Landrat Grillmeier bedauert das Aus der Basalt AG im Landkreis Tirschenreuth

Steinmühle. Porzellan, Glas, Basalt: Eine weitere Oberpfälzer Produktionstradition geht zu Ende. Der Vorstand der Basalt AG informierte bereits vergangene Woche den Tirschenreuther Landrat Roland Grillmeier vom Aus der Verwaltung in Steinmühle.

Der Steinbruch in Pechbrunn stand bereits 2018 vor dem Aus. Bild: SPD Pechbrunn

Vor 20 Jahren blickte die Region noch hoffnungsvoll in die Zukunft: Frank Schlig, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Basalt AG, hatte Anfang der 2000er Jahre seinen Wohnsitz in Steinmühle und trug zur Verlagerung der Verwaltung und zu Investitionen in die dortigen Gebäude und Anlagen bei. Leider musste ausgerechnet Schlig jetzt Landrat Roland Grillmeier das Aus verkünden.

„Wirtschaftskraft geht verloren“

Das Aus der traditionsreichen Produktion ist für Tirschenreuths Landrat ein schwerer Schlag: „Der Basalt-Abbau hat zur industriellen Entwicklung der Region erheblich beigetragen.“ Ganze Orte wie Steinmühle, Pleußen oder Pechbrunn verdankten diesem Wirtschaftszweig ihren Aufschwung.

Grillmeier hatte frühzeitig gewarnt, dass das vorherige Aus der beiden Steinbrüche auch zur Verlagerung der Büro-Arbeitsplätze führen könnte. Dies ist nun geschehen: „Damit gehen der Region Wirtschaftskraft, Arbeitsplätze, Tradition und auch ein wichtiger Baustoff verloren.“

Erweiterungsantrag lag bereits 2017 vor

In seiner langjährigen Funktion als Bürgermeister und die beiden vergangenen Jahre als Landrat habe er sich immer für den Erhalt dieser wichtigen Abbauflächen eingesetzt: „Zumindest im Hirschentanz hätte uns das gelingen können.“ Leider habe er ähnliches Engagement anderer beteiligter Stellen vermisst. Der Antrag zum weiteren Abbau im Hirschentanz sei bereits vor 2017 im Landratsamt gestellt worden, rekapituliert er die Entwicklung.

Die Verschärfung und weitere Auflagen durch das Bundesnaturschutzgesetz 2017 hätten die vorgesehene Erweiterung fast unmöglich gemacht. „Inwieweit man 2017 in Gesprächen Lösungen hätte finden können, möchte ich heute gar nicht mehr beurteilen“, sagt Grillmeier. „In den Gesprächen, die ich vergangenes Jahr organisiert hatte, kam man zu dem Schluss, dass die Auflagen für einen weiteren Abbau um den Hirschentanz leider als nicht mehr erfüllbar angesehen werden müssen – deswegen kam 2021 auch das Aus für den Hirschentanz.“

Verfahren zu kompliziert

Wie schon in Pechbrunn erfolge nun auch hier der Rückbau der Anlagen, die eigentlich weiter genutzt werden hätten können. „Deutschland muss sich schon die Frage stellen, wie man Umweltauflagen und die notwendige Gewinnung von Rohstoffen miteinander versöhnen kann“, fordert der Landrat. „Dass die derzeitigen Auflagen zu derartigen Entwicklungen führen, zeigt, dass hier gesetzliche Verfahren und Vorgaben zu langwierig und kompliziert sind.“

Einen kleinen Hoffnungsschimmer sieht der Landrat noch. Zumindest mittelfristig sei von der Basalt AG der mögliche Aufbau einer mobilen Brechanlage in Aussicht gestellt worden. „Wir werden diesen Prozess begleiten, und ich hoffe, dass wir damit zumindest ein Stück weit diesen wichtigen Rohstoff in der Region wieder abbauen können.“ Im Regionalplan seien Abbauflächen weiterhin vorgesehen – allerdings nur unter Einhaltung aufwändiger bürokratischer Verfahren. „Leider wurden hier die Hürden in den vergangenen Jahren immer höher“, kritisiert Grillmeier. Jetzt gehe es erst einmal darum, den notwendig gewordenen Rückbau zu begleiten.

Basalt-Actien-Gesellschaft:

  • Die Basalt-Actien-Gesellschaft, abgekürzt Basalt AG, ist ein deutsches Baustoffunternehmen. Ihre Hauptgeschäftsfelder sind der Abbau von Naturstein und die Herstellung von Asphalt sowie deren Verkauf.
     
  • Am 2. Juni 1888 gründeten unter Führung des Kölner Steinbruchbesitzers Wilhelm Zervas drei deutsche Steinbruchbesitzer und acht niederländische Kaufleute in Köln die Basalt-Actien-Gesellschaft.
     
  • Die Basalt AG ist nicht börsennotiert, ihr alleiniger Gesellschafter ist die Wilh. Werhahn KG.
     
  • 2001 betrug der weltweite Umsatz der Basalt AG über 500 Millionen Euro. Der größte Anteil wurde in Deutschland erwirtschaftet. Sie ist in Deutschland der größte Betreiber von Hartgestein-Steinbrüchen. In 112 Steinbrüchen – davon 101 in Deutschland – wurden 2006 mehr als 52 Millionen Tonnen Gesteinskörnungen abgebaut. Mehr als 300 Asphaltmischwerke stellten 17 Millionen Tonnen Asphalt her.
     
  • Die meisten Produktionsstätten befinden sich in Deutschland. Sie sind in sechs regionale Produktionsgesellschaften mit jeweils mehreren Standorten gegliedert. Der innerdeutsche Vertrieb wird durch sieben regionale Vertriebsgesellschaften übernommen.
     
  • Die Basalt AG ist außerdem in zahlreichen Ländern Europas mit Produktions- und Vertriebsstätten vertreten.
     
  • Heute zählt die Basalt AG mit rund 150 Beteiligungsgesellschaften in den Bereichen Natursteinprodukte und Asphaltmischgut zu den führenden Baustoffproduzenten in Deutschland.

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