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Plößberg atmet auf: Finanzminister Füracker eröffnet Ortsumgehung

Plößberg. Großer Bahnhof für die Ortsumgehung Plößberg: Bayerns Zahlmeister Albert Füracker eröffnet am Mittwoch drei Kilometer Straße. Der Neubau entlastet Plößberg nach jahrzehntelangen Planungen von Abertausenden 40-Tonnern, die noch bis gestern durch den Ort donnerten. Floß muss darauf weiter warten.

Eis-schleckendes Empfangskomitee für Bayerns Finanzminister Albert Füracker: „Sie sind die künftigen Nutznießer der Ortsumgehung.“ Bild: Jürgen Herda

Um halb neun Uhr ist noch nichts zu machen. Trotz des mutmachenden Verkehrsschildes „Fahrbahnfreigabe“ verteidigen zwei Männer in Orange das Stück Straße, das seit Sommer 2018 um Plößberg herum gebaut wurde. „Da kommt gleich so ein Minister“, informiert der Herr an der rot-weißen Absperrung.

Finanzminister Albert Füracker ist vor der offiziellen Eröffnung allerdings noch in der Betzenmühle zu Besuch bei der Ziegler-Group. Ein Unternehmen, das an der Verkehrsbelastung rund um den 3400-Einwohner-Ort nicht ganz unschuldig ist, auch wenn Firmensprecher René Oertel beteuert: „Unsere Lkw fahren sicher nicht durch den Ort, das sind andere, die einfach nach dem Navi fahren.“

Der Minister ist von der Ziegler-Group jedenfalls schon mal schwer beeindruckt: „Wer Unternehmen wie Ziegler nicht kennt, dem kann man nur sagen, unterschätzte niemals die Nordoberpfalz – ob Plößberg, Parkstein oder Weiherhammer, da kommst du aus dem Staunen nicht mehr raus.“

Diese Straße wendet Not ab

Noch bevor der bayerische Minister von seinem Abstecher zurück ist, reihen sich die Fahrzeuge der Ehrengäste und Bürger entlang der funkelnagelneuen Strecke, die den Steuerzahlern des Freistaates 12,5 Millionen Euro gekostet hat. Geld, das „am vollkommen richtigen Ort angelegt wurde“, wie Füracker gleich betonen wird.

Das sage zwar immer jeder Bürgermeister, aber: „Heute stimmt’s auch, denn diese Straße war notwendig, weil sie im wahrsten Sinn des Wortes eine Not abwendet.“ Der Lastkraftverkehr müsse künftig nicht mehr durch den Ort. Das führe nicht nur zur Entlastung der Menschen von Lärm und Abgasen, sondern auch zu einer höheren Verkehrssicherheit.

Finanzminister Albert Füracker im Gespräch mit den Plößbergern. Bild: Jürgen Herda

Entlastung auch Richtung Floß?

Zum Empfangskomitee des Staatsbesuchs gehören neben dem Weidener Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht, dem Tirschenreuther Landrat Roland Grillmeier, den Bürgermeistern Lothar Müller (Plößberg), Robert Lindner (Floß), Alfred Stier (Bärnau) und dem stellvertretenden Pilsener Bezirkshauptmann Pavel Čížek auch Mädels und Jungs einer Grundschulklasse, die zur Belohnung ein Eis schlecken dürfen: „Ist auch besser für die Figur des Ministers, wenn ihr das schleckt und nicht ich“, scherzt Füracker gutgelaunt, bevor er mit den Erwachsenen ins Gespräch kommt.

„Seid’s schon froh, oder?“, fragt Füracker rhetorisch. „Schon, aber warum habt’s nicht gleich die Straße Richtung Floß mit gemacht?“, wollen einige wissen. Bürgermeister Lothar Müller konkretisiert bei seiner Ansprache das Anliegen: „Das wäre auch im Interesse meines Flosser Kollegen Robert Lindner“, sagt der Lokalmatador, „die sind gerade beim Grunderwerb – da geht’s ja vielleicht nur um 1,5 Millionen Euro, das wäre nicht so wild.“ Füracker lächelt bittersüß: „Ja so“, wirft er ironisch ein, „ja ja, nur …“.

