Jahn Regensburg nach Last-Minute-Ausgleich in Dresden gerettet

Dresden. Gegen den HSV mit der besten Saisonleistung höchst unglücklich verloren, bei Dynamo Dresden mit der schlechtesten den 40. Punkt in letzter Minute gewonnen. Der SSV Jahn Regensburg rettet sich dank Andreas Albers Kopfball zum 1:1 (88.) über die Ziellinie.

Jubel bei Regensburg über den rettenden 40. Punkt, Enttäuschung bei Dynamo Dresden über den in letzter Minute verspielten ersten Dreier der Rückrunde. Bilder/Kollage: Jürgen Herda

Wenn die Taktik so gewollt war, hat sich Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic dieses Mal ziemlich verkalkuliert – zumindest bis zur 88. Minute. Brannten die Regensburger gegen den Hamburger SV noch ein Feuerwerk an Offensivgeist ab, bringen es die Rot-Weißen in Dresden gerade mal auf zwei Torschüsse. Einer davon per Kopf ins Glück. Andreas Albers 9. Saisontreffer macht den Abstieg auch rechnerisch unmöglich.

Zuvor hat Jahn-Kapitän Benedikt Gimber den Ball an der Mittellinie an Michael Akoto verdaddelt, der den Ball an Paul Will weitergibt, rechts Agyemang Diawusie in Szene setzt – dessen flache Hereingabe Christoph Daferner nach Drehung um die eigene Achse ins lange Eck zirkelt, 1:0 für Dresden (73.).

Saison gerade mal so gerettet

Klar, am Schluss liegen sich die Oberpfälzer in den Armen. Die Saison ist gerettet, die Planung für die sechste Saison nach Selimbegovic‘ 100. Zweitliga-Spiel kann beginnen. Und auch das stimmt: Die miserable Rückrundenbilanz mit bislang gerade mal 12 Punkten kam auch deshalb zustande, weil der SSV Jahn Punkte nach eigentlich starken Auftritten liegenließ.

„Gegen Bremen waren wir richtig gut“, sagte der Jahn-Coach im Interview mit OberpfalzECHO, „auf Schalke vielleicht sogar besser als beim Heimsieg, gegen Kiel sehr ordentlich. St. Pauli haben wir nach schlechtem Auftakt in der zweiten Halbzeit eingeschnürt, aber den Ausgleich nicht mehr geschafft.“

Der Jahn braucht neue Ausnahmespieler

Alles richtig. Aber man darf auch Spiele wie das heutige nicht vergessen, indem gerade die Leistungsträger statt ein Feuerwerk, ein Fehlpassfestival veranstalteten – wie etwa auch In Aue oder phasenweise gegen Ingolstadt. Die Spieler, die den Jahn in der Hinrunde so stark machten, wie Jan-Niklas Beste, Bene Saller, Erik Wekesser oder Max Besuschkow gelingt es nur noch in Ausnahmefällen, mit präzisen Flanken für Torgefahr zu sorgen. Und der Anwärter Nummer 1 für den Ausnahmespieler, der den Unterschied macht, Sarpreet Singh, war zuletzt ein Schatten seiner selbst – und dann verletzungsbedingt ganz raus.

Für die nächste Saison bedeutet das: Wenn alle Leihspieler von Bord gehen, besteht beim neuen Sportchef Roger Stilz dringender Handlungsbedarf. Und dann dürfte es auch nicht reichen, nur auf Ergänzungsspieler zu setzen. Regensburg braucht auch wieder ein zumindest kleines Genie wie in früheren Zeiten ein Aias Aosman (Ionikos Nikea), Erik Thommy (VfB Stuttgart) oder Sargis Adamyan (TSG Hoffenheim).

Andreas Albers Dynamik rettet dem SSV Jahn den fehlenden Punkt zum Klassenerhalt. Bild: jrh

Stimmgewaltige Dynamo-Fans

Das Team von Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic wird, wie erwartet, von einer stimmgewaltige Dynamo-Anhängerschaft empfangen. Die Fans beider Teams sehen dann aber beim 1:1 im Rudolf-Harbig-Stadion zwischen den SSV Jahn Regensburg und Dynamo Dresden einen biederen Auftritt ihrer Mannschaften. Schüsse, die direkt das Tor treffen, sind an einer Hand abzuzählen.

