Malteser erfüllen todkranken Menschen ihren letzten Herzenswunsch

Weiden. Noch mal an den Gardasee, oder, wie es sich Leonie gewünscht hatte, einen Freizeitpark besuchen. Der Herzenswunsch-Krankenwagen der Malteser macht es möglich. Seit 2018 ist er unterwegs. Rund 40 Fahrten wurden schon unternommen.

Manuel hatte sich noch einmal eine Fahrt an den Gardasee gewünscht. Die Malteser mit ihrem Herzenswunsch-Krankenwagen-Koordinator Ulrich Weniger (rechts) machten es möglich. Foto: Malteser

Noch einmal in einen Freizeitpark. Das hatte sich die schwerkranke Leonie (18) aus dem Landkreis Tirschenreuth sehnlichst gewünscht. Der Herzenswunsch-Krankenwagen (HWK) der Malteser machte es möglich. Er brachte die junge Frau nach Plohn. Es waren für sie noch einmal unvergessliche und unbeschwerte Augenblicke. Kurze Zeit später war Leonie gestorben.

Seit 2018 bieten die Malteser diesen ganz besonderen, kostenlosen Service an. Seitdem wurden bereits an die 40 Fahrten unternommen. Ulrich Weniger koordiniert von Deggendorf aus diese ausschließlich durch Spenden finanzierten Sonderfahrten im Bereich der Diözese Regensburg.

Gast muss unheilbar krank sein

Wer zusteigen will, muss eine wichtige und gleichzeitig traurige Voraussetzung mitbringen. „Unser Gast muss an einer unheilbaren lebensverkürzenden Krankheit leiden“, erläutert Weniger. Das kann zum Beispiel Krebs sein, oder auch die Nervenlähmung ALS, die zwangsläufig zum Tod führt.

„Wir bekommen die entsprechenden Anträge von den behandelnden Ärzten, Palliativstationen oder Hospizen.“ Es können aber auch Freunde oder Verwandte des Patienten sich an Weniger wenden. Nach der Prüfung der eingereichten Unterlagen durch eine kleine Expertenrunde kann innerhalb von 48 Stunden grünes Licht gegeben werden.

Vor zwei Jahren wurde der moderne Spezial-Krankenwagen angeschafft. Mit ihm werden weitere Herzenswunsch-Fahrten unternommen. Foto: Malteser

Jedes Ziel kann angesteuert werden

„Im Prinzip können wir jedes Ziel ansteuern“, erläutert Weniger. So hatte man sich mit den Gästen – so heißen sie ganz offiziell – schon auf den Weg an den Gardasee, nach Venedig oder Caorle gemacht. Einmal düste der Herzenswunsch-Krankenwagen sogar bis kurz vor Neapel. Ein bekannter Gastronom aus Straubing wollte, so sein Anliegen, dort noch einmal seine Mutter besuchen. „In Wahrheit wollte der Mann in seiner italienischen Heimat nur sterben“. Ohne Fahrgast kehrten die Malteser nach Bayern zurück.

Die Besatzung besteht aus dem Fahrer und einem Rettungssanitäter. Die nehmen sogar Urlaub, um dabei sein zu können. Das Team muss sich vorher aber noch einer eintägigen Schulung unterziehen. „Wir begleiten ja sterbende und mit dieser Situation richtig umzugehen, das muss man lernen“, erläutert Weniger.

Von Trauer keine Spur

Doch von Ängsten, Trauer oder Depressionen ist bei diesen Herzenswunsch-Fahrten nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil. „Unsere Gäste freuen sich, sind euphorisch, lachen“, weiß Weniger der selbst schon mittlerweile zehnmal dabei war. Auch bei der Rückfahrt, keine Spur von Traurigkeit. „Ich habe sogar den Eindruck, dass diese Ausflüge den Menschen sogar noch einen lebensverlängernden Schub geben“, meint der Herzenswunsch-Koordinator. Und auch die Helfer sind nach einem dieser „Einsätze“ zufrieden und gleichzeitig demütig. „Weil sie hautnah erleben, wie schnell es jedem von uns erwischen kann“, weiß Weinger.

Spezial-Krankenwagen in Dienst gestellt

Für größere Herzenswunsch-Touren wurde 2020 ein spezieller Krankenwagen angeschafft. Panorama-Fenster erlauben dem Gast, die vorbeiziehende Landschaft zu genießen. Er ist bequemer ausgestattet. Medikamente und medizinische Gerätschaften rücken dank Blenden und Abdeckungen dezent in den Hintergrund. Das 150.000 Euro teure Gefährt ist im niederbayerischen Niederaichbach stationiert und kann von dort diözesanweit angefordert werden. Um das Spezialfahrzeug besser auszulasten, wird es im regulären Rettungsdienst eingesetzt.

Die Fahrt und die Begleitung durch das Malteser-Team sind für den Gast umsonst. Die persönlichen Kosten, etwa für eine Hotelübernachtung, Essen oder Eintrittsgelder muss er natürlich selber tragen. Zudem muss er eine Betreuungsperson, die zwingend mitgenommen werden muss, aus eigener Tasche bezahlen.

Gibt es bald einen zweiten Standort in Weiden?

In ein paar Jahren übrigens könnte vielleicht nicht nur in Niederaichbach, sondern auch in der nördlichen Oberpfalz, womöglich in Weiden, ein zweiter Spezialkrankenwagen stehen. Die Malteser in der Region sammeln schon fleißig. Knapp 10.000 Euro hat man bereits zusammengetragen. In fünf Jahren hofft der Weidener Einsatzdienstleiter der Malteser und HWK-Standortkoordinator Florian Faltenbacher genug Geld beieinander zu haben.

„Wir werden verschiedene Veranstaltungen auf die Beine stellen, die uns hoffentlich entsprechende Einnahmen bescheren werden“, sagt Faltenbacher. Zwei Herzenswunsch-Fahrten hat man bereits in der Nordoberpfalz unternommen, darunter auch der Ausflug mit Leonie. Und im September ist die nächste Tour geplant. Ein todkranker Mann aus dem Landkreis Neustadt/WN will sich noch ein Heimspiel des FC Bayern ansehen.

Der Kontakt zum Herzenswunsch-Krankenwagen:

Wer jemanden kennt, der einen letzten Herzenswunsch erfüllt bekommen möchte, weil ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, kann mit Ulrich Weniger, dem Koordinator des Herzenswunsch-Krankenwagens, per Telefon (0991/29690155 oder 0151/ 11180375) Kontakt aufnehmen.

Wer den Herzenswunsch-Krankenwagen finanziell unterstützen will, kann spenden: Pax-Bank eG,  IBAN: DE79 3706 0120 1201 2186 55, BIC: GENODED1PA7, Stichwort: „Herzenswunsch“

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