Müssen Sportvereine bald mit höheren Steuern rechnen?

Weiden. Droht den Sportvereinen Ungemach in Form einer Umsatzsteuerpflicht? Der Weidener CSU-Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht will dafür kämpfen, diese Regelung zu verhindern.

MdB Albert Rupprecht (3. von rechts) hörte sich die Sorgen und Nöte der Vereinsvertreter Günther Prößl und Stephan Gollwitzer (von links) vom VfB Weiden sowie Wolfgang Schalamon und Alexandra Schröpf (von rechts) von den Blue Devils an. Mit auf dem Foto die CSU-Bundeswahlkreisgeschäftsführerin Carmen Pepiuk. Foto: Udo Fürst

Sportvereine sind vor dem Fiskus privilegiert: Sie müssen in aller Regel keine Umsatzsteuern zahlen. Doch davon ist der Bundesfinanzhof (BFH) in einem Grundsatzurteil nun abgerückt.

Entgegen der bisher von den Finanzämtern geübten Praxis sind Angebote von Sportvereinen an ihre Mitglieder gegen allgemeine Mitgliedsbeiträge „steuerbar“, wie der BFH am 21. April 2022 mitteilte. Demnach kommt es „durch die nunmehr versagte Steuerbefreiung zu einer Umsatzsteuerpflicht“. Sportvereine müssen also laut BFH nunmehr damit rechnen, „dass die Rechtsprechung ihre Leistungen an Mitglieder ohne Berufungsmöglichkeit als umsatzsteuerpflichtig ansieht“. Gesetzgeberisch lösen könnte der Bund dies nach Einschätzung des BFH durch eine Änderung des Umsatzsteuergesetzes.

Nur zwei Vereine

Genau darauf hofft MdB Albert Rupprecht, der am Mittwoch vor einem illustren Kreis Weidener Vereine ins VfB-Sportheim über das Problem sprach und mitteilte, dass er sich „mit Nachdruck“ dafür einsetzen werde, dass die Regierung die Gesetzesänderung verhindere. Der Einladung des VfB-Vorsitzenden Stephan Gollwitzer waren nur sein Schatzmeister Günther Prößl sowie Alexandra Schröpf (Marketingleiterin der Betriebs-GmbH) und Wolfgang Schalamon (Spieltagsorganisation) von den Blue Devils gefolgt. Kurzfristig entschuldigt hatten sich laut Gollwitzer der Schwimmverein, der Handballclub und die SpVgg SV.

Dramatische Auswirkungen

„Kommt dieses Gesetz, hat dies dramatische Auswirkungen für die Sportvereine“, warnte Rupprecht. Die seien durch Corona und Mitgliederschwund ohnehin schon gebeutelt genug und dürften nicht weiter belastet werden. Das Ansinnen des Finanzhofs sei sehr ernst zu nehmen, zumal es auch ein gutes Stück Rechtsunsicherheit für die Vereine mit sich bringe. „Ich bin aber zuversichtlich, dass sich das noch heilen lässt.“ Deshalb habe er schon vor Wochen eine Anfrage an die Bundesregierung geschickt, die aber leider noch nicht beantwortet worden sei. „Wenn sie darüber nachdenken, müssten sie zu der Erkenntnis gelangen, dass man das den Sportvereinen nicht auch noch aufbürden kann.“

Ähnliche Angebote

Ob und inwieweit die Steuerprivilegien von Sportvereinen noch angemessen sind, wird seit Jahren diskutiert. Ein maßgeblicher Grund ist die Grauzone zwischen traditionellem Vereinsleben und Kommerz. So beschweren sich etwa Betreiber von Fitnessstudios und Kletterhallen, dass sie Umsatzsteuern einnehmen und an das Finanzamt abgeben müssen, ähnliche Vereinsangebote und -kurse jedoch steuerbefreit sind. Im konkreten Fall vor dem Fünften Senat des BFH ging es um einen Golfclub, doch habe das Urteil laut Bundesfinanzhof Bedeutung darüber hinaus. 

Der Golfclub hatte neben den Mitgliedsgebühren noch zusätzliche Gebühren von seinen Mitgliedern kassiert, unter anderem für die Benutzung des Platzes, das Ausleihen von Golfbällen für das Training mit Ballautomat oder die Teilnahme an Turnieren und Veranstaltungen. Ähnlich wie der Golfclub verlangen in Deutschland auch viele andere Sportvereine Eintritt für die Benutzung ihrer Anlagen, Gebühren für Kurse etc.

Weniger Mitglieder und Ehrenamtliche

Ob das Urteil auch Auswirkungen auf die Gemeinnützigkeit von Vereinen haben könnte, wollte Alexandra Schröpf wissen. Rupprecht verneinte das, appellierte aber an die Clubvertreter, auch bei ihren jeweiligen Verbänden zu intervenieren. Auf die Frage des Abgeordneten, wo den Vereinen der Schuh sonst noch drückt, standen zwei Aspekte im Vordergrund: die bessere finanzielle Ausstattung und der Rückgang der ehrenamtlichen Mitarbeiter. So erklärte Gollwitzer, dass die Corona-Soforthilfen zwar enorm geholfen hätten, man aber einen Rückgang von Mitgliedern und Helfern verzeichnen habe müssen. „Hier wäre eine weitere Unterstützung sehr hilfreich.“

Einfallsreiche Trainer

Auch Alexandra Schröpf von den Blue Devils berichtete von einem gewissen Einbruch vor allem bei den Kindern in bestimmten Altersklassen, sah dies aber auch als ein allgemeines gesellschaftliches Problem. „Viele Kids sitzen halt lieber am PC, was durch Corona noch verstärkt wurde, haben Schulstress oder andere Interessen.“ In naher Zukunft könnten aber auch die enorme Inflation und flächendeckenden Preissteigerungen eine Rolle spielen. „Die Leute haben einfach nicht mehr so viel Geld.“ Stephan Gollwitzer erzählte von den Aktivitäten vieler Trainer während der Pandemie wie Videotraining als Überbrückungsmaßnahme. „Wären unsere Leute nicht so engagiert und einfallsreich gewesen, hätten wir wohl noch mehr Mitglieder verloren.“

„Besser informieren“

VfB-Vorsitzender Stephan Gollwitzer und Alexandra Schröpf hofften unisono auf weitere Unterstützung der Sportvereine zum Beispiel durch Förderprogramme bei Investitionen oder forderten die steuerliche Entlastung von ehrenamtlichen Mitarbeitern im Sportbereich (Wolfgang Schalomon). Dem Zeitgeist geschuldet sei wohl auch eine Aussage von potenziellen Mitgliedern, deren erste Frage oft laute: „Was bekomme ich dafür?“ Günther Prößl betonte, dass es sehr hilfreich wäre, wenn Vereine besser über die diversen Zuschussmöglichkeiten von Land und Bund informiert würden.

Zwei von 70 Vereinen

Die Resonanz auf das Angebot war bei 70 Sportvereinen in Weiden recht enttäuschend. Allerdings habe man nur eine Handvoll Vereine eingeladen und auch die Ferienzeit habe wohl eine Rolle gespielt, suchte der Abgeordnete einen Erklärungsansatz. Er stehe allen Vereinen aber gerne weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Neben der Problemansprache hatte Albert Rupprecht aber auch eine erfreuliche Nachricht im Gepäck: Laut einer Untersuchung sei der gesellschaftliche Zusammenhalt in der Nordoberpfalz bundesweit Spitze. „Dafür sind auch unsere Sportvereine verantwortlich.“

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