Mutter gesteht: Sohn (2) mit Stock verprügelt

Weiden. Im Sommer 2021 war ein Bub (2) mit Striemen von Stockschlägen in die Kinderklinik gebracht worden. Unter Verdacht stand der Stiefvater (32). Es stellt sich heraus: Er war es gar nicht.

Kinderklinik
An einem Abend im Sommer 2021 war der Bub in die Kinderklinik gebracht worden. Foto: OberpfalzECHO/David Trott

Ein Gerichtsprozess am Dienstag vor dem Amtsgericht Weiden nimmt eine überraschende Wende. Ein Soldat (32) aus dem Landkreis Neustadt/WN ist wegen Misshandlung eines Schutzbefohlenen angeklagt. Aber er war es gar nicht. Es war die Mutter des Kleinen. Sie legt ein überraschendes Geständnis ab.

Die 22-Jährige ist eigentlich nur als Zeugin geladen. Gegenüber Amtsrichterin Carina Särve packt sie plötzlich aus: „Ich war’s.“ Der Zweijährige habe „nicht gespurt“. Da habe sie einen Ast genommen und mehrmals zugeschlagen. Und wie. Dr. Peter Betz von der Rechtsmedizin Erlangen hat den Buben untersucht. Er dokumentierte ein Dutzend Striemen: Mindestens sieben Schläge auf den Oberschenkel, fünf auf den Arm. Dazu gibt es bis heute ungeklärte Verletzungen an Stirn und Hals.

Stockschläge mit großer Kraft

Es müsse mit erheblicher Kraft zugeschlagen worden sein. Das erkennt der Rechtsmediziner an den zweistreifigen Hämatomen. Wenn die Energie groß genug ist, platzen am Rand der Auftrefffläche die Blutgefäße. Daher die doppelten Striemen. „Da war richtig Power dahinter. Das tut richtig weh. Punkt.“ Betz bezweifelt, dass ein Ast benutzt wurde. Er hätte auf einen Stock getippt. „Gibt es solche Äste? Noch dazu in einem Haus?“

Der Vorfall flog auf, als das Kind vom leiblichen Vater zu einem außerplanmäßigen Umgang abgeholt wurde. Dieser fuhr noch am Abend in die Kinderklinik Weiden. Da waren die Verletzungen ein bis drei Tage alt. Die Ärzte waren alarmiert. Die Polizei bestellte die Eltern ins Krankenhaus.

In den Vernehmungen geriet der Stiefvater unter Verdacht. Er war daran selbst nicht ganz unschuldig: So lieferte er eine hanebüchene Erklärung für die Striemen ab. Der Zweijährige habe sich womöglich mit der Säge seiner Kinder-Werkbank selbst verletzt. Anderthalb Jahre beteuerte der Soldat seine Unschuld. Bei der Bundeswehr begann ein dienstrechtliches Verfahren. Die Mutter sah zu – und schwieg.

Beichte an Neujahr

Bei einem Spaziergang an Neujahr 2023 habe sie ihm ihre Schuld gebeichtet, berichtet der Angeklagte. Er machte sofort Schluss: „Ich bin erschrocken, wie sie das monatelang durchhalten konnte. Das war’s mit uns. Ende.“ Das Paar hat ein gemeinsames Baby, das jetzt bei ihm aufwächst. Der große Sohn ist beim leiblichen Vater geblieben.

Die zweifache Mutter erklärt den Gewaltausbruch mit Überforderung. Zwei kleine Kinder und selbst erst Anfang 20: „Ich habe mit mir selbst zu kämpfen.“ Der Erstgeborene habe nicht auf sie gehört, „wie jedes Mal, wenn er vom Vater kam“. „Er hat nicht gespurt, weil sein Erzeuger auch nie auf mich gehört hat. Weil er meinte, er weiß alles besser. Aus Reflex habe ich dann den Ast genommen.“

Jetzt Ermittlungen gegen Mutter

Richterin Carina Särve kündigt der 22-Jährigen Konsequenzen an. Den Stiefvater spricht sie frei. Verteidiger Rouven Colbatz kritisiert, dass entlastende Umstände von den Ermittlern nie ernsthaft verfolgt wurden. So habe der Zweijährige auf entsprechende Nachfrage selbst gesagt: „Mama Aua gemacht.“

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