Minister Albert Füracker im Gespräch mit Landrat Roland Grillmeier und MdB Albert Rupprecht. Bild: Jürgen Herda

Bei Lkw aufs Bankett

Floß‘ Rathauschef Robert Lindner klärt uns am Rande der Veranstaltung über das Problem mit der Staatsstraße 2181 von Floß nach Plößberg auf. Die knicke bei Ellenbach ab und heiße ab da bis Plößberg 2171. „Auch dieses Thema ist 30 Jahre alt“, sagt Lindner, „der Ausbau ab Ziegelhütte ist jetzt wieder auf dem Schirm des Staatlichen Straßenbauamts Amberg-Sulzbach.“ Das Schwerlastverkehrsaufkommen durch Floß Richtung Plößberg habe seit Jahren drastisch zugenommen. „Ich fürchte, jetzt wird sich vieles durch Ellenbach Richtung Umgehung verlagern.“

Der Zubringer Richtung Plößberg sei in schlechtem Zustand und nicht breit genug: „Wenn ein Lkw entgegenkommt, muss man aufs Bankett“, erklärt Lindner, „wenn zwei Lkw aneinander vorbei wollen, wird’s interessant.“ Stand der Planung: „Notwendig ist ein Grunderwerb vonseiten des Straßenbauamtes.“ Da es kein Planfeststellungsverfahren gebe, müssten die Eigentümer zustimmen. Ein erster Teilabschnitt sei bereits überplant, die Grundstücksverhandlungen sollen heuer erfolgen. Die 7,5 Kilometer lange Strecke solle in Abschnitten von einem bis eineinhalb Kilometern pro Jahr ausgebaut werden. Das kann dauern.

Koalition der Umgehungswilligen: Die Bürgermeister Robert Lindner (links, Floß) und Lothar Müller (Plößberg) wünschen sich auch einen Ausbau der Staatsstraße zwischen ihren Marktgemeinden. Bild: Jürgen Herda

Auch Amazon-Bestellungen brauchen Straßen

Des einen Freud, des anderen Leid, kann da der Finanzminister nur konstatieren, der die Debatten um das Für und Wider von seinem Heimatlandkreis Neumarkt kennt: „Wenn die Bürger partout keine Entlastung wollen, sehe ich das auch entspannt“, sagt Füracker. „Bei uns in Berg demonstrieren die einen dagegen, die anderen dafür.“ Er sage den Leuten dann achselzuckend: „Werdet euch erst einmal einig, was ihr wollt.“

Es sei allerdings eine Illusion zu glauben, die Digitalisierung führe automatisch zu weniger Verkehr: „Auch wenn man bei Amazon bestellt, muss die Ware geliefert werden.“ Es gebe in der Region ein reges Transportgewerbe, das auch bei Elektromobilität Straßen benötige: „Eine U-Bahn-zwischen Bärnau und Plößberg wird’s nie geben“, frotzelt Füracker. Dementsprechend auch keine Verkehrswende ohne Verkehr. „Für die wirtschaftliche Entwicklung ist die Infrastruktur nach wie vor von zentraler Bedeutung.“

Geistlicher Segen für die Ortsumgehung. Bild: Jürgen Herda

Zahlen und Fakten zur Ortsumgehung Plößberg

Roman Beer, Leiter des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach, verteilt vor seiner Danksagung an die Mitarbeiter ein Faktenblatt zum Ausbau der Ortsumgehung Plößberg. Diese schließe eine Ausbaulücke der Verkehrsachse zwischen Landesgrenze und Autobahn.

Für Plößberg selbst bedeute sie die Beseitigung der gefährlichen, weil engen, kurvigen und steilen Ortsdurchfahrt und damit verbunden eine städtebauliche Aufwertung des Ortes. Oder mit den Worten von Bürgermeister Lothar Müller: „Ich freue mich darauf, mich irgendwann in der Ortsmitte auf eine Bank zu setzen, und ein entspanntes Leben zu genießen.“

  • Baubeginn: Sommer 2018
  • Fertigstellung: Sommer 2022
  • Baulänge: 3 Kilometer
  • Fahrbahnbreite: 7 Meter
  • 2 Brücken
  • Erdarbeiten: 115.000 Kubikmeter (davon 50.000 m³ Granit)
  • Ausgleichsfläche: 5 Hektar
  • Gesamtkosten: 12,5 Millionen Euro
  • Brücken: 2,9 Millionen Euro
  • Grunderwerb: 1,75 Millionen Euro

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1 Kommentare

Deejan Kob - 29.07.2022

Ein Ausbau der Straße zwischen Floß und Plößberg wäre kontraproduktiv und würde eher zu noch mehr LKW-Verkehr führen. Diese Straße gehört grundsätzlich für den Schwerlastverkehr gesperrt, so dass die LKWs zu einer großräumigen Umfahrung (möglichst Autobahn) gezwungen werden !