Landestheater muss Spielsaison wegen Corona beenden

Leuchtenberg. Alle Dezember-Aufführungen sind abgesagt worden. Der LTO-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer ist sauer auf die Politik: "Es wird mit zweierlei Maß gemessen."

Das Weihnachtsmärchen Ox und Esel hätte am 22. Dezember in der Regionalbibliothek aufgeführt werden sollen. Doch die Veranstaltung hat das Landestheater Oberpfalz mit Blick auf die strengen Corona-Bestimmungen abgesagt. Foto: Jochen Schwab/LTO

Im Freistaat gehen die Inzidenzahlen weiter durch die Decke. München hat die Corona-Regeln noch strammer angezogen. So können zwar seit 24. November Kulturveranstaltungen unter 2Gplus-Bedingungen stattfinden, allerdings dürfen nur 25 Prozent der vorhandenen Kapazitäten genutzt werden. Beim Landestheater Oberpfalz (LTO) hat man auf diese Einschränkungen reagiert, zähneknirschend. Alle Veranstaltungen für den Dezember sind gestrichen worden. Elf wären geplant gewesen.

Nur 25 Zuschauer wären in der Regionalbibliothek erlaubt

„Es macht keinen Sinn“, bedauert LTO-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer. So hätte unter diesen Bedingungen die Komödie Nipple Jesus am 9. Dezember vor gerade mal 16 Gästen im Kunstverein über die Bühne gehen dürfen. In der Regionalibliothek hätten beim Weihnachtsmärchen Ox und Esel am 22. Dezember nur 25 Zuschauer Platz nehmen können.

„Der Aufwand würde die Einnahmen um ein Vielfaches übersteigen“, erläutert Meidenbauer. Aber nicht nur die Wirtschaftlichkeit spielt eine Rolle. „Bei bestimmten Stücken brauchst du einfach den Dialog und den Kontakt zum Publikum“, betont der Geschäftsführer. Schwierig umzusetzen, wenn kaum einer zuschauen darf.

Am 28. November beendete das LTO die Spielsaison 2021

Zuletzt stand das LTO-Ensemble am 28. November im Stadttheater Anberg auf der Bühne. Vor 150 Zuschauen hatte sich in der Vilsstadt der Premierenvorhang für Nils Holgersson gehoben. Der LTO-Geschäftsführer war auch dabei – quasi als Kontrolleur, der die 2G-Nachweise, die Corona-Tests und die Personalausweise der Besucher, hauptsächlich Familien, mit überprüfte. Und dann darf das Publikum ja nur mit FFF2-Maske in den Stuhlreihen sitzen. „In diesem Umfeld kann Theater eigentlich keinen Spaß machen“, ist Meidenbauer überzeugt. Und er merkt es auch beim Ticketverkauf. „Die Leute reagieren ziemlich zögerlich“, betont er.

Apropos Tickets: Gut 30.000 davon bringt das Landestheater während einer „normalen“ Spielsaison unter die Leute. Im vergangenen Corona-Jahr waren es gerade mal 5.000. Und nicht mal die konnten wegen des Lockdowns eingelöst werden. „Ein Drittel der Karten sind uns dankenswerterweise gespendet worden“, erzählt Meidenbauer. Und er hofft, dass die Leute jetzt auch so spendabel sind und die Tickets für die ausgefallenen Dezember-Ausführungen nicht zurückerstattet haben wollen. Denn das Theater muss zu einem Drittel seine Betriebskosten im wahrsten Sinne des Wortes selber „einspielen“. Die beiden anderen Drittel steuert die öffentliche Hand bei.

Rund 2.000 Tests pro Schauspieler

Was Meidenbauer besonders wurmt ist, welche unterschiedliche Maßstäbe die Politik bei der Coronabekämpfung anlegt. Während die LTO-Schauspieler sich vor ausgedünnten Rängen ins Zeug legen sollen, feuerten am vergangenen Samstag 50.000 Fans im Kölner Fußballstadion die Kicker an. „Seit Beginn der Pandemie gab es bei uns nach einer Veranstaltung keinen einzigen Corona-Fall“, erzählt der LTO-Geschäftsführer.

Beim Landestheater sind die Schnelltests mittlerweile eine Art Dauerrequisite. „Seit März bis heute haben wir unsere Schauspieler fast 2.000 Mal getestet“, betont Meidenbauer. Für ihn wäre es wichtig, dass die Politik endlich Entscheidungen trifft, bevor die nächste Corona-Welle heranrollt und dass bei der Umsetzung der Maßnahmen stärker differenziert wird.

Mitte Dezember wird das weitere Vorgehen beraten

Mitte Dezember will man sich beim Landestheater zusammensetzen und beraten, wie es in kommenden Wintermonaten weitergehen soll. Ende Januar hätte sich in der Erbendorfer Stadthalle der Vorhang für „Die Weiße Rose“ heben sollen. Anfang Februar wollte man mit dem Heinrich Böll-Stück „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ die Regionalbibliothek bespielen und gut zwei Wochen später das szenische Konzert „Karneval der Tiere“ in der Max-Reger-Halle aufführen. „Wir werden unsere Beschäftigten wohl wieder in Kurzarbeit schicken müssen“, erläutert Meidenbauer.

Sein Blick und seine Hoffnungen richten sich auf die bevorstehende Sommerfestspielsaison, die unter anderem auf der Burgruine Leuchtenberg stattfinden soll. Präsentiert werden sollen dabei auch LTO-Produktionen aus den Jahren 2020 und 2021, wie das Weiße Rössl, Schikaneder oder Ronja Räubertochter – Stücke also, die wegen Corona bisher nur wenige Theaterfans zu Gesicht bekommen haben.

So kann man das Landestheater Oberpfalz (LTO) unterstützen:

Wer bereits bezahlte Eintrittskarten spenden und damit das Landestheater Oberpfalz unterstützen möchte, schickt einen Scan oder ein Foto von dem Ticket in einer formlosen Mail mit dem Betreff „Spende“ an info@landestheater-oberpfalz.de.

Wer seinen Namen und seine Adresse angibt, dem kann eine Spendenbescheinigung aus- und zugestellt werden.

Deine Meinung? Hier kommentieren!

* Diese Felder sind erforderlich.