So will die SPD Weidens Schulen modernisieren

Weiden. Klausurtagung der Weidener SPD-Fraktion, Teil 2: Wenn ein Gymnasial-Studiendirektor und ein Grundschulrektor die Fraktionsspitze bilden, ist Bildungspolitik natürlich Pflichtfach. Roland Richter und Matthias Holl wollen Weidens Schullandschaft zukunftsfähig machen.

Studiendirektor Roland Richter (rechts) und Grundschulrektor Matthias Holl sind gleichzeitