nur einer Veränderung in der Startelf geh die Jahnelf in das letzte Heimspiel dieser Saison. Jan Elvedi ersetzt in der Innenverteidigung Scott Kennedy, der auf der Bank Platz nimmt. Stammkeeper Alexander Meyer fehlt weiterhin verletzt und verpasst damit den Abschied vor heimischem Publikum. Er dürfte nicht zu halten sein. Wieder einmal hat sich ein Spieler im Jahn-Trikot für höhere Aufgaben empfohlen. Er ist allerdings nicht der Einzige im Kader, der Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen im Laufe der Saison geweckt hatte.

Schon vor dem Spiel war deshalb von manchen Seiten – nicht nur von Fans – der Wunsch zu hören, man möge doch nur noch die Spieler einsetzen, die auch nächste Saison sicher beim SSV spielen. Einerseits ein nachvollziehbarer Gedanke, andererseits widersprüchlich zum Leistungsgedanken. Ohnehin hat Mersad Selimbegovic schon in der Spieltags-PK solchen Überlegungen eine Absage erteilt. Deshalb: bis auf die Hereinnahme von Elvedi keine personellen Umstellungen.

Doppeltes Alu-Glück für den Jahn

Die Begegnung beginnt mit erschreckenden Parallelen zum Spiel in Dresden. Wieder ist das Abwehrverhalten in den ersten 10 Minuten bestenfalls mit schlafmützig, eher mit naiv, zu beschreiben. Schon nach 4 Minuten ist ein überragender Reflex von Thorsten Kirschbaum nötig, um den Rückstand zu verhindern. Nach einer unzureichend geklärten Ecke findet ein Chip-Ball den völlig freistehenden Robert Leipertz fünf Meter vor dem Tor. Dessen sehenswerte Direktabnahme kann Thorsten Kirschbaum gerade so an den Pfosten lenken.

Nach 15 Minuten sehen die Fans ein temporeiches Spiel, in dem die Gäste aus Heidenheim etwas griffiger und giftiger agieren. Aber auch die Jahn-Elf durchaus engagiert wirkt, wenn auch in Zweikampfsituationen oftmals einen Schritt zu spät. Die beste Chance der Anfangsphase hat Benedikt Gimber, der mit seinem Abschluss an einem gegnerischen Fuß hängen bleibt (17.). Im Jahn-Strafraum brennt es dann wieder nach einer Ecke. Nach dem Eckstoß bekommt niemand so wirklich den Ball aus der Box, so dass dieser irgendwann vor die Füße von Jonas Föhrenbach fällt. Sein Abschluss gelingt zum Glück nicht zu hundert Prozent. Abgefälscht trudelt der Ball in Zeitlupe an den Pfosten. Glück für den chancenlosen Kirschbaum.

Abseitstor erweckt die Jahnelf

Weiter sind es die Gäste, die die klareren Torchancen zu verzeichnen haben. Und wieder ist es eine Ecke. Kirschbaum kann den platzierten Kopfball von Patrick Mainka gerade so um den Pfosten lenken (28.). 15 Minuten vor Ende der ersten Halbzeit wird das Spiel dann immer zerfahrener. Was der Jahnelf Platz zu gefährlichen Gegenstößen bietet. Die letzte Präzision fehlt aber wie so oft diese Saison. So auch in der 31. Minute, als Jan-Niklas Beste aus zentraler Position 16 Metern vor dem Tor drüber zielt.

Dann doch endlich das Tor für den SSV. Der Jubel hält aber nur kurz an. Das eigentlich eindeutige Abseits von Andreas Albers beim Zuspiel von Jan-Niklas Beste muss schließlich vom VAR aufgeklärt werden. Wenn solche glasklaren Situationen im Spiel nicht erkannt werden, kann man sich die Linienrichter auch gleich sparen. Die Situation wirkt auf die Elf von Mersad Selimbegovic aber wie ein Erweckungserlebnis. Zusehends übernimmt der Jahn das Heft des Handelns. Drei aussichtsreiche Chancen (37./40./45.) scheitern aber an der fehlenden Genauigkeit der Jahn-Stürmer.

