SC Luhe-Wildenau: Nach viel Schatten folgt wieder Licht

Luhe-Wildenau/Vohenstrauß. Der SC Luhe-Wildenau steht in der Bezirksliga Nord abgeschlagen auf dem letzten Platz. Abgesehen von der sportlichen Entwicklung ist das Schlimmste bereits ausgestanden: Im Sommer war die Existenz der Fußballabteilung bedroht. Doch mittlerweile befindet sich der Club wieder in ruhigerem Fahrwasser durch eine Stabilisierung der Strukturen. Wir sprachen mit den Protagonisten, die dem SC auch in der schweren Zeit beistanden. 

von Chris Sternitzke

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Am Karsamstag das gewohnte Bild: Der Gegner, die SpVgg Vohenstrauß (rote Trikots), bestimmte die Partie gegen den SC Luhe Wildenau (schwarz-weiße Trikots) und siegte am Ende mit 3:0. Bild: C. Sternitzke

Der SC Luhe-Wildenau gehörte in seiner Glanzzeit zu den besten Fußball-Adressen in der Region. Um die Jahrtausendwende spielte der SC insgesamt fünf Saisons in der Landesliga Mitte. Die derzeitige sportliche Situation gestaltet sich trist. Am Karsamstag endete das Gastspiel bei der SpVgg Vohenstrauß aus Sicht der Elf von SC-Trainer Roland Rittner mit 0:3. Das bedeutete bereits die 19. Niederlage im 21. Spiel der Bezirksliga Nord und somit steht das Team abgeschlagen auf Rang 16. Doch die schlechte sportliche Situation ist eher zweitrangig im Vergleich zu dem, was der Sportclub im Sommer durchmachen musste: Die Existenz der traditionsreichen Fußballabteilung stand auf dem Spiel.

Bange Wochen im letzten Sommer

Nach dem späten Klassenerhalt in der Saison 2014/15 standen nur wenige Wochen vor dem Start der neuen Bezirksliga-Spielzeit nur noch zwei Spieler im Kader der Nordoberpfälzer. Die Situation war also dramatisch.

„Es war nicht fünf vor zwölf, es war Sekunden vor zwölf“

blickt SC-Vorstand Wilhelm Hagler zurück. Den Hauptgrund für diese Entwicklung sah Hagler darin, dass der Club zwei Jahre keinen Fußballabteilungsleiter fand. Die ganze Entwicklung war laut dem Vorstand ein schleichender Prozess und die Leute rund um den Verein dachten, es wird schon so wie immer weitergehen. Doch im Sommer stand die Fußballabteilung dann durch die beschriebene Situation vor dem Ruin. In dieser schweren Zeit war Ehrenmitglied Siegfried Goschler eine Schlüsselposition, da sind sich die Verantwortlichen einig. Goschler ist schon seit über 50 Jahren beim Verein und bekleidete schon fast jedes Amt. Somit hing einiges an Herzblut am Verein und er kam auf Hagler mit folgenden Worten zu:

„Wir (der SC) haben jetzt 90 Jahre Fußball gespielt, wir können den SC doch nicht abmelden.“

Deshalb bat er beim Vorstand um die ‚Vollmacht‘, um noch innerhalb kürzester Zeit eine spielfähige Mannschaft aufzustellen. Diese wurde ihm erteilt. „Es war wichtig, dass sich einer vorne hinstellt und Verantwortung übernimmt“, beschrieb Hagler.

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„Es war nicht fünf vor zwölf, es war Sekunden vor zwölf“, blickt SC-Vorstand Wilhelm Hagler auf die Bangen Wochen im letzten Sommer zurück. Bild: Chris Sternitzke

Schlüsselfaktor Siegfried Goschler

Den Mut, Verantwortung zu übernehmen war so etwas wie die Initialzündung bei der Rettung. Schon bald unterstützten das Ehrenmitglied dann einige engagierte junge Vereinsmitglieder auf der Suche nach neuen Spielern. „Ohne die Unterstützung der Jungen wäre es nicht gegangen“, findet Goschler lobende Worte. Die wichtigste Personalie im vergangenen Jahr war jedoch die Trainerposition. Der SC gewann den erfahrenen Trainer Roland Rittner für sich. Rittner hatte nach eigenen Angaben bereits in der Glanzzeit des Clubs einige schöne Jahre an der Kommandobrücke beim SC Luhe-Wildenau. Nach harter Arbeit durch das Team um Siegfried Goschler fuhr der Verein schließlich mit 14 Spielern zum ersten Saisonspiel nach Kemnath. Einige ‚Altverbundene‘ wurden reaktiviert, darunter auch Ü-40-Spieler. In den 18 Spielen bis zum Jahreswechsel präsentierte sich die zusammengewürfelte Truppe häufig chancenlos. Am Ende standen 16 Niederlagen und zwei Remis zu Buche. Zwei Pleiten waren gar zweistellig. Mit dieser Situation rechnete Coach Rittner jedoch schon im Vorfeld.