Ist die erste Halbzeit noch von starker Zweikampfführung gezeichnet, lässt auch diese mit dem Beginn der zweiten Halbzeit nach. Schlussendlich dürfen die Zuschauer dann doch noch Tore bejubeln. Jubel darf besonders in Regensburg herrschen, da jetzt endlich die magischen 40 Punkte erreicht sind.

Dynamo legt dynamisch los

Zu Beginn ist das Heimteam das deutlich spielbestimmende Team. Dies hält nur knapp 15 Minuten an. Danach hat sich der Jahn besser auf die SGD-Taktik eingestellt. Was folgt, ist ein wenig attraktives Abtasten, welches den Puls der Zuschauer auf konstant niedrigem Niveau belässt. Etwas überrascht dürften die Anhänger des Jahns beim Blick auf die Aufstellung gewesen sein. Thorsten Kirschbaum steht für Stammtorhüter Alexander Meyer zwischen den Pfosten.

Meyer verletzte sich im Training vor dem Spiel. Für Kirschbaum ist es der zweite Einsatz im Jahn-Dress nach der 4:1 Niederlage am 14. Spieltag gegen den Hamburger SV. Dieses Mal sollte der Keeper nicht so oft hinter sich greifen müssen. Ansonsten schickt Mersad Selimbegovic seine Elf unverändert in die Begegnung mit Dresden. Die Dresdener gehen offensiv in die Partie. Heim-Trainer Guerino Capretti ließ zwei Mittelstürmer auflaufen. Flankiert werden die beiden von den schnellen Außenspielern Agyemang Diawusie und Guram Giorbelidze. Zu Spielbeginn rollen auf die SSV-Abwehrvier Spieler in einer Linie zu. Dauerhafte Gefahr können die Dresdener damit aber nicht ausstrahlen.

Kirschbaum gleich im Mittelpunkt

Es wirkt zu Beginn beinahe so, als hätte sich Dresden das Regensburger Pressing abgeschaut. So läuft erst die 6. Minute, als Kirschbaum ganz tief in die Torwart-Trickkiste greifen muss. Nach einer Flanke von rechts kann Benedikt Gimber nur unzureichend klären. Der Ball landet vor den Füßen von Michael Akoto. Dessen Volley-Abnahme aus 10 Metern lenkt der Jahn-Keeper mit einer hervorragenden Reaktion geradeso an die Latte. Klasse Aktion vom Ersatzkeeper. Regensburg in den Anfangsminuten mit wenig strukturiertem Ballbesitz. Die Offensivaktionen bestehen aus zwei Verlegenheits-Schüsschen aus der Distanz.

Die Dresdener hingegen überspielen entweder schnell die Offensivlinie des Jahns oder schlagen Bälle kompromisslos nach vorne. Das heißt nicht, dass die Regensburger kampf- und lustlos auftreten. Im Gegenteil. Nach 19 Minuten kommt Albers zu einer Halbchance. Im Anschluss an einem Freistoß flankt Max Besuschkow von links und findet den Kopf des Stürmers. Ohne viel Druck fliegt der Ball aber in weitem Bogen über das Tor.

Die Dynamo-Fans wie gewohnt stimmgewaltig haben aber nur wenig zu jubeln. Bild: jrh

Mannschaften neutralisieren sich

Die Domstädter kommen mit fortlaufender Spieldauer besser in die Partie und gewinnen zusehends mehr Zweikämpfe. Daraus ergeben sich auch mehr Offensivaktionen für den SSV. Jedoch ohne Dynamo-Torwart Kevin Broll zu Paraden zwingen zu können. Auf der anderen Seite strahlt Dresden immer wieder Gefahr in Umschalt-Situationen aus. Aber auch das nun ohne nennenswerte Torabschlüsse. Mit viel gutem Willen kann man den Distanzschuss – drei Meter am Tor vorbei – von Dynamo-Sechser Paul Will als Chance verzeichnen (33.).

