Neubau der Realschule Kemnath schreitet voran, wird aber immer teurer

Kemnath/Tirschenreuth. Der Neubau der Realschule Kemnath ist eines der teuersten Projekte in der Geschichte des Landkreis Tirschenreuth. Und die Kosten steigen und steigen.

Es geht voran beim Neubau der Realschule Kemnath. Voran geht es aber auch bei den Kosten. Foto: Udo Fürst
Es geht voran beim Neubau der Realschule Kemnath. Voran geht es aber auch bei den Kosten. Foto: Udo Fürst
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Udo Fürst
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Die gute Nachricht zuerst: Der Neubau der Realschule Kemnath liegt im Zeitplan, die Einweihung des Millionenprojekts am 29. November 2024 sei laut Planern nicht in Gefahr. Die weniger gute Nachricht: Die Kosten des Projekts verdoppeln sich von anfangs veranschlagten 35,2 Millionen Euro auf mindestens 73,8 Millionen Euro. Das „Vorzeigeprojekt des Landkreises Tirschenreuth“ (Landrat Roland Grillmeier) ist also kein Schnäppchen. Immerhin erhofft man sich eine Förderung zwischen 70 und 80 Prozent.

803 Schüler und Schülerinnen

803 Schüler in 33 Klassen aus einem Einzugsgebiet der Landkreise Tirschenreuth, Neustadt/WN und Bayreuth besuchen die Realschule Kemnath derzeit. Damit ist sie eine der größten Schulen ihrer Art in Nordostbayern. Entstehen soll dort, wo jetzt noch Kräne, Baumaschinen und Handwerker das Bild prägen, eine „bewegte Schule“. Soll heißen: Jeder Lehrer hat seinen eigenen Unterrichtsraum und die Schüler wechseln nach den Stunden zu den Lehrern oder in die entsprechenden Fachräume. Im neuen Schulgebäude wird es viele Bewegungs- und Aufenthaltsflächen im Gegensatz zu konventionellen Konzepten geben. Unter anderem ein begrüntes und begehbares Dach mit einer großen Fotovoltaikanlage auf der Rückseite. Geheizt werden soll die Schule mittels Fernwärme.

Posse um Waschbecken

Für einiges Schmunzeln sorgte im März vergangenen Jahres der Streit um die Frage „Waschbecken in den Klassenzimmern: ja oder nein?“ CSU und Liste Zukunft lehnten im Kreisausschuss die vorgesehene und vom Gesundheitsamt empfohlene Anschaffung ab und schlugen stattdessen Waschmöglichkeiten in Toilettenräumen als moderne „Hygienecenter“ vor.

SPD, Freie Wähler und Grüne machten sich für die Waschbecken in den Klassenzimmern stark. Die Diskussion über diese Frage riss wochenlang nicht ab und sorgte vor allem in den sozialen Medien für viel Wirbel – von Wut über Verständnis bis hin zu Spott und Hohn.

Durch den Verzicht auf Waschbecken in den Klassenzimmern spart man 53.000 Euro.

Keine Abstriche bei der Qualität

Derzeit arbeiten circa 80 Menschen auf der Baustelle: Betonbauer, Eisenflechter, Zimmerleute, Dachdecker, Straßenbauer, Pflasterer. Die gestiegenen Baupreise und verzögerten Lieferzeiten haben auch vor der Realschulbaustelle nicht Halt gemacht. „Neben einer zehnprozentigen Inflation sind die Baupreise um 20 Prozent gestiegen“, erklärt Kreisbaumeister Klaus Weig. Es gehe nun darum, Geld zu sparen, ohne bei der Qualität des Baus Abstriche zu machen. „Die Realschule soll ein nachhaltiges und qualitätsvolles Bauprojekt bleiben“, sagte Weig kürzlich bei einer Baustellenbesichtigung der Kreisräte.

„Wir konnten bereits drei Millionen Euro im Bereich Architektur einsparen“, sagte Caroline Brandhuber, Projektleiterin der Projektsteuerung BPM Hartl GmbH aus Landshut, bei der Visite. Die ursprünglich veranschlagten 64,2 Millionen Euro habe man bereits im Juli 2022 auf 69 Millionen Euro nach oben korrigiert. Die aktuelle Prognose geht von 73,8 Millionen Euro aus.

Unsichere Prognose

Allerdings sei eine solche Prognose laut Kreisbaumeister mit vielen Unsicherheiten belastet. Man könne nicht vorhersehen, wie sich die Baustoffpreise entwickeln. Glücklicherweise stünden alle benötigten Materialien zur Verfügung und auch der Nachschub funktioniere. 70 Prozent der Gewerke sind bereits ausgeschrieben, 15 Millionen Euro kämen noch hinzu. Ein Lob haben die Verantwortlichen für den positiven Baufortschritt und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Man sei bemüht, die Kostensteigerungen zu begrenzen und ein modernes Schulgebäude mit bestmöglichem Lernumfeld zu schaffen.

Rückblende

2017: Erste Vorplanung mit einer Kostenschätzung von 32,5 Millionen Euro
2018: Entscheidung des Kreistags für einen Neubau statt Sanierung
2020: Grundsatzbeschluss für den Neubau mit Kosten von jetzt 63,2 Millionen Euro
2021: Baubeginn
2022: Kostensteigerung auf 73,8 Millionen Euro
2024: Fertigstellung und Einweihung (?)

 

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