Kleine Bäckereien müssen mittlerweile an (zu) vielen Fronten kämpfen

Nordoberpfalz. Explodierende Energiepreise, teuere Rohstoffe und ein Bürokratie-Monster machen den Bäckern in der Nordoberpfalz das Leben verdammt schwer. Dazu kommt auch noch der Fachkräftemangel.

Seit 2019 haben im Bereich der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz 114 Bäckereien dicht gemacht. Foto: Pixabay/Intuitivmedia

Für die Bäcker auch in der Region sind schwere Zeiten angebrochen. Sie haben nicht nur mit den hohen Energie- und Rohstoffpreise zu kämpfen. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie macht ihnen der überbordende bürokratische Aufwand schwer zu schaffen.

Innungsobermeister Wolfgang Schmid aus Kulmain kann selbst ein Lied davon singen. Montag bleibt die Backstube kalt, damit er die Zeit mit der Familie verbringen und seinen Akku wieder aufladen kann. Eigentlich! Funktioniert aber nicht: Der Montag ist für ihn zum Bürotag geworden. Was ihn dabei besonders ärgert: Bei den kleinen Familienbetrieben schlägt Bürokratius genauso heftig zu wie in Brotfabriken mit mehreren hundert Beschäftigten.

Doch im Gegensatz zum kleinen Handwerker können die Großen Leute abstellen, die sich den lieben langen Tag durch den Formulardschungel kämpfen. „Es muss unbedingt eine Sonderlösung für kleine Betrieben mit bis zu zehn Mitarbeitern her“, findet er.

Stammkunden halten die Treue

Und jetzt macht ihnen auch die aktuelle Krise das Leben zusätzlich schwer: Stromanbieter wollen keine Verantwortung mehr für die Einhaltung von Rahmenverträgen übernehmen, der Doppelzentner Weizen schießt von 30 Euro vor dem Ukrainekrieg auf 60 Euro hoch und Butter hat sich um mehr als ein Drittel verteuert. „Es kann sein, dass wir nach dem Ende der Sommerferien tatsächlich noch einmal die Preise anheben müssen.“

Schmid ist heilfroh, dass ihm die Stammeinkäufer, und die machen fast 90 Prozent der Kundschaft aus, nach wie vor die Treue halten und nicht zum Discounter laufen. Auch wenn man sich dort den 1000-Gramm Brotlaib vielleicht für den halben Preis in den Einkaufswagen legen könnte. „Die Leute wissen die Qualität unserer Waren zu schätzen“, freut er sich.

Backofen mit Holz beheizbar

Doch Schmid blickt trotzdem noch mit einem sorgenvollen Gesicht in eine ungewisse Zukunft. Den berühmten Silberstreif am Krisenhorizont kann er nicht ausmachen. „Ich weiß nicht, wie stark die Preise weiter steigen werden.“ Seine Backstube wird mit Öl befeuert. Sollten im schlimmsten Fall tatsächlich alle Energiehähne zugedreht werden, dann kann er trotzdem noch weiter produzieren. Einer der Backöfen kann mit Holz auf Temperatur gebracht werden.

Handwerkskammer macht Verbesserungsvorschläge

Bei der Handwerkskammer (HWK) Niederbayern/Oberpfalz kann man sich Schmids Kritik nur anschließen. „Seit dem Ausbruch der Pandemie hat die Bürokratie zugenommen, etwa bei den Hygienevorschriften“, erläutert HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger. Man nutze jedes Gespräch mit den Politikern, um auf das Problem hinzuweisen und ihnen auch konkrete Verbesserungsvorschläge an die Hand zu geben. „Es ist aber ein langer und mühsamer Kampf. Doch wir werden nicht aufgeben“, betont Kilger.

114 Bäckereien sind seit 2019 schon verschwunden

Viele Bäckereien im Kammerbezirk haben schon aufgegeben. Seit 2019 sind 114 Betriebe aus der Handwerksrolle gestrichen worden. Allerdings sind im gleichen Zeitraum 60 neue hinzugekommen. Die Gründe, warum zugesperrt wird, sind vielfältig. Zum einen, weil kein Nachfolger gefunden werden konnte. Zum anderen macht sich auch der Fachkräftemangel schmerzhaft bemerkbar. Und jetzt kommt noch die Krisensituation dazu. „Die Bäcker leiden unter den enorm gestiegenen Rohstoffpreisen und der aktuellen Energieknappheit“, sagt der Hauptgeschäftsführer.

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