Verantwortlich dafür ist auch die nun deutlich stabilere SSV-Defensive. Entweder werden Konter des Heimteams ohne viel Aufhebens geklärt oder der eigene Sechzehner so zugestellt, dass die Dresdener Flanken keine Abnehmer finde. Etwas hitzig wird es in der 37. Minute, als nach zwei 50:50 Situationen der Puls bei SGD-Akteur Chris Löwe in die Höhe schnellt. Zum Ende der ersten Halbzeit ist der Jahn dann wieder mehr in der passiveren Rolle, sodass das Heimteam zu einer kleinen Chance kommt. Nach Ecke ping-pongt der Ball zu Michael Akoto, der trifft den Ball nicht richtig und Gimber kann den Ball klären (43.).

Einschläfernder Wiederbeginn, Dresden aus dem Nichts

Zum Pausentee wurde auf beiden Seiten wohl Kamille oder vergleichbar Beruhigendes gereicht. Keine Chance, ungenaues Spiel und kaum Zweikämpfe zeichnen die Zeit nach dem Wiederanpfiff aus. Umso mehr schmerzt die vergebene Chance von Nicklas Shipnoski (59.). Andreas Albers verlängert einen langen Ball aus der Abwehr in den Lauf von Shipnoski. Der lässt noch einen SGD-Verteidiger aussteigen und setzt dann den Ball frei vor dem Tor knapp über das linke Kreuzeck. Bis dato die größte Chance für den SSV. Der Jahn jetzt immerhin mit mehr Strafraumaktionen als Dresden – allerdings mit wenig Durchschlagskraft.

Aus dem Nichts dann großer Jubel im Rudolf-Harbig-Stadion. Jahn-Kapitän Benedikt Gimber verliert den Ball an der Mittellinie an Akoto, der den freigewordenen Ball sofort zu Paul Will weiterleitet. Der treibt den Ball nach vorne und setzt rechts Diawusie in Szene. Dessen flache Hereingabe landet bei Christoph Daferner. Der sich um die eigene Achse dreht und zwischen Scott Kennedy und Steve Breitkreuz flach aufs lange Eck zielt. Kirschbaum ohne Chance. 1:0 für Dresden (73.).

Eine Viertelstunde lang darf Dynamo vom ersten Rückrunden-Sieg träumen. Bild: jrh

Später Ausgleich für die Jahnelf

In der 79. Minute hätte es dann beinahe zum zweiten Mal im Tor von Thorsten Kirschbaum geklingelt. Aber beim Zuspiel von Diawusie steht Ransford-Yeboah Königsdörffer – freundlich ausgedrückt – unglücklich im Abseits. Im Anschluss macht Regensburg auf und wagt mehr Offensive. Zunächst ohne viel Erfolg. Auch die sonst so gefährlichen Standards von Erik Wekesser verpuffen heute ohne Folgen.

So wie die Dresdener 15 Minuten vorher ohne große Vorwarnung trafen, klingelt es doch noch auf der anderen Seite. Eine butterweiche Gimber-Flanke von links findet den Kopf von Andreas Albers. Im Luftduelle mit Ex-Jahn-Spieler Tim Knipping setzt dieser sich durch und köpft unhaltbar ins linke Kreuzeck ein (88.). Die Akteure aus der Domstadt scheinen ihre Schlüsse aus der letzten Woche gezogen zu haben und bringen diesmal den Last-Minute-Ausgleich über die Zeit.

Planungen für die neue Saison können beginnen

Mit dem späten Ausgleich sind endlich die magischen 40 Punkte erreicht und Trainer Selimbegovic sowie Geschäftsführer Sport Roger Stilz können mit den Planungen für die neue Saison beginnen. Wirft man einen Blick auf die auslaufenden Verträge, so ist das auch bitter nötig. Bereits am Donnerstag deutete Selimbegovic an, dass mit einem Verbleib von Sarpreet Singh nicht zu rechnen sein wird.

Dynamo am Boden: Der direkte Klassenerhalt wird immer unwahrscheinlicher. Bild: jrh

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