Schneller als bisher: Weiden soll klimaneutral werden

Weiden. Bis 2040 soll Bayern klimaneutral sein. SPD und Grün.bunt.Weiden machen Tempo im Weidener Stadtrat. Die Stadt will schon seit mehr als 10 Jahren ihre CO2-Bilanz verbessern, bisher mit mäßig Erfolg.

Viele Betriebe nutzen bereits grünen Strom aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen, weiß die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. Foto: OberpfalzEcho/David Trott

Das Datum steht. Per Gesetz legt die neue Bundesregierung bis 2045 Klimaneutralität fest. Bayern will sogar noch fünf Jahre früher dran sein: 2040. 18 Jahre ist nicht viel Zeit, wenn man bedenkt, dass sich Weiden schon seit mehr als 10 Jahren dem Ziel verschreibt.

Antrag erst erledigt, wenn Datum feststeht

SPD und Grün.bunt.Weiden (Fraktionsgemeinschaft aus Grünen und Linken) haben im letzten Stadtrat zusammen einen Antrag eingereicht.

Bis auf die AfD haben alle Stadträte und Stadträtinnen dem Antrag zugestimmt. Doch damit ist noch nicht viel erreicht. „Der Antrag ist für uns erst erledigt, wenn das Datum feststeht und die Treibhausgas-Bilanz steht“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Richter. Das Zieldatum soll der Klimaschutzbeirat in seiner nächsten Sitzung im April bestimmen.

„Aufwändig und kompliziert“

Das Thema Treibhausgas-Bilanz ist aufwändiger, wie Stadträtin Laura Weber (Die Grünen) erklärt. Denn alle Emissionen, die Haushalte, Verkehr oder Wirtschaft der Stadt ausstoßen, sollen dort einberechnet werden. „Wir zählen jetzt nicht den Verbrauch jedes einzelnen Autos“, sagt Weber. Aber wie viele Autos in Weiden zugelassen sind, sei auf jeden Fall Rechengrundlage. Eine weitere wichtige Quelle seien etwa Kaminkehrer und Kaminkehrerinnen sowie Stadtwerke, da sie Daten über die Energieversorgungsarten besäßen. „Trotz der Hochrechnungen kommt man der Wirklichkeit so ziemlich nahe“, versichert auch Richter. „Aber es ist kompliziert und aufwändig.“

„Es geht auch darum, Druck aufzubauen, dass schnell etwas passiert“, sagt Weber. Deshalb will die Fraktionsgemeinschaft sofort mit der Bilanz anfangen und nicht erst, wenn der Klimamanager der Stadt im März komme. Richter kündigt an, dazu noch einen Antrag einzureichen. Für Weber hat die CO2-Bilanz nicht nur rechnerischen Wert, sondern auch Signalwirkung. „Alle Stadträte müssen sich auf den Weg machen. Es muss ganz klar sein, dass wir uns bei allen Entscheidungen auf Klimaneutralität beziehen“, sagt sie.

Schon vor 13 Jahren hat sich die Stadt auf den klimaneutralen Weg gemacht. Passiert ist jedoch viel zu wenig, sagt Stadträtin Laura Weber. Screenshot: Redaktion

Schneller als in vergangenen 13 Jahren

Dass die Stadt schon länger an dem Thema dran ist, zeigt das Energiekonzept der Stadt Weiden aus dem Jahr 2009. Damals hieß die OTH Amberg-Weiden noch HAW. Die Professoren Markus Brautsch und Magnus Jaeger haben vor 13 Jahren einen Leitfaden zum Ausbau erneuerbarer Energien erstellt. Schon damals war klar, dass die Treibhausgase deutlich verringert werden müssen.

Doch der Leitfaden blieb Leitfaden. Viel sei nicht umgesetzt worden, zumindest nach dem Urteil von Stadträtin Weber: „Die Stadt hat den Pfad noch nicht beschritten.“ Windkraft sei abgesägt worden, wobei die Stadt da kein Verschulden treffe, die Photovoltaikanlagen-Pflicht auf Gebäuden sei nicht versucht worden – anders als in Amberg.

Druck aus der Bundesregierung

Sie hoffe nun, dass es mit dem Druck aus der Bundesregierung schneller gehe. Stadtrat Richter erinnert sich noch gut an das Energiekonzept. Auch seiner Ansicht nach habe das an Fahrt verloren. Eine recht einfache Rechnung kann man jetzt schon aufmachen: Wenn die Stadt Weiden das Thema Treibhausgas-Bilanz in den kommenden 18 Jahren so angeht wie in den vergangenen 13 Jahren, wird sie das Ziel bis 2040 schwerlich erreichen.

Deine Meinung? Hier kommentieren!

* Diese Felder sind erforderlich.