Ruhe findet er erst in der Bewegung: Friedrich Brandls neues Buch heißt „Im Freien daheim“

Amberg. "Im Freien daheim" heißt das neue Buch von Friedrich Brandl. Darin beschreibt der Autor unter anderem seine besondere Beziehung zur Natur.

Der Amberger Autor Friedrich Brandl hat ein neues Buch geschrieben. Foto: Stefan Voit
Der Amberger Autor Friedrich Brandl hat ein neues Buch geschrieben. Foto: Stefan Voit
Friedrich Brandl war mit seinen Dichterkollegen Harald Grill und Bernhard Setzwein auf der Goldenen Straße unterwegs. Foto: Stefan Voit
Friedrich Brandl war mit seinen Dichterkollegen Harald Grill und Bernhard Setzwein auf der Goldenen Straße unterwegs. Foto: Stefan Voit
Drei Autoren unterwegs: Brandl mit seinen Kollegen auf Achse. Foto: Stefan Voit
Drei Autoren unterwegs: Brandl mit seinen Kollegen auf Achse. Foto: Stefan Voit
Jung und Alt am Gipfel vereint. Foto: Friedrich Reichl
Jung und Alt am Gipfel vereint. Foto: Friedrich Reichl
Stefan Voit
Stefan Voit
Stefan Voit
Friedrich Reichl


Er ist ein begeisterter Wanderer, Spaziergänger und Läufer, war mit seinen Dichterkollegen Harald Grill und Bernhard Setzwein auf der Goldenen Straße unterwegs und fühlt sich Draußen zu Hause. Jetzt hat der Amberger Autor Friedrich Brandl mit „Im Freien daheim“ (edition lichtung) ein neues Buch veröffentlicht. Unser Kulturredakteur sprach mit dem rast- und ruhelosen Autor über sein neues Werk.

Nach den Wanderungen auf der Goldenen Straße – zusammen mit den Schriftstellern Harald Grill und Bernhard Setzwein – sind Sie in Ihrem neuesten Buch alleine unterwegs. Wie kam es zu diesem Projekt?

Friedrich Brandl: Kein eigentliches Projekt, ich wandere schon immer gerne allein. Da kann man seinen Gedanken nachhängen, stehen bleiben, wann man will oder rasten und weitergehen, wann man will. Viele Geschichten erzählen aber auch von gemeinsamen Unternehmungen – Jugendgruppe, Freunde, Kollegen, Familie.

Seit frühester Kindheit sind Sie unterwegs. Wie wichtig war – und ist – dieser Bewegungsdrang für Sie?

Brandl: Sehr beeindruckt hat mich das Zitat von Friedrich Nietzsche „trau keinem Gedanken, der nicht im Freien geboren wurde.“ Kreative Gedanken finden oder mich mit Problemen auseinandersetzen kann ich nur in Bewegung. Ich bin nicht der reine Schreibtisch-Arbeiter. Die Ideen, die Gedanken, die Lösungsansätze finde ich beim Gehen oder Laufen. Gerade in den letzten Jahren. Nach einem zehn oder zwölf Kilometer langen Lauf auf Waldwegen oder zwischen Feldern und Wiesen habe ich für so manches Problem Lösungen gefunden, zumindest Ansätze dazu.
Auch viele Gedichtzeilen oder Theaterszenen sind so entstanden. Da finde ich eine Idee, einen Gedankenfetzen, eine Wortfolge … Beim Gehen, beim Laufen kommt zu den Gedanken noch der Rhythmus dazu. Der eigene. Manchmal ist er langsam, schwerfällig, schleppend. An anderen Tagen leicht und locker. Oder ich trage meine Gedanken den Berg hinauf. Der Schweiß, der
Atem, die müden Beine begleiten sie. Oben angelangt, lasse ich sie ruhen. Danach kann ich auch am Schreibtisch arbeiten. Die Bewegung ist es, die mich fasziniert. Die Ruhe finde ich erst in der Bewegung.

In der Lockdown-Zeit haben ja viele das Spazierengehen oder Wandern neu- bzw. wiederentdeckt. Wie haben Sie diese Zeit genutzt?

Brandl: Mit Spazierengehen, Laufen, Gartenarbeit, viel Schreiben und Lesen. In der Pandemie kam die Idee zum neuen Buch und die Umsetzung. Ich habe aber auch Gedichtezyklen geschrieben „was wir sind“ (Rückblick auf meine 75 Jahre), „meine lebensgedichte“ (1-18) und einen Sonettenkranz „lauf de lebens“.

Ihr Buch ist ja auch ein Spaziergang durch Ihr Leben. Waren Sie bei der Zusammenstellung der Texte überrascht, wo Sie überall waren und was Sie alles erlebt haben?

Brandl: Es sind ja keine großen Reisen, die ich unternommen habe, trotzdem war ich in der Tat manchmal überrascht, was da immer auftauchte und was man alles erlebt hat.

Der Naturbegriff spielt ja bei Ihnen eine wichtige Rolle. Wie definieren
Sie Natur und wie hat sich Ihre Sichtweise über die Jahrzehnte
geändert?

Brandl: Die Natur stellt sich für mich immer mehr als ein sehr filigranes Netzwerk dar, mit dem man behutsam und verantwortungsvoll umgehen muss. Seit meiner Zeit als Umweltbeauftragter und Lehrer ist für mich ein wichtiger Grundsatz „keine Dokumentation des Hässlichen“. Ich habe im neuen Buch bewusst darauf verzichtet, zu mahnen oder zum engagierten Eintreten für Naturschutz aufzurufen. Ich wollte, dass die Menschen die Schönheit der Natur begreifen und sich so dafür einsetzen, dass diese erhalten bleibt.

Wie wichtig ist es für Ihr dichterisches Arbeiten, den Gedanken nachzugehen?

Brandl: Wie schon erwähnt, ist das Gehen, das Nachgehen für mich sehr wichtig, sowohl im eigentlichen Sinn als auch im übertragenen. Einer Sache nachgehen ist mit Nachdenken verbunden und mit sich Zeit lassen. Da kann man die Gedanken wenden, umdrehen. Oft kommt man da auch zu neuen, überraschenden Ergebnissen und Einsichten.

Die 19 Kapitel lesen sich auch wie ein Rückblick auf Ihr bisheriges Leben.
Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie erreicht haben?

Brandl: Kann man denn angesichts der Weltlage (Klimakrise, Ungerechtigkeit, Krieg, Terror, rechte Tendenzen) zufrieden sein? Habe ich was erreicht als Vater, Lehrer, Umweltpädagoge,
Schriftsteller? Die Antwort müssen andere geben. Eine mögliche Antwort sind die Schlusssätze im neuen Buch: Das eigene Leben endet nicht mit dem Tod. Ich meine jetzt nicht das Weiterleben im christlichen Sinn. Aber die eigenen Ideen setzen sich fort, vielleicht in Kindern, Enkeln und Urenkeln. Aber auch Bilder, Bücher, Erfindungen, Gedichte, Bauwerke, Gestaltetes im Kleinen oder Großen wirken fort, haben Einfluss auf nachkommende Generationen, befruchten andere Menschen.

Zur Person Friedrich Brandl:
– 1946 in Amberg geboren
– Ausbildung zum Industriekaufmann und Lehrer
– Schreibt seit 1983 Lyrik und Prosa
– Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller
– Auszeichnungen: Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz (2013),
Brückenbauer-Preis des Centrum Bavaria Bohemia (2014)
– Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt „Immer in Sichtweite“ (2019)
– Lebt und arbeitet in Amberg, verheiratet, drei erwachsene Kinder
– Homepage: www.brandl-amberg.de

Zum Buch:
Friedrich Brandl: Im Freien daheim edition lichtung 2022, Klappenbroschur, 144 S.
ISBN: 978-3-941306-50-9, 17,90 Euro

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