Jahn-Trainer fordert mehr Leidenschaft, mehr Herz, mehr Mut gegen St. Pauli

Regensburg. Sechs Spiele ohne Tore, ohne Sieg. Das gab es in der vergangenen Saison auch, aber da hatte sich der SSV Jahn Regensburg schon ein fettes Punktepolster zugelegt. Ausgerechnet beim FC St. Pauli endete damals die Auftakt-Siegesserie. Etwa 12.000 Zuschauer hoffen am Sonntag, 13.30 Uhr, dass dieses Mal gegen die Kiez-Kicker die Negativserie zu Ende geht.

Ein schnelles Tor wie gegen Darmstadt in der 17. Sekunde will der Jahn-Trainer gegen St. Pauli endlich wieder sehen. Zumindest überhaupt ein Tor. Bild: Jürgen Herda

Die Ausgangslage könnte nicht viel ungünstiger sein: „Es kommt alles zusammen“, sagt Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic über die Sperre der zentralen Defensivachse Steve Breitkreuz und Kapitän Bene Gimber. Dazu kommt noch, dass Bene Saller und Prinz Owusu die ganze Woche wegen einer Erkältung nicht trainieren konnten. Ihr Einsatz steht auf der Kippe. „Ich hoffe, dass wir nicht wieder eine Grippewelle bekommen.“

Was der Trainer nicht ändern kann, darüber will er sich auch nicht aufregen. „Wir müssen das Beste daraus machen und Lösungen finden.“ Jeder Spieler, der im Kader steht, habe das Potenzial, Tore zu verhindern und Tore zu schießen. Tore verhindern müsste, falls der Trainer erneut auf die Dreierkette zurückgreift, nach langer Zeit einmal wieder Wastl Nachreiner. Über einzelne Spieler spricht der Trainer in dieser Pressekonferenz aber ansonsten nicht. Zu klar ist, dass sich die Misere nur mit einem gemeinsamen Kraftakt beenden lässt.

Die letzte Konsequenz fehlt

„Es fehlt uns die letzte Konsequenz in fast allen Belangen“, legt er den Finger in die Wunde. „Wir haben fast bei jedem Spiel eine 100-prozentige Chance vor dem Gegentor.“ Das habe schon gegen Karlsruhe begonnen. „Da haben sich manche nach dem 0:1 und dem 0:2 einen Kopf gemacht, dass wir die weiße Weste verloren haben – als ob man ohne Gegentore durch die Zweite Liga kommen könnte.“ Eine Trotzreaktion habe ihm gefehlt. „Mehr Leidenschaft, mehr Herz, mehr Mut.“

In Paderborn habe man etwas Neues ausprobiert: „Da haben die drei Stürmer die Bälle nicht fest gemacht.“ Man hatte viele Balleroberungen, aber die Bälle auch schnell wieder verloren. „Man kann nicht alles immer die Abwehr ausputzen lassen.“ Die Folge: Eine Verunsicherung, die die Krise vertieft: „Manche wollen bloß keinen Fehler machen, den Ball schnell wieder hergeben, lieber blind spielen als in ein Dribbling gehen, aus Angst, dass man sieht, wer den Ball verloren hat.“

„Da kommt viel Wucht auf uns zu“

Das müsse sich ändern. „Alle, die fit sind, müssen versuchen, es irgendwie zu erzwingen“, fordert Selimbegovic. „Das muss nicht schön sein, ein dreckiges 1:0 würde schon reichen.“ Die kleinen Dinge seien oft entscheidend. „Statistisch gewinnst du zu 75 Prozent, wenn du in Führung gehst.“ Wie beim 1:0 gegen Darmstadt nach 17 Sekunden.

Ach ja, einen Gegner gibt es auch noch: Einen gewissen Qualitätsverlust macht der Jahn-Trainer bei St. Pauli nach den Abgängen von Kyreh und Burgstaller schon aus. „Deshalb sind die nicht nicht Erster oder Zweiter.“ Aber trotzdem hätten die Kiez-Kicker immer noch einen starken Kader: „Da kommt viel Wucht auf uns zu – mit Spielwitz.“ Zuletzt hätten sie zwar dreimal auch nur unentschieden gespielt: „Aber wenn man das Spiel gesehen hat, hätten sie nach allen drei Spielen als Sieger vom Platz gehen müssen.“

St.-Pauli-Coach wird sich nicht einwechseln

Und wie sieht der Gegner das? Nach seiner Bilanz gegen Regensburg mit zwei Siegen in der vergangenen Saison kann Timo Schulz gelassen auf die wahrscheinlichen Ausfälle von Ex-Jahn-Stürmer David Otto, Niklas Jessen und Christopher Avevor blicken. Auf der anderen Seite hat der St.-Pauli-Trainer die Jahn-Misere durchaus im Blick: „Regensburg hat mit Gimber und Breitkreuz zwei wichtige Ausfälle“, sagt Schulz. „Sie machen eine nicht so leichte Phase durch – wir werden auf beides vorbereitet sein, sind uns aber sicher, dass die Regensburger eine schlagkräftige Truppe am Start haben werden.“

Man fahre jedenfalls mit einem guten Gefühl nach Regensburg, wo der Jahn vergangene Saison erstmals gegen die Hamburger die Dreierkette ausprobiert habe: „Da haben wir nach zehn Minuten mit 2:0 geführt“, sagt er grinsend. Danach habe der Jahn umgestellt. Das Ergebnis ist bekannt. Trotz leidenschaftlicher Aufholjagd hieß es am Ende 2:3. Was Timo Schulz sicher nicht machen werde – mit seiner Einwechslung als Spielertrainer drohen: „Ich habe zuletzt einmal im Training mitgespielt“, sagt er schmunzelnd, „nach acht Minuten musste ich abbrechen – das macht heute keinen Sinn mehr, der Ball läuft viel zu schnell, die Jungs sind mir technisch haushoch überlegen.“

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