Kurzer Jubel im Jahn-Stadium: Hier deutete noch alles auf einen versöhnlichen Saisonausklang gegen den FC Heidenheim hin. Doch Andreas Albers Treffer zum vermeintlichen 1:0 wurde wegen einer Abseitsstellung zu Recht aberkannt. Bild: Stefan Schmid

Heidenheim versenkt dann doch eine Ecke

Leider schafft es die Jahn-Elf die guten letzten Minuten der ersten Halbzeit nicht in den zweiten Durchgang zu retten. Insofern darf sich der SSV nicht beschweren, als es in der 51. Minute im eigenen Kasten klingelt. Eine Ecke ist der Ausgangspunkt für den Gegentreffer. Ja, wieder eine Ecke… Nach Kopf-Ping-Pong in der Mitte ist es Patrick Mainka, der den Ball aufs lange Eck köpft. Kirschbaum kann nur hinterher schauen, wie der Ball unerreichbar für ihn vom Pfosten hinter die Linie springt.

Man hat das Gefühl, dass die Jahn-Spieler schon wollen, aber nicht unbedingt die letzten Prozent zu investieren bereit sind. Zu groß scheint die Sorge beim gesicherten Saisonziel zu sein, sich zu verletzen. In der 65. Minute dann die Reaktion von Selimbegovic. Carlo Boukhalfa, nächstes Jahr nicht mehr beim SSV, und Nicklas Shipnoski machen für Joël Zwarts und Aygün Yildirim platz. Immer wieder sind es Robert Leipertz und Tim Kleindienst, die den Ball über große Distanzen in die Jahn-Hälfte tragen. So auch in der 66. Minute, in der Leipertz tief geschickt wird und quasi nur Geleitschutz von der Jahn-Defensive erhält. Glück, dass seine Hereingabe von der Grundlinie dann doch an einem Abwehrbein hängen bleibt.

Mohr begräbt Regensburger Hoffnungen

Dann aber doch der Jahn mit einigen guten Chancen. Zwei aufeinanderfolgende Abschlüsse von Beste und Saller können von der Heidenheimer Defensive geblockt beziehungsweise zur Ecke geklärt werden (68.). Gleich darauf dann DER Hochkaräter für die Jahnelf (70.). Eine Beste-Flanke findet den Kopf des unbedrängten Joël Zwarts‘. Der Kopfball allerdings: verbesserungswürdig. Fünf Meter vor dem Tor gut einem Meter über das Gehäuse. Die beiden Chancen haben der Jahnelf wieder Selbstvertrauen eingehaucht. Yildirim kommt in der Folge nicht am herauseilenden Kevin Müller vorbei (79.) und Beste scheitert mit einem wuchtigen Distanzschuss am stark parierendem Keeper (81.).

Auf der anderen Seite jedoch der Nackenschlag. Nach Vorlage von Tim Kleindienst reicht Tobias Mohr ein Wackler, um frei im Strafraum zum Abschluss zu kommen. Sein strammer Rechtsschuss ins kurze Eck lässt Kirschbaum keine Chance (82.). Da war Zug drin. Nach dem 0:2 steckt der Jahn zuerst nicht auf und kommt in Person von Andreas Albers noch zu zwei (halb-)Chancen. Eine wird von der Heidenheimer Abwehr geblockt (83.), die andere köpft er in die Hände von Torwart Müller (86.). Danach haben sich auch die letzten zwingenden Bemühungen der Jahn-Elf erledigt. Am Ende steht eine 0:2 Niederlage zu Buche.

Viele Fragezeichen vor dem letzten Spiel

Man darf gespannt sein, welche personellen Konsequenzen Mersad Selimbegovic nach diesem Auftritt für den letzten Spieltag in Bremen zieht. Einige Spieler der Startelf schienen doch schon mit dem Gedanken bei ihren – potentiellen – neuen Arbeitgebern zu sein. Man will wirklich nicht in der Haut des SSV-Coaches stecken, denn auch die Bank-Spieler haben nicht wirklich einen Einsatz im nächsten Spiel gerechtfertigt. Eines ist in jedem Fall sicher: Mit einem solchen Auftritt wird es gegen bis in die Haarspitzen motivierte Bremer in einem Debakel enden.

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