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Die Verantwortlichen im Verein bekräftigen, dass ohne Siegfried Goschler (im Bild) die Fußballabteilung wohl nicht mehr existieren würde. Goschler übernahm im letzten Jahr Verantwortung. Bild: Chris Sternitzke

Positive Nachrichten in der Winterpause

Positiv verlief für den SC die Winterpause. Mit Thomas Diertl fand der Club im Januar endlich einen Abteilungsleiter. Die Motivation für diese Aufgabe beschreibt sich für den Ex-Landesligaspieler mit folgenden Faktoren: Arbeit im Team, einer Verjüngung des Ganzen und einer Portion Idealismus. Neben dem Trainer lenken Diertl und sein Team mit Stefan Grünwald und Siegfried Goschler die Geschicke im Bereich Fußball. Zudem präsentierte das Gespann zur Winterpause sechs Neuzugänge, wodurch quantitativ gesehen keine personellen Probleme mehr bestehen. Darüber sind die Verantwortlichen froh und Diertl sieht in den ersten Spielen nach der Winterpause durchaus einen Aufwärtstrend, auch wenn dieser noch nicht an den Ergebnissen abzulesen ist. Mit der Niederlage am Karsamstag ging die Rittner-Truppe in allen drei Spielen des Jahres 2016 leer aus. Doch der Abteilungsleiter sagt:

„Es geht darum, den Rest der Saison dazuzulernen und uns dann schon ein Stück weit auf die nächste Saison vorzubereiten.“

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Roland Rittner. Es ist zu bemerken, dass sich die vielen Pleiten nicht negativ auf die Stimmung im Team ausgewirkt haben. Auch in Vohenstrauß wurde sich gegenseitig angefeuert und unterstützt. „Im Moment sehe ich das positiv, dass alle mitziehen. Die Mannschaft ist motiviert, die Mannschaft ist willig“, merkt der Trainer an.

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Mit Thomas Diertl (links) fand der Club im Januar endlich wieder einen Abteilungsleiter für den Bereich Fußball. Trainer Roland Rittner (rechts) hat auch für die kommende Saison sein ja gegeben. Darüber ist Diertl hocherfreut. Bild: Facebookseite – SC Luhe-Wildenau

Stabilisierung und Verjüngung als Zukunftsziele

Die Kaderplanungen für die kommende Saison sind beim SC schon in vollem Gange. Rittner hat bereits erklärt, dass er beim Startschuss zum Neuanfang in der Kreisliga dabei sein wird und den Club auch nächste Saison coacht. „Es ist in erster Linie wichtig, dass Roland Rittner zugesagt hat und unseren Weg mitgeht“, kommentiert Diertl die Personalie. Wichtig für den Coach waren die Veränderungen in und um den Verein:

„Mittlerweile ist das Umfeld in Luhe-Wildenau wieder so, dass man arbeiten kann und sich wohlfühlen kann“ (Roland Rittner)

führt er aus. Aufgrund der Stabilisierung in den Strukturen freut sich Thomas Diertl auch darüber, dass Sponsor Höhbauer wieder voll hinter der Sache steht.

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Statt wie in dieser Szene vom Karsamstag einer verlorenen Chance nachzutrauern, möchte der SC in der kommenden Saison wieder öfter jubeln. Ziel ist ein Mittelfeldplatz in der Kreisliga. Bild: Chris Sternitzke

Versprühte der SC in der Vergangenheit durchaus Landesliga-Glanz, so geht es in der Zukunft erst einmal darum solide zu agieren und sich in der Kreisliga zu stabilisieren. „Das Ziel ist ein Mittelplatz in der Kreisliga“, blickt Rittner auf die kommende Spielzeit voraus. Für die nächste Saison soll der Kader verjüngt werden und zunehmend einheimische Spieler eingebaut werden. „Mit jüngeren Leuten wollen wir wieder etwas aufbauen“, sagt der Trainer. Dennoch legt er nach: „Wir brauchen einige Spieler, da muss sich etwas tun, auch für die Kreisliga.“

Nach den ganzen Turbulenzen im Vorfeld der Saison und den vielen Niederlagen während der Spielzeit bleibt es für Team und die engagierten Verantwortlichen rund um den SC Luhe-Wildenau zu hoffen, dass der Verein eine grundsolide, ruhige Kreisliga-Saison 2016/2017 spielt.

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