Neustädter demonstrieren gegen Sanierung

Neustadt am Kulm. So etwas hat die Kulmstadt noch nie erlebt: Eine Demonstration. Etwa 100 Frauen und Männer, fast ausnahmslos Marktplatzanlieger, hatten sich am Donnerstag vor der Stadtratssitzung vor dem Rathaus aufgebaut, hielten Transparente und Schilder hoch und taten ihren Unmut über die geplante und vom Stadtrat längst beschlossene Marktplatzsanierung mit Trillerpfeifen, Ratschen und Rufen lauthals kund.

Von Udo Fürst

Neustadt am Kulm
Die in die Tage gekommene historische Altstadt von Neustadt am Kulm soll nach dem Willen der Stadträte komplett saniert werden. Gegen diese Pläne ist die Mehrheit der Anlieger, die das Bild des Marktplatzes unverändert lassen wollen. Ihre Forderungen untermauerten sie mit einer Demonstration am Donnerstag vor der jüngsten Stadtratssitzung. Foto: Udo Fürst

Quintessenz ihrer Forderung: Sie sind zwar für eine Sanierung der Altstadt, wollen aber keine komplette Umgestaltung des Marktplatzes. Zunächst wurden fast alle Stadträte von den Demonstranten mit Rufen und Pfiffen empfangen, als sie das Rathaus betraten. Organisierte hatte den Protest die Interessengemeinschaft (IG) der Marktplatzanlieger mit den Sprechern Christa Tschirschnitz, Hermann Pühl und Theo Tschirschnitz an der Spitze.

„Wir haben genügend Parkplätze“

Die Sprecher formulierten noch einmal ihre Ablehnung des Projekts, sie wünschen keine Veränderung von Marktplatz und historischem Stadtbild. Sie sind gegen die Einbahnstraßenregelung ebenso wie gegen die Verlegung der Kreisstraße und sie befürchten eine Trennung der Wohnbereiche auf der Nord- und Südseite. „Unser Marktplatz soll bleiben wie er ist“, riefen die Demonstranten und schwangen Transparente mit Aufschriften wie „Erhaltet die Freizügigkeit auf dem Marktplatz“ und „Bürgerwillen respektieren“. Drei Meter breite Gehsteige seien Luxus und würden von den meisten Anliegern nicht gewünscht. Auch sollen die hochwertigen historischen Beläge wieder eingebaut werden. Auch die optimale Parksituation dürfe nicht verändert werden. „Wir haben genügend Parkplätze für die Anlieger vor ihren Häusern und für Besucher steht auch noch ausreichend Parkraum zur Verfügung“, meinte Hermann Pühl.

Stadtrat diskutiert: Neu planen kommt nicht in Frage

Vor der Demonstration hatte die IG dem Bürgermeister und den Stadträten per Brief ihren Protest und den Willen der Anwohnermehrheit noch einmal mitgeteilt – dokumentiert mit einer Kopie einer Unterschriftenliste, wonach im August 76 Prozent der Marktplatzanwesen mit über hundert Unterschriften die Forderungen der IG unterstützen. Dennoch wurde in der Sitzung schnell klar, dass sich die Räte davon nicht sonderlich beeindruckt zeigten. Es wurde zwar ausgiebig diskutiert, aber nur über die vier Varianten, die Bürgermeister Wolfgang Haberberger als Reaktion auf die Proteste vorgelegt hatte:

Zwar wurden alle Vorschläge ausgiebig diskutiert und von einigen Räten auch die Variante zwei favorisiert, doch fand sich dafür keine Mehrheit. Klar wurde, dass man keinesfalls auf alle Forderungen der IG eingehen und eine komplett neue Planung in Auftrag geben will. Schließlich einigte sich das Gremium auf Variante vier , nach der die Kosten für beide Varianten – derzeitige Planung oder Sanierung ohne geänderte Straßenführung vom Planungsbüro ermittelt werden soll.

Damit man nicht riskiert, die finanzielle Förderung zu verlieren, befürwortete der Stadtrat einstimmig den von Kämmerer Karl Stopfer erarbeiteten Antrag auf Städtebauförderung mit folgenden Zahlen: 860.000 Euro für 2017, jeweils 765.000 Euro für die Jahre 2018 und 2019 und 670.000 Euro für 2020.

Fotos: Udo Fürst

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