Roland Eckert prophezeit den Apotheken bei der SPD eine düstere Zukunft

Mitterteich. Apotheker Roland Eckert referierte auf Einladung von SPD-Kreisverband, SPD-Ortsverein und AsF im SV-Sportheim über das viel diskutierte Thema Medikamentenverfügbarkeit.

SPD-Ortsvorsitzender Hans Brandl, Apotheker Roland Eckert, MdL Nicole Bäumler und SPD-Kreisvorsitzender Uli Roth (von links). Foto: SPD-Kreisverband

Auf Initiative von Kreisrat und zweitem Bürgermeister Hans Brandl bot der SPD-Kreisverband in “Co-Produktion” mit dem SPD-Ortsverein Mitterteich und dem AsF-Kreisverband eine sehr gut in die Jahreszeit passende Diskussionsveranstaltung: Es ging um die aktuelle Problematik der Medikamentenverfügbarkeit in Apotheken mit Roland Eckert als Referenten. Als Gast begrüßte man die frisch gebackene Landtagsabgeordnete Nicole Bäumler aus Schirmitz. Zahlreiche SPD-Ortsvereine hatten Abordnungen entsandt.

Problem Lieferketten

Brandl hatte den Mitterteicher Apotheker Roland Eckert als Referenten gewonnen. Dieser erzählte profund und engagiert aus seinem Alltag als Apotheker. Mehr als 500, teils sehr gängige und dringend benötigte Medikamente seien derzeit nicht oder nur sehr spärlich vorhanden. Die Gründe dafür sah er darin, dass seit dem Jahr 2003, in dem die vorerst letzte Reform der Pauschalbeträge eingeführt wurde, viele Medikamente nicht mehr in Deutschland produziert würden. Viele Medikamente kämen aus Asien, manch wichtige Präparate würden nur noch von einem Anbieter hergestellt. “Brechen dann Lieferketten zusammen – wie während der Corona-Pandemie – dann seien Verknappungen die logische Folge.

Apotheker-Beruf unattraktiv

Der Apothekerberuf sei nach Meinung Eckerts unattraktiv geworden. Wegen zu vieler staatlicher Regulierungen und einer Unterfinanzierung sei es oft nicht mehr möglich, kleinere Apotheken auf dem Land rentabel zu betreiben. Schließungen wie zuletzt in Bärnau oder Plößberg seien die Folge. Eckert erklärte den circa 35 interessierten Zuhörern den Weg von der patentgeschützten Medikamenten-Neuentwicklung bis hin zum preiswerten Generikum, einem wirkstoffgleichen Nachahmerpräparat. Der Preiswettkampf unter den Pharma-Anbietern sei sehr ausgeprägt, in Deutschland würden für viele Medikamente zu geringe Preise bezahlt. Das habe zur Folge, dass Länder, die mehr bezahlten, zuerst beliefert würden. Der Gesetzgeber habe dieses Dilemma erkannt und zumindest bei Kinderarzneimitteln entsprechende Preisgrenzen aufgehoben.

Medikamente kein Preistreiber

Die Medikamentenversorgung allgemein sei kein besonderer Preistreiber bei den Gesundheitskosten. Etwa 80 Prozent der verordneten Medikamente erforderten nur sieben Prozent der eingesetzten Gelder. Zwei Drittel aller Medikamente seien Generika, die in Asien produziert würden. Von den rund 290 Milliarden Euro Gesamtkosten der Krankenkassen für Gesundheitsversorgung entfielen nur etwa zwei Prozent auf die Apotheken.

“Produktion zurückholen”

Roland Eckert appellierte an die Politik, die Produktion zumindest teilweise wieder nach Deutschland zurückzuholen. Doch selbst in diesem Fall werde es mindestens fünf bis zehn Jahre dauern, ehe spürbare Verbesserungen zu erwarten seien. Sollte es zu Engpässen bei der Verfügbarkeit von Präparaten kommen, seien die Apotheker in 90 Prozent der Fälle in der Lage, passgenaue Lösungen zu finden.

Eckert nannte auch Zahlen: Waren es vor wenigen Jahren noch mehr als 17.000 Apotheken in Bayern, hätten vor allem in jüngster Zeit mehr als 600 Apotheken geschlossen. Er sieht die Apotheker an der Belastungsgrenze. Die Teuerung sei auch an den Apotheken nicht spurlos vorübergegangen. Von der Preisentwicklung der vergangenen 20 Jahre seien aber Apotheken ausgeschlossen gewesen. Zudem sei der Aufwand deutlich größer geworden.

Düstere Aussichten für Apotheken

Eckert kritisierte: “In der Corona-Zeit waren wir als Medikamentenlieferanten gut genug. Jetzt sehen wir uns der Ignoranz der Politik für unsere Sorgen und Nöte konfrontiert.” Er zeichnete ein eher düsteres Bild für die künftige Apothekenlandschaft: Es werde immer mehr “Apotheken light” geben, die von großen Ketten ohne Fachpersonal betrieben würden.

In der anschließenden Diskussion wurden zahlreiche Fragen erörtert. Darunter die Auswirkungen von Online-Apotheken auf die ländlichen Apotheken, die Auswirkung der Digitalisierung oder der Fakt, dass es leichter sei, eine Stadtapotheke zu betreiben.

Abschließend dankte SPD-Kreisvorsitzender Uli Roth dem Referenten und SV-Vorsitzenden mit einer kleinen Spende, die dem Sportverein zugutekommen soll. Hans Brandl dankte Eckert mit Glühwein und Lebkuchen.

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