Projekt Silberhütte – auch KZ-Gedenkstätte plant eigene Übernachtungsmöglichkeiten

Flossenbürg. Aus der Silberhütte soll ein „Europäisches Klima- und Naturverständniszentrum" werden. Ein Millionen-Projekt mit Übernachtungsmöglichkeiten wenige Kilometer entfernt von der KZ-Gedenkstätte. Die hat selbst Pläne für eine Jugendherberge.

Die Pläne für das „Erste Europäische Klima- und Naturverständniszentrum“ auf der Silberhütte überschneiden sich eventuell mit Plänen der KZ-Gedenkstätte; beide Seiten betonen aber, sich nicht Konkurrenz machen zu wollen. Foto: Gabi Eichl

Als der Bärnauer Bürgermeister Alfred Stier seine Silberhütten-Pläne im Gemeinderat vorstellte, hörte er „zum ersten Mal“ davon, so sagt er, dass die Gedenkstätte vorhat, eigene Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen. Auf die vorsichtige Nachfrage der FWG-Sprecherin Birgit Neumann, ob die beiden Projekte eventuell kollidieren könnten, sagte Stier, die Pläne der Gedenkstätte „waren mir bis heute nicht bekannt“. Er habe erst kurz vor Beginn der Gemeinderatssitzung davon gehört.

Meiler: Möglicherweise aneinander vorbei geplant

Bürgermeister Thomas Meiler erläuterte, die Gemeinde sei vor einiger Zeit von der Leitung der Gedenkstätte informiert worden, dass es Pläne gebe, eine Jugendherberge oder ähnliches in bereits bestehenden Gebäuden zu schaffen. Dabei habe sich gezeigt, dass die Gedenkstättenleitung ihrerseits nicht konkret von den Silberhütten-Plänen wisse. Da sei unter Umständen aneinander vorbei geplant worden.

Stier zeigte sich perplex, aber aufgeschlossen: „Wir sollten das tun, was am zielführendsten ist.“ Und wenn Flossenbürg der bessere Standort für Unterbringungsmöglichkeiten sei, dann sollten diese hier entstehen. Das sei zumindest seine Meinung als Privatmann, sagt er. Entscheidend sei, dass etwas in dieser Richtung getan werde.

Durch Pandemie zwei Jahre zurückgeworfen

Denn es gehe um Klima und Natur, um das notwendige Verständnis der nachfolgenden Generationen um diese Zusammenhänge. Schlimm genug, dass das Projekt durch die Pandemie um zwei Jahre zurückgeworfen worden sei. Der bisher nur geschätzte Kostenrahmen von etwa 20 Millionen Euro werde sich inzwischen sicher nicht mehr halten lassen. Stier geht allerdings davon aus, dass heuer noch die Ergebnisse einer zweiten, vertieften Machbarkeitsstudie vorliegen.

Stadt Bärnau wird nicht selbst Betreiber

Stier macht aber auch deutlich, dass die Stadt Bärnau sich wieder von der Silberhütte trennen werde, sollte sich das Klima- und Naturverständniszentrum nicht verwirklichen lassen. Denn die Stadt könne die Anlage keinesfalls selbst betreiben.

Den Worten Meilers zufolge will man nun schnell das Gespräch mit der Gedenkstättenleitung suchen, denn es wäre „Irrsinn, wenn da zwei Parallelstrukturen geplant sind“. Der Flossenbürger Bürgermeister sieht seine Gemeinde in der Vermittlerrolle.

Skriebeleit: Keinesfalls Konkurrenz

Gedenkstätten-Leiter Jörg Skriebeleit sagt auf Nachfrage, die Gedenkstätte plane schon seit längerem aufgrund entsprechenden Bedarfs, wie sie Übernachtungsmöglichkeiten für junge Besucher schaffen könne. Gedacht sei dabei an Gebäude im Steinbruch, der wie bekannt 2024 den Betrieb einstellen wird.

Keinesfalls wolle man jedoch in Konkurrenz treten zu einem Projekt auf der Silberhütte, sagt Skriebeleit; sollten dort umfangreiche Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden, werde man diesen Umstand schon allein aus Gründen der Wirtschaftlichkeit in die eigenen Pläne einbeziehen. Allerdings brauche die Gedenkstätte die Übernachtungsmöglichkeiten „eher früher als später“.

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1 Kommentare

Josef Bauer - 15.09.2022

Meine Frau hat fast 30 Jahre auf der SiHü gearbeitet, davon 5 Jahr als Pächterin zusammen mit Ihrer Schwägerin. Es wir höchste Zeit, daß hier wieder etwas geschieht. Es bedarf einer grundlegenden Renovierung von oben bis unten. Uns tut jedes Mal das Herz weh, wenn wir an der SiHü vorbei fahren. Leider ist Gastronomie heutzutage in unserer Lage einer der schwersten und am schlechtest bezahlten Berufe.