NS-Zeit nicht länger weißer Fleck in der Flossenbürger Chronik

Flossenbürg. Die Geschichte der Gemeinde endet im Jahr 1980. Zumindest auf den 24 Keramiktafeln im Sitzungssaal des Rathauses. Das wird sich ändern. Die Chronik soll ergänzt werden. Auch um die bisher fehlenden Jahre des Nationalsozialismus.

Die Geschichte der Gemeinde prangt auf den zwei Längsseiten des Sitzungssaals an prominenter Stelle hinter den Gemeinderäten. Im Bild die CSU-Räte Peter Schmidt, Florian Plödt und Christina Rosner (von links). Foto: Gabi Eichl

Die Gemeinde feiert heuer im Sommer ihr 1075-jähriges Bestehen, bis dahin soll die Chronik auf vier oder fünf Tafeln aktualisiert sein. Eine anspruchsvolle Aufgabe, mit der der Gemeinderat die Flossenbürger Künstlerin Jasmin Schmidt beauftragt. Der Neustädter Kunstmaler und Bildhauer Max Fischer, der die 24 Keramiktafeln der jetzigen Chronik einst gestaltet hat, hat der geplanten Erweiterung seines Kunstwerks zugestimmt, wie Bürgermeister Thomas Meiler dem Gemeinderat sagt. Und die Zustimmung Fischers ist notwendig, da es sich um ein abgeschlossenes Kunstwerk für das 1983 fertiggestellte neue Rathaus handelt, das nur mit Erlaubnis des Künstlers erweitert werden kann.

Auftrag für Künstlerin Jasmin Schmidt

Meiler stellt dem Gemeinderat erste Entwürfe Jasmin Schmidts vor. Diese unterscheiden sich deutlich von denen Fischers, lediglich die Form wird übernommen. Schmidt wird nicht auf Tontafeln arbeiten, sondern auf Platten aus lasergraviertem Glas. Laut Meiler ist durchaus beabsichtigt, dass deutlich zu erkennen ist, dass es sich um eine nachträgliche Erweiterung von Fischers Chronik handelt.

Bürgermeister: Des Themas NS-Zeit annehmen

Der Ausschuss Städtebau des Gemeinderates soll sich mit dem Projekt beschäftigen, denn es muss schnell gehen, damit die Aktualisierung bis zum Sommer fertiggestellt ist. Die Kosten werden je nach Zahl der neuen Platten auf 3.000 bis 5.000 Euro geschätzt. Meiler sagt mit Blick auf die auffällige Lücke der Chronik zwischen den Jahren 1915 und 1980, man wolle als Gemeinde zeigen, dass man sich des Themas NS-Zeit und dessen besonderer Bedeutung für den Ort nachträglich annehme.

Fraktionen begrüßen Chronik-Erweiterung

Die FWG-Sprecherin Birgit Neumann sagt wie nach ihr die Sprecher von CSU und SPD, ihre Fraktion stehe zu hundert Prozent hinter dem Vorhaben, auch weil die Lücke zwischen 1915 und 1980 geschlossen werden müsse. Neumann betont aber, wichtig sei auch, die positiven Seiten der Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten zu berücksichtigen. Pamela Wünsche (SPD) regt an, die schriftliche Chronik der Gemeinde zu überarbeiten und zu digitalisieren. Meiler sagt, das sei keinesfalls bis zum Jubiläum zu schaffen.

Glasfaser: Straßen werden vielleicht zweimal aufgerissen

Die Gemeinde treibt den Glasfaserausbau voran. Der Gemeinderat beauftragt die Firma IKT mit Beratung und Unterstützung bei der Fortführung des Gigabit-Förderverfahrens; die Kosten von rund 20.000 Euro werden laut Meiler zu hundert Prozent gefördert. Neben der Firma Glasfaser Direkt, die auch in benachbarten Gemeinden für Glasfaser-Verträge geworben hat, wolle auch die Telekom in Flossenbürg tätig werden, so der Bürgermeister. Es sei daher nicht auszuschließen, dass Straßenzüge zur Verkabelung zweimal aufgerissen werden müssten; die Gemeinde habe darauf keinen Einfluss und müsse dies gestatten.

Einschlag von rund 250 Festmetern Wald geplant

Den Jahresbetriebsplan des Landwirtschaftsamtes für die rund 34 Hektar gemeindeeigenen Wald hat der Gemeinderat gebilligt. Dieser sieht einen Einschlag von nicht ganz 250 Festmeter vor, sofern der Holzpreis nicht wieder fällt. Das Amt rechnet mit einem Jahresgewinn von etwa 2100 Euro.

„Riesenfichte“ in der Birkenstraße ängstigt Anwohner

Ein Zuhörer weist auf eine „Riesenfichte“ in der Birkenstraße hin, die unter Umständen eine Gefahr für angrenzende Häuser sein könne. Bei Sturm „bekommt man Angst“, sagt der Mann. Meiler erwidert, der Gemeinde seien die Hände gebunden, das sei Sache des Straßenbauamtes, das diese Fichte wie auch andere Bäume regelmäßig auf deren Standsicherheit prüfen lasse. Man werde aber mit dem Amt sprechen.

Im „Kapellenberg“ wird weiter gebaut

Folgenden Bauanträgen hat der Gemeinderat sein Einvernehmen erteilt: je ein Einfamilienhaus mit Carport, Kapellenberg 27 und 35.

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