Bodenständig, zukunftsträchtig, beispielhaft

Waldsassen. Bodenständig, zukunftsträchtig und beispielhaft – das sind die Merkmale des Projektes „Unsere eigene Radl-Werkstatt“ des Katholischen Kinderhauses St. Michael. Für die neunköpfige Jury der Bildungsinitiative „Technik – Zukunft in Bayern 4.0“ Grund genug, die Mädchen und Jungen am Dienstagnachmittag für ihre innovative Idee mit der bayernweiten Auszeichnung „Es funktioniert?!“ auszuzeichnen. 

Von Stephan Landgraf

Nach dem langen Winter ab auf das Rad und raus in die Natur – das war heuer im Frühjahr der Plan der Kinder des Katholischen Kinderhauses St. Michael. Nur: Viele ihre Fahrräder waren kaputt. So wurden die Kinder kurzerhand zu Fahrrad-Mechanikern und richteten ihre Räder in ihrer eigenen „Radl-Werkstatt“ her. Ihr Projekt, oberpfalzweit das einzige aus vier aus ganz Bayern, ehrten Projektleiterin Ingrid Nolting vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft, die Jury-Mitglieder Maria Magdalena Hellfritsch und Maria Krug sowie Hermann Brandl von der Geschäftsstelle Oberpfalz des Hauptsponsors Bayerischer Metall- und Elektro-Arbeitgeber (bayme vbm). Die Kinder, die „jungen Nachwuchsforscher“, erhielten einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro, eine Plakette zum Aufhängen, Urkunden und Experimentier-Geschenke.

Zwei Monate intensiv am Projekt gearbeitet

„Ihr habt ein tolles Projekt hingelegt“, sagte Nolting in ihrer Begrüßung. Zwei Monate lang hatten sich die Mädchen und Jungs über die Bauweise und Funktion von Fahrrädern informiert, unter anderem beim Waldsassener Rad-Hersteller Ghost Bikes. Sie erstellten selbstständig eine Checkliste zur Überprüfung der Räder und eine Einkaufsliste für die ganzen Ersatzmaterialien. Unter Anleitung der Pädagoginnen Monika Demmer, Bettina Männer, Andrea Reith und Theresa Möhwald bekamen die 33 Kinder immer mehr Routine in den Reparaturarbeiten und packten gemeinsam an, um die Räder frühlingsfit zu bekommen.

Aus den bei der Bildungsinitiative 32 eingereichten Projekten wählte die Jury aus Pädagogen, Wirtschaftsvertretern und Bildungsexperten dann das Katholische Kinderhaus St. Michael Waldsassen aus. Hellfritsch unterstrich in ihrer Laudatio, dass der Jury besonders gefallen hatte, dass sich das ganze Projekt von den Problemen der Kinder ausgehend selbst entwickelt hat. Außerdem seien der soziale Umgang miteinander und die überzeugende Lerngeschichte weitere Kriterien für den Preis gewesen.

Kinderhaus-Leiterin Demmer blickte in ihrem Grußwort vor zahlreichen Vertretern aus Politik, Schul- und Jugendamt und Wirtschaft sowie Stadtpfarrer Thomas Vogl auf den Projektverlauf kurz zurück. „Die Auszeichnung ist für uns eine große Ehre“, sagte Demmer. Ihr besondere Dank galt aber den „schlauen Füchsen“, den Kindern. Sie wünschte sich, dass diese auch künftig nicht aufhören, zu fragen und auszuprobieren.

Oberpfälzer sind weltaufgeschlossene Menschen

bayme vbm-Vertreter Brandl wusste, das seit dem Beginn des Wettbewerbs im Jahre 2006 die Oberpfalz immer gut abgeschnitten habe. „Das liegt daran, dass wir Oberpfälzer einfach weltaufgeschlossene Menschen sind“, so Brandl, dessen Verband es als eine Hauptaufgabe ansieht, Menschen jeglichen Alters für die „Technik zu begeistern, die in allen Lebensbereichen“ stecke. Stadtpfarrer Vogl hoffte, dass die Kinder auch in der Zukunft „suchend und fragend bleiben“.

Höhepunkt der Preisübergabe war jedoch die Vorstellung des Projektes „Rad-Werkstatt“ durch die Kinder selbst. Die Präsentation unterstrich, dass die Mädchen und Jungen des Kinderhauses St. Michael während der gemeinsamen Arbeit ihre Talente zu einer starken Einheit verschmelzen ließen. „Das Haus bietet Bildungsarbeit auf einem hohen Niveau, was das Projekt eindrucksvoll bewiesen hat“, so Laudatorin Hellfritsch abschließend.

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