Kolumne Eric Frenzel: „Bettgeschichten“

Flossenbürg. Auch in seiner heutigen Kolumne nimmt uns Eric Frenzel mit hinter die Kulissen des Weltcups der Kombinierer. Im Moment jagt er einen Sieg nach dem nächsten. Er scheint wie beflügelt. Vielleicht liegt das auch daran, dass er und seine Frau Laura ein drittes Kind erwarten. Das verkündete der Ausnahmesportler diese Woche in der ARD-Sportreportage. Bei uns erzählt er heute von seinen „Bettgeschichten“.

Eric Frenzel Kolumne Sommer Grand Prix
Foto: picture alliance / Robert Schlesinger

„Der Wecker klingelt, das Ritual beginnt – nachdem der dritte Ton verstummt ist, zähle ich im Geiste drei Sekunden ab, bevor ich das Geräusch höre, das dem Wecker folgt, wenn ich mir mit Björn Kircheisen, meinem langjährigen Mannschaftskameraden und Freund, das Doppelbett auf der Weltcupreise teile: Bomm!

Was sich je nach Bodenbelag und Deckenbeschaffenheit des Hotelzimmers wie der Faustschlag gegen eine Holzwand oder ein Auffahrunfall im dichten Stadtverkehr anhört, ist nichts anderes als der morgendliche Sprung von Björn aus dem Bett, der immer exakt nach dem dritten Klingeln des Weckers ertönt. Ich habe es ja noch nie gesehen, weil ich in diesem Moment erst erwache, aber es hört sich doch stark nach einem verunglückten Telemark an.

Danach beginnt ein kurzer Dialog, den wir beide wie der Butler in Dinner for One langjährig verinnerlicht haben: „ Guten Morgen, Eric, wer geht zuerst ins Bad?“ – „Guten Morgen, Björn, geh‘ Du ruhig zuerst, Du stehst ja schon!“ Wie jedes Mal, stelle ich den Alarm meines Weckers aus, drehe mich auf die Seite, denke halbschlafend über die Vorteile eines Einzelzimmers nach und vertraue darauf, dass ich spätestens dann wieder wach werde, wenn Björn aus dem Badezimmer tritt und mir mit einem kurzen, klaren und sehr lauten „Frei!“ signalisiert, dass ich nun an der Reihe bin.

Das Aufstehen fällt mir im Ergebnis nicht schwer, als ich realisiere, dass es draußen herrlichsten Sonnenschein und einen blauen Himmel gibt. Ich möchte gar nicht den Eindruck erwecken, dass ich ein notorischer Langschläfer bin, aber ich achte darauf, ausreichend Schlaf und Ruhe zu bekommen – quasi als Gegenpol zu Wettkampf, Training und Reisen. Vor allem nach strapaziösen Anreisen, wie der gestrigen, als wir von Flossenbürg nach Frankreich fast 1.000 Kilometer mit dem Auto zu fahren hatten.

Obwohl unser Co-Trainer Ronny Ackermann am Steuer saß und uns ein wenig Fahrstress damit abgenommen hat, schlaucht einen das bloße Sitzen im Auto – und dies ja über Stunden. Spät in der Nacht waren wir dann in Frankreich angekommen und in einem solchen Fall bin ich dann über jede Minute froh, die ich im Bett länger ausruhen kann.

Hier in Frankreich sind beste Schneebedingungen und das Wettkampfareal gefällt mir seit Jahren sehr gut. Die Loipenführung breitet sich in einer großen Ebene aus und wird vom Veranstalter jährlich anders entwickelt, was abwechslungsreich ist und so besonders neugierig und motiviert auf den Wettkampf macht. Auch die taktischen Planungen fallen auf einer gänzlich neuen Strecke magerer aus, als bei bekannten Führungen.

Ich freue mich sehr auf das Wettkampfwochenende, mit dem ich meine Position in der Gesamtweltcupwertung weiter ausbauen möchte.

Herzlichst Eric“

Eins Energie Eric Frenzel

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