Mit Lebensfreude und Humor zur Hundert

Pressath. Den hundertsten Geburtstag zu erleben, ist in Deutschland alljährlich nur einem von etwa 7.000 Menschen beschieden. Zu diesem erlesenen Kreis zählt seit dem Nikolaustag Paula Küspert. Im Seniorenheim Sankt Josef feierte die gebürtige Pressatherin mit Verwandten, Freunden, Pflegern und Honoratioren ihren Eintritt in den kleinen Klub der „Dreistelligen“.

Im Kreis von Angehörigen, Freunden, Honoratioren und Pflegepersonal feierte Paula Küspert (sitzend) ihren 100. Geburtstag und trug sich ins goldene Buch der Stadt ein, das Bürgermeister Bernhard Stangl (Zweiter von links neben Vizelandrat Albert Nickl) mitgebracht hatte. Rechts Stadtpfarrer Edmund Prechtl. Foto: Bernhard Piegsa
Im Kreis von Angehörigen, Freunden, Honoratioren und Pflegepersonal feierte Paula Küspert (sitzend) ihren 100. Geburtstag und trug sich ins goldene Buch der Stadt ein, das Bürgermeister Bernhard Stangl (Zweiter von links neben Vizelandrat Albert Nickl) mitgebracht hatte. Rechts Stadtpfarrer Edmund Prechtl. Foto: Bernhard Piegsa
Mit Gitarrenstücken unterhielten die Musikschülerinnen Emilie Anzer und Sarah Fischer die Festgäste. Foto: Bernhard Piegsa
Mit Gitarrenstücken unterhielten die Musikschülerinnen Emilie Anzer und Sarah Fischer die Festgäste. Foto: Bernhard Piegsa
Auch die Nachtschwester des Seniorenheims Sankt Josef Barbara Gareis und ihr Sohn Michael brachten Paula Küspert (mit Sohn Josef) ein Ständchen dar. Foto: Bernhard Piegsa
Auch die Nachtschwester des Seniorenheims Sankt Josef Barbara Gareis und ihr Sohn Michael brachten Paula Küspert (mit Sohn Josef) ein Ständchen dar. Foto: Bernhard Piegsa
Foto: Bernhard Piegsa
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Foto: Bernhard Piegsa

Auch für Bürgermeister Bernhard Stangl war dieses Fest ein außergewöhnliches Ereignis: „Das ist der erste hundertste Geburtstag in Pressath, zu dem ich gratulieren darf.“ Mithin sei unter den Stadtbürgern derzeit niemand älter als Paula Küspert: „Aber bei uns leben zwei 99-Jährige, denen ich von Herzen wünsche, dass wir auch ihren runden Geburtstag bald feiern dürfen.“ In seinem Grußwort zeichnete Stangl das Leben der Jubilarin nach, das im Umbruchs- und Chaosjahr 1923 begonnen habe: „Das Ruhrgebiet war französisch und belgisch besetzt, ein Kilo Brot kostete unmittelbar vor der Währungsreform im November 233 Milliarden Mark, Hitler putschte in München.“

Eine lebende Quelle aus alter Zeit

In diese von Ungewissheit und Wirren geprägte Zeit sei Paula Spitaler als Tochter des Bahnwärters Ludwig Spitaler und seiner Ehefrau Therese, geborene Kellner, hineingeboren worden: „Beide Eltern sind früh verstorben – beim Tod der Mutter war Paula elf, der Vater starb fünf Jahre später.“ Ihren Geschwistern sei dafür ein langes Leben vergönnt gewesen: „Theresia starb 2019, Ludwig 2021, Erich und Irmgard leben noch.“ Im zweiten Weltkrieg sei Paula zum Reichsarbeitsdienst eingezogen worden und habe als „Luftnachrichtenanwärterin“ in Deutschland und Frankreich gedient. 1956 habe ihr gemeinsamer 59-jähriger Lebensweg mit dem Bauarbeiter Ludwig Küspert begonnen.

„Weimarer Republik, Drittes Reich, zweiter Weltkrieg, Mauerbau und Wiedervereinigung, Sputnik und erste Mondlandung und so vieles mehr: es ist kaum vorstellbar, was man in einem hundertjährigen Leben erlebt hat und was wir großenteils nur aus Geschichtsbüchern kennen“, erinnerte Stangl. Für Paula habe diese Zeit „Leiden und Entbehrungen, aber auch Glück und Freude“ gebracht, und noch heute sei sie ein Vorbild an „Lebensfreude, Humor und Optimismus“: „Tugenden und Werte“, ohne die man wohl „kaum so alt werden kann“.

Zurückhalten für die Familie

Im Namen der Familie, insbesondere seiner Brüder Martin und Reinhard und der Enkelkinder Ines, Hannes und Roman, dankte der älteste Sohn Josef der Jubilarin dafür, dass sie „immer eine gute, liebevolle Mutter und Großmutter gewesen“ sei, die sich „zum Wohle der Familie abgerackert, die Familie zusammengehalten und sich dabei selbst bescheiden im Hintergrund gehalten“ habe. Die Glückwünsche des Landkreises überbrachte Vizelandrat Albert Nickl, der betonte, dass die Gesellschaft verantwortungsvollen Eltern wie Paula Küspert funktionierende Familien als „Grundlage des Gemeinschaftslebens“ verdanke: „Was hier geleistet wird, ist nicht hoch genug wertzuschätzen.“

Für die Pfarrgemeinde gratulierte Stadtpfarrer Edmund Prechtl, die musikalische Begleitung übernahmen die zehnjährigen Musikschülerinnen Emilie Anzer und Sarah Fischer mit Gitarrenstücken sowie die Nachtschwester des Seniorenheims Barbara Gareis und ihr Sohn Michael an Klarinette und Trompete. Auch Vizebürgermeister Max Schwärzer und weitere Mitglieder des Stadtrats gratulierten dem Geburtstagskind, das sich obendrein ins goldene Buch der Stadt eintragen durfte. Als Überraschung brachte Enkelin Ines eine Urkunde über Paula Küsperts Namenseintrag in einem Speichermedium mit, das mit einer NASA-Raumsonde auf die sechsjährige Reise zum Jupitermond Europa gehen wird.

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