Nach wie vor Lieferengpässe auf dem Fahrradsektor

Neustadt/WN. Lange Lieferzeiten, Lieferengpässe und regelmäßige Preissteigerungen auf dem Fahrradsektor vermiesen schon seit geraumer Zeit das Freizeitvergnügen von Millionen von Pedalrittern. Vielen stellt sich die Frage: Woran liegt es?

Im März letzten Jahres eröffnete Ludwig Fritsch jun. ein topmodernes Fahrradgeschäft in der Karl-SingerStraße 1 in Altenstadt. Er setzt damit die 95-jährige Tradition von Fahrrad Fritsch in Neustadt fort. Fotos (3): Hans Prem

Ludwig Fritsch jun. setzte im letzten Jahr die 95-jährige Tradition der Firma Fahrrad Fritsch in Neustadt fort. Er eröffnete im März letzten Jahres im Altenstädter Industriegebiet in der Karl-Singer-Straße 1 einen top modernen Fahrradladen. Dazu wurde ein Teil der ehemaligen Halle der Firma Metallbau Fritsch, die seinem Vater gehörte, umgebaut. Das Stammhaus am Neustädter Stadtplatz genügte nicht mehr dem stark gestiegenen Angebot an Fahrrädern und den Ansprüchen der Kunden.

Das neue Geschäft bietet wesentlich mehr Platz um die Trekkingräder, Rennräder, Gravel-Bikes, Mountainbikes und natürlich E-Bikes der Marken Ghost, Winora, Haibike, Santa Cruz oder Specialized in Szene zu setzen. Kürzlich hinzugekommen ist die Marke Mondracker aus Spanien, in Insiderkreisen längst eine bekannte Größe.

Mit mehr Marken gegen Lieferengpässe

„Wir müssen uns einfach breiter aufstellen, um Lieferengpässen bei neuen Fahrrädern entgegen zu wirken“, begründet Inhaber Ludwig Fritsch. Die Nachfrage und dadurch bedingt der Fahrradmarkt wüchsen ständig. Die Nachfrage steige aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in Ländern wie Tschechien, Polen oder Slowenien, in denen es auch immer mehr Bike-Parks gebe und sich immer mehr Menschen Bikes leisten würden.

In dem neuen, hellen Geschäft hat der Fahrradhändler genügend Platz um seine Modelle, die vom Kinderfahrrad zum E-Mountainbike reichen, perfekt in Szene zu setzen.

„Die Hersteller sind nicht in der Lage, die große Nachfrage, die nicht nur auf die Corona-Pandemie zurückzuführen ist, zeitgemäß zu bedienen“, analysiert er. Die hätten selbst Probleme mit der Zulieferung bestimmter Komponenten zur Fahrradherstellung. Die vielfach in
Asien hergestellten Teile würden per Schiff transportiert. Nach seinen Informationen stünden derzeit etliche Containerschiffe in Rotterdam im Stau und würden auf die Entladung warten.

Hinzu käme, dass die Kosten für den Containertransport ums Dreifache gestiegen sei. „Die Hersteller geben dies weiter und so müssen wir auch heuer mit einer Preissteigerung von rund 5 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr rechnen“, bedauert Fritsch.

Lieferzeiten von bis zu einem Jahr

Die großen Gewinner seien die Fahrradhersteller, nicht der Handel. „Wenn du als Fahrradhändler die gewünschten Produkte nicht herbekommst, ist das nicht geschäftsfördernd“, stellt der Fahrradhändler ernüchternd fest. Wenn der Kunde sich nicht für ein auf Lager vorhandenes Fahrrad entscheidet, betragen die Lieferzeiten je nach Marke derzeit unterschiedlich zwischen sechs und zwölf Monate. Nichtsdestotrotz steigt die Nachfrage ständig.

Nicht nur die Corona-Pandemie lasse das Interesse an den Zweirädern steigen, sondern auch die derzeit hohen Benzinkosten und in den Großstädten die Verkehrs- und Parkplatzprobleme. „Da steigt so mancher lieber auf den Drahtesel, bevor er stundenlang nach einem Parkplatz sucht“. Dort sei die Nachfrage nach Lastenfahrrädern auch sehr hoch.

Ludwig Fritsch wird in seinem Geschäft mit angeschlossener Fahrradwerkstatt von fünf Mitarbeitern, zu denen Jennifer Joneitis und Christoph Gollwitzer (von rechts) gehören.

Voll im Trend liegen immer noch Gravel-Bikes. „Sie sehen optisch aus wie Rennräder, haben aber breitere Reifen und eine bequemere Sitzposition und erfüllen auch die Funktionen eines Cross-Fahrrads und kleinen Mountainbikes“. Neuheiten würden heute nicht mehr wie früher auf einer Messe präsentiert, sondern würden das ganze Jahr über angeboten.

So werden bei Bikes immer wieder die Antriebe, Bremsen und Schaltungen oder Rahmen modifiziert. „Der Trend geht hier zu E-Bikes-Light, die kleinere Motoren und Akkus haben und vom Gewicht her rund zehn Kilogramm leichter sind als ein herkömmliches E-Bike, das schon 25 Kilogramm auf die Waage bringt“. Bei den Trekkingrädern würde Wert auf Allrounder gelegt, mit breiteren Reifen, mit denen man auch problemlos über Schotterpisten und Waldwege fahren kann.

Wie wäre Fahrradkleidung nachhaltiger?

Auch Fahrradkleidung stelle für den Händler häufig ein Problem dar. „Du bekommst jedes Jahr neue Kollektionen und musst dann um jeden Preis die alte verkaufen“. Er würde begrüßen, wenn die Fahrradkleidung einfarbiger wäre und nicht so auf Hype bezogen. „Wenn ich ein Trikot ein paar Jahre trage, weil es nicht aus der Mode kommt, kann man es auch als nachhaltiger bezeichnen“, so die Meinung des Inhabers. Fritsch setzt diesbezüglich auf die Marke Endura.

Er wird in seinem Geschäft und der angeschlossenen Reparaturwerkstatt von fünf Mitarbeitern, darunter zwei Azubis, unterstützt. Seine Devise lautet: „Time is too short to ride Shitbikes“, oder anders ausgedrückt: „Die Zeit ist zu kurz, um billige oder mäßige Räder zu fahren“. Er legt Wert auf Qualität.

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