Kann es einen „Gott plus“ geben?

Weiden/Regensburg. Das wird mit großer Sicherheit für Aufregung sorgen in der katholischen Kirche: Junge Christen bezeichnen Gott ab sofort gendergerecht als "Gott+".

Muss man sich Gott so vorstellen? Foto: Katholisch.de
Muss man sich Gott so vorstellen? Foto: Katholisch.de
Soll Gott mit einem Plus versehen werden, wie es die Katholische Junge Gemeinde praktiz? Das Foto zeigt einen Gottesdienst zum Sebastianstag in Grafenwöhr. Foto: Archiv Stefan Neidl
Soll Gott mit einem Plus versehen werden, wie es die Katholische Junge Gemeinde praktiz? Das Foto zeigt einen Gottesdienst zum Sebastianstag in Grafenwöhr. Foto: Archiv Stefan Neidl
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Bild: Stefan Neidl

Denkt man an Gott, kommt einem gemeinhin der rauschbärtige ältere Herr in den Sinn – gerne auf einer Wolke sitzend und gütig auf seine Schäfchen herabblickend. Dabei stellt sich die Frage: Ist dieses vor vielen Jahrhunderten entstandene und geprägte Bild noch zeitgemäß? Für einige junge Christen wohl nicht. Zumal Gott, würde er denn obigem Bild entsprechen, kaum noch wohlwollend auf uns und seine Kirche herabblicken würde, sondern eher zornig.

Gott mit Pluszeichen

Die Katholische junge Gemeinde (KjG) hat auf ihrer Bundesversammlung in Düsseldorf beschlossen, Gott in ihren Dokumenten und Veröffentlichungen künftig mit einem Pluszeichen zu versehen. „Gott+“ soll es heißen. Was eher klingt wie ein neues Computerspiel soll der „Vielzahl von Gottesbildern“ Rechnung tragen, begründete die KjG ihre jetzt schon umstrittene Entscheidung.

„Die Vorstellung von Gott+ als altem, weißem Mann mit Bart greift theologisch zu kurz und erschwert vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott+“, heißt es in dem Beschluss. Unklar ist noch, wie „Gott+“ ausgesprochen werden soll – neben „Gott plus“ sei auch eine kurze Sprechpause nach „Gott“ denkbar. Ebenfalls in der Diskussion war die Schreibweise „Gott*“ mit Gendersternchen am Ende – diese Formulierung wird von der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) genutzt.

Bistum mit kurzer Antwort

Wie steht man im traditionell konservativen Bistum Regensburg zur Frage der geschlechtergerechten Sprache in der Kirche? Die Antwort ist ebenso kurz wie erwartbar – und enttäuschend: „Die Publikationen der Bischöflichen Pressestelle werden dergleichen nicht übernehmen.“

Auf die Frage, was das Bistum und Bischof Rudolf Voderholzer von diesem Schritt der Jungen Katholiken halten und wie sie mit dem Gendern im Allgemeinen umgehen, gibt es keine Antwort.

„Gott ist mehr“

Die Bibel ist ein vor allem von Männern verfasstes Buch und die Diskussion darüber, wie mit dem männlich geprägten Gottesbild umgegangen werden soll, ist nicht neu. Die 2006 erschienene „Bibel in gerechter Sprache“ übersetzte den nach jüdischer Tradition unaussprechlichen Eigennamen Gottes JHWH – anders als die Luther-Bibel – nicht durchgängig mit „Herr“, sondern variierte die Bezeichnungen – „Der Ewige“, „Die Ewige“ oder auch „ErSie“ ist dort zu lesen.

Die Übersetzer schossen dabei nach Ansicht vieler Theologen übers Ziel hinaus. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hält die „Bibel in gerechter Sprache“ für den Gottesdienst für ungeeignet. Einer der Grundgedanken hinter der Neuübersetzung aber war ähnlich dem der KjG: Gott ist nicht der alte weiße Mann mit Bart, Gott ist mehr. Wie lässt sich dem Rechnung tragen?

„Nicht übertreiben“

Den Direktor des Seminarhauses Johannisthal, Pfarrer Manfred Strigl, erreicht die Anfrage von OberpfalzECHO kurz vor Beginn eines Osterkurses, also zu einem für den vielbeschäftigten Mann denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Und doch nimmt sich der „Geistliche Begleiter“ Zeit für ein Statement. Er sei definitiv für die Gleichwertigkeit von Frau und Mann und es sei daher zu prüfen, wo und wie Frauen in der Kirche Stellen besetzen können.

In Bezug auf das Gendern hat er eine klare Meinung: „Man sollte das auf keinen Fall übertreiben wie zum Beispiel bei Gott+. Wer seine Bibel kennt, weiß um das mütterliche und väterliche Wesen Gottes – und kennt die entsprechenden Stellen und Aussagen“, erklärt Strigl.

„Weder Mann noch Frau“

Der evangelische Dekan Thomas Guba aus Weiden erklärt auf Anfrage, dass geschlechtergerechte Sprache „natürlich auch in der evangelischen Kirche angewandt wird“. „Dass ‚Gott‘ gegendert wird, ist mir bisher noch nicht begegnet. Da er aber weder Mann noch Frau, sondern eben einfach Gott ist, hat sich diese Frage für mich auch noch nicht gestellt“, betont der Dekan. „Wir gehen in unserer ‚evangelischen Freiheit‘ mit diesem Thema relativ offen um und machen keine Vorschriften.“ Er selbst versuche bei seinen Veröffentlichungen geschlechteroffen – oder wenn möglich – eben geschlechtsspezifisch zu antworten. „Das machen viele andere auch so“, weiß Guba.

Die Zukunft von Gott als männlichem Übervater dürfte damit geklärt sein. Zumindest, wenn es nach der offiziellen Kirchenmeinung geht.

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