Kabeltrommeln eingetroffen: Gleichstromprojekt SüdOstLink schreitet voran

Neustadt/WN. Die Stromtrassen SüdOstLink und Ostbayernring durch Bayern sind hochumstritten. Kommunalpolitiker und Bürgerinitiativen auch in der Nordoberpfalz wehren sich gegen den Bau der Leitungen. Doch trotz aller Proteste: Die Leitungen werden wohl kommen.

Am Mittwoch trafen die ersten Kabeltrommeln für das geplante Gleichstromprojekt SüdOstLink im Regensburger Hafen ein. Das teilte der Netzbetreiber Tennet in einer Pressemeldung mit. Die Gleichstromleitung zwischen den Netzverknüpfungspunkten Klein Rogahn, Wolmirstedt und ISAR bei Landshut sei eine der wichtigsten künftigen Strom-Versorgungsleitungen Bayerns. Derzeit befindet sich das Erdkabelprojekt mitten im Genehmigungsverfahren.

Der erste Strang des SüdOstLinks zwischen Wolmirstedt und Isar soll im Jahr 2027 in Betrieb gehen und Bayern mit zwei Gigawatt Strom aus nord- und ostdeutscher Windenergie versorgen. Der in Bayern für das Projekt zuständige Übertragungsnetzbetreiber Tennet schätzt diese Terminplanung als realistisch und dennoch ambitioniert ein. Man unternehme daher alles, um die Zeitabläufe zu optimieren und Prozesse zu beschleunigen.

Bereits im Juni 2020 hat Tennet das Mailänder Unternehmen Prysmian Group mit der Herstellung und Verlegung der Kabel beauftragt. In den kommenden Monaten werden insgesamt knapp 300 Kabeltrommeln im Hafen ankommen und eingelagert. Dort verbleiben sie bis zum voraussichtlichen Baubeginn der Höchstspannungs-Gleichstromleitung im Jahr 2024.

So schwer wie drei Eiffeltürme

Tim Meyerjürgens, COO von Tennet, sagt: „Die Lieferung der ersten Kabeltrommeln ist ein bedeutender Meilenstein bei der Realisierung des SüdOstLinks, der einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten wird.“ Parallel zum laufenden Genehmigungsverfahren bereite man sich bereits jetzt intensiv auf die Bauphase vor, damit nach dem Planfeststellungsbeschluss nahtlos mit der Verlegung der Erdkabel begonnen werden könne.

In Regensburger Hafen sind am Mitttwoch 19 Kabeltrommeln per Schiff angeliefert worden. Die Kupferkabel sollen dann ab 2024 auf einer Strecke von rund 270 Kilometern in Bayern verlegt werden. Eine Trommel trägt circa 1,75 Kilometer Erdkabel und wiegt circa 80 Tonnen. Insgesamt sollen bis zum voraussichtlichen Baubeginn der Höchstspannungsleitung in zwei Jahren rund 300 Kabeltrommeln in Regensburg eingelagert werden. Zusammen bringen die Kabeltrommeln rund 24.000 Tonnen auf die Waage – soviel wie drei Eiffeltürme zusammen.

Trasse nach wie vor umstritten

Ein erster Teil der geplanten Gleichstromleitung verläuft zwischen Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt und Landshut. Gegen den Bau der geplanten Stromtrassen regt sich seit geraumer Zeit Widerstand. In vielen Regionen in Nord- und Ostbayern, darunter in den Landkreisen Neustadt/WN und Wunsiedel, haben sich Bürgerinitiativen gegründet, die gegen die Stromtrasse zu Felde ziehen. So kündigten die betroffenen Landkreise an, gegen die Entscheidung der Bundesnetzagentur klagen zu wollen. Eine solche Trasse sei überhaupt nicht notwendig und wenn, dann an der Autobahn 93 entlang und nicht querfeldein durch die wertvolle Landschaft, wie Neustadts Landrat Andreas Meier seit Jahren fordert.

Erst vor einigen Tagen schrieb der CSU-Politiker Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck einen Brief, in dem er den Minister aufforderte, umgehend die Planungen für den SüdOstLink zu stoppen. Das Ministerium sollte zuerst den Planungs- und Trassenfindungsprozess prüfen und eine echte Bürgerbeteiligung jetzt und nicht erst am Ende des Verfahrens ermöglichen. „Ansonsten möchte ich Ihnen schon heute den Widerstand – auch juristisch – einer ganzen Region ankündigen“, schrieb Meier am Ende seines offenen Briefs.

Bedingt durch die Energiewende werden im Norden Deutschlands immer größere Mengen Windstrom produziert, während im Süden nach und nach alle Kernkraftwerke vom Netz gehen. Der Südostlink soll deshalb Strom in Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) vom Nordosten in den Süden Deutschlands transportieren. Der Südostlink ist circa 540 Kilometer lang und reicht von Wolmirstedt bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt bis zum Standort Isar bei Landshut in Bayern. Dabei durchquert er auch die Landkreise Regensburg, Schwandorf, Neustadt/WN, und Tirschenreuth.

Im Südostlink sollen zwei Gleichstromverbindungen realisiert werden: Eine Verbindung soll Strom von Wolmirstedt nach Isar bringen, eine weitere transportiert Strom von Klein Rogahn bei Schwerin bis nach Isar. Diese Leitung soll im Landkreis Börde auf den SüdOstLink stoßen.

Vorhabenträger für den bayerischen Teil ist der Übertragungsnetzbetreiber Tennet mit Sitz in Bayreuth. Beide Verbindungen sollen mit 525 Kilovolt Spannung jeweils 2.000 Megawatt Strom transportieren. Festlegungen im Bundesbedarfsplangesetz machen die Erdverkabelung für HGÜ-Vorhaben seit 2015 zum Regelfall. Freileitungsabschnitte sind nur noch in eng begrenzten Ausnahmen möglich.

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