Ruhesitz „Gut Aiderbichl“

Neustadt/WN. "Gemeinsam die Welt ein Stückchen besser machen" - so lautet die Herzensangelegenheit von Michael Meckl Junior und Senior.

Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN
Bild: Landkreis Neustadt/WN

Timo, circa 38 Jahre alt, kaut genüsslich auf einem Büschel Gras herum. Auch wenn das Senior-Pony schon vor langer Zeit sein Augenlicht verlor, genießt es seinen Lebensabend quasi mit Pony-Rundum-Service und Wohlfühl-Ambiente. Der Vierbeiner ist nur einer von etwa 170 geretteten Schützlingen, die auf „Gut Aiderbichl“ bei Eslarn in Würde und Ruhe leben dürfen.

Vom Milchbetrieb zur Arche Noah

Vielen ist Europas größter Gnadenhof-Verbund unter dem Namen „Gut Aiderbichl“ ein Begriff. Im Jahr 2001 von Michael Aufhauser gegründet, gehören heute über 26 Höfe und Güter als Herberge für gerettete Tierseelen dazu. Einer dieser Höfe ist die Herzensangelegenheit der Familie Meckl aus Eslarn.

Michael Meckl senior bewirtschaftete einst mit seiner Frau einen Milchbetrieb mit vierzig Milchkühen und Aufzuchtvieh. Als sie der Preisverfall der Milch immer mehr zu einer Betriebsvergrößerung zwang, lösten die Meckls ihren Hof auf. Auf Massentierhaltung wollte die Familie aus Achtung des Tierwohls nicht umstellen. Um den leerstehenden Stall wieder mit Leben zu füllen, zogen zunächst Reitpferde privater Einsteller ein. Die Umstrukturierung war für Familie Meckl aber langfristig nicht die Art von Beschäftigung, die ihr Herz erfüllen konnte.

Erst fasziniert, dann engagiert

Michael Meckl junior kann sich noch genau an den Moment erinnern, als im Fernsehen eine Weihnachtssendung über das „Gut Aiderbichl“ bei Salzburg und deren prominente Patenschaften lief. „Das tolle Konzept dahinter, die Voraussetzungen und das Kernthema des Tierwohls haben uns sofort fasziniert“, erzählt der 29-Jährige. Ganz nach dem Oberpfälzer Motto „Pack-mas-aa!“ setzten sich die beiden Männer kurzerhand ins Auto und besuchten die nächstgelegene Aiderbichl-Außenstelle in Deggendorf für weitere Informationen.

Der erste Schritt zum eigenen Gnadenhof war somit getan und schon im Februar 2013 konnten Tiere ins Gehöft bei Eslarn einziehen. Die leider schon verstorbene Mutter stand von vornherein mit ganzem Engagement hinter den neuen Aufgaben. Das Prinzip und die Zusammenarbeit innerhalb des Verbundes deckten sich genau mit ihren eigenen Anschauungen. Heute führen Vater und Sohn den Betrieb zu ihrer Ehren weiter.

Pate werden ist nicht schwer, Pate sein erfreut so sehr

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich im „Gut Aiderbichl“ einzubringen. Für 10 Euro im Monat kann man eine Patenschaft für das ganze Gut abschließen. Das bedeutet, dass die Gebühr für anfallende Kosten wie Tierarzt, Futter oder Anschaffungen verwendet wird. Ebenso kann man Pate oder Patin gezielt für einzelne Tiere und deren Kostenaufwand werden.

Trägt man eine Patenschaft, erhält man einen Mitgliederausweis und kann diejenigen Aiderbichl-Gutshöfe, die auf öffentliche Besuche ausgerichtet sind, kostenlos besichtigen. Das „Gut Aiderbichl“ Eslarn ist bis dato noch kein solcher Hof, was bedeutet, dass Gruppenbesichtigungen nur mit Voranmeldung stattfinden können.

Vom Boden futtern

Im wahrsten Sinne des Wortes können die eingestellten Pferde, Ziegen, Schafe und Rinder sorglos vom Boden futtern. Vater und Sohn legen größten Wert auf Sauberkeit und Ordnung. Um ausreichend Platz für alle Tiere zu gewährleisten, hat das Männerteam noch zwei weitere nahegelegene Hofstellen gepachtet.

Ausgebüxt, ausgetobt und außer Gefahr

Sie sorgte durch ihren wilden Lebensstil beinahe ein Jahr lang für Schlagzeilen und hatte ihre Fangemeinde, sodass sie fast zu einer Berühmtheit wurde: „Kuh aus Stall ausgebüxt“, „Entlaufene Kuh aus Nabburg lebt jetzt im Wald“, „Nabburger Wald-Kuh hat ein Kalb geboren“ lauteten die Meldungen in den Zeitungen.

Auch am aufgeschlossenen Michael Meckl senior gingen die vielen Schlagzeilen über die verwilderte Kuh nicht spurlos vorbei. Er und sein Sohn konnten nach zwei Wochen täglichen Einsatzes Mutter und Kalb schlussendlich mithilfe eines Tierarztes einfangen und auf die große heimische „Aiderbichl-Weide“ holen, wo sie gemeinsam alt werden dürfen.

„Wir haben aber im Laufe der Zeit auch wirklich schlimme Schicksale kennenlernen müssen, da braucht man oft schon viel innere Zurückhaltung, wenn man Tiere befreit, denen Ketten zentimeterdick unter die Haut eingewachsen sind. Das sind geschundene Leistungstiere, die kurzerhand entsorgt werden sollen, wenn sie ein bisschen nachlassen“, resümiert Michael Senior schweren Herzens.

Hand in Hand

Vater und Sohn dürfen für die Bewältigung der täglichen Arbeit auf fleißige Hände zweier Angestellter, zweier ehrenamtlicher Helfer sowie einer jungen pferdebegeisterten Frau zählen. „Nur durch ein gut eingespieltes Team ist es möglich, den Betrieb so zu führen, wie wir es uns vorstellen“, erklärt Michael Meckl junior.

Aber auch mit prominenten Paten und Patinnen, wie zum Beispiel dem Österreicher DJ Ötzi, bilden die Eslarner Tierschützer ein vertrautes Miteinander auf „Du und Du“. Wenn alleine Maulwürfe ihre Hügel schieben dürften, Wühlmäuse ihre Gänge graben könnten oder Rehe ihre Kitze sicher in Wiesen ablegen könnten, dann wäre für Michael Meckl Senior und junior die Welt schon ein Stückchen besser.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.gern-land.de. Weitere interessante Artikel aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab findest du unter www.gern-land.de.

Bilder: Landkreis Neustadt/WN.

Deine Meinung? Hier kommentieren!

* Diese Felder sind erforderlich.