Schwandorfer fallen reihenweise auf Fake-Shops herein

Schwandorf. Die Schwandorfer Polizei muss sich aktuell mit einer Reihe von Internetbetrugsfällen beschäftigen. Die Masche ist immer die gleiche. Die Kunden zahlen, bekommen aber keine Ware geliefert. Doch man kann sich schützen.

Immer öfter verlieren Kunden ihr Geld, weil sie in Fake-Shops eingekauft haben. Foto: Pixabay/PhotoMixCompany

Ein sagenhaftes Schnäppchen im Netz entdeckt und gleich zugegriffen. Und während der Käufer anstandslos das Geld überweist und sehnsüchtig auf sein Hammer-Angebot wartet, reiben sich die Betrüger bereits die Hände. Die bestellte Ware kommt nie an, weil sie nie losgeschickt wird. Der Kunde hat in einem Fake-Shop eingekauft. Das Geld ist auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Verdammt leicht kann man darauf reinfallen. Bei der Polizei in Schwandorf haben sich innerhalb weniger Tage gleich mehrere Bürgerinnen und Bürger gemeldet, die diesen falschen Shops im World Wide Web ihre Euros anvertraut haben.

Teures Rad-Schnäppchen

Wie die 37-jährige Schwandorferin. Die hat für 300 Euro ein Fahrrad erstanden und das Geld auf ein polnisches Konto überwiesen. Der Drahtesel kam nie an und auch der Verkäufer war von der Bildfläche verschwunden. Die Frau erstattete Anzeige. Und die ersten polizeilichen Ermittlungen ergaben: Sie hat in einem Fake-Shop eingekauft.

Fake-Shop-Finder hätte die Betrüger entlarvt

Nicht besser erging es einem Schwandorfer (44). Der bestellte einen Kinderfahrradanhänger für rund 250 Euro. Die gleiche Masche. Die Summe wurde vorab nach Spanien überwiesen, die Ware wurde nie losgeschickt. Hätte er die Internetadresse zum Beispiel beim Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentrale eingegeben, hätten sofort die Alarmglocken geschrillt.

Vorsicht vor Zahlfunktion

Dritter Fall. Eine 28-Jährige aus der Verwaltungsgemeinschaft Schwarzenfeld hatte auf einer Verkaufsplattform Schuhe für 50 Euro entdeckt und zugegriffen. Das Geld ist, obwohl der Kauf über den seriösen Bezahldienstleister Paypal erfolgte, weg, die Schuhe sind nie auf die Versandreise geschickt worden. Obacht: Fake-Shops nutzen die Paypal-Zahlfunktion „Geld an einen Freund senden“. Bei dieser Zahlmethode wird nämlich der Käuferschutz umgangen und geleistete Geldbeträge können nicht zurückgefordert werden.

Rechnung über eine nie bestellte Teekanne

Eine andere Betrugsmasche, mit der sich jetzt auch die Schwandorfer Beamten beschäftigen müssen: Anfang Mai flatterte einer 60-jährigen Schwandorferin eine Rechnung über 230 Euro ins Haus. Sie soll eine Teekanne bestellt haben. Was sie natürlich nie hatte. Doch die Polizei hat in diesem Fall eine Spur. Die führt zu einem Arzt (50) in Hamburg.

Fake-Shop-Finder nutzen

Um die Verbraucher zu schützen, bietet seit Anfang August 2022 die Verbraucherzentrale einen kostenlosen Service an. Auf www.verbraucherzentrale.de/fakeshopfinder-71560 kann man sich schlaumachen, ob man möglicherweise sein Geld in den Sand setzt. Und so funktioniert das Tool: Mittels einer künstlichen Intelligenz sucht der Finder ständig gezielt nach Fake-Shops im Internet. Das Rückgrat bildet eine wachsende Datenbank.

Merkmale werden gescannt

Gibt der Verbraucher eine Webadresse ein, die noch nicht in der Datenbank vorhanden ist, sucht er die eingegebene Adresse auf und scannt die Seite nach Merkmalen, die sehr oft bei unseriösen Shops zu finden sind. Das können ein fehlendes Impressum sein, eine Umsatzsteuer-ID, die es gar nicht gibt, aber auch technische, linguistische und strukturelle Merkmale, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Auch öffentliche Listen von bekannten falschen Shops kennt der Fake-Shop-Finder.

Rot heißt Hände weg

Aus diesen Kriterien wird die Wahrscheinlichkeit errechnet, ob es sich bei der eingegebenen Adresse um einen unseriösen Anbieter handelt. Nach wenigen Sekunden wird das Ergebnis in Ampel-Form ausgegeben: Rot bei einer eindeutigen Warnung, Gelb als Hinweis, vor der Bestellung genauer hinzusehen und Grün, wenn alles in Ordnung ist. „Besonders bei einem Shop, den man nicht kennt, sollte man genauer hinschauen“, findet Simone Bueb, Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Nach Bewertungen suchen

Entdeckt man etwa Schreibfehler, findet man kein Impressum oder kann man nur gegen Vorkasse zahlen, sollte man die Ohren spitzen. Aber auch auffallend günstige Angebote und /oder eine auffällige Internetadresse, wie zum Beispiel „.de.com“, könnten Hinweise auf einen Fake-Shop sein. Ein Tipp von Simone Bueb: „Vielleicht existieren ja bereits unabhängige Kundenbewertungen.“ Ein anderer: den Fake-Shop-Finder nutzen. Seine Trefferwahrscheinlichkeit ist hoch. „In jedem Fall sollten Verbraucher die Finger von einem Shop lassen, wenn die Ampel rot anzeigt“, warnt die Referentin. Und noch ein gutgemeinter Ratschlag von ihr. „Die Betrüger gehen immer professioneller vor. Darum unbedingt jede unbekannte Seite überprüfen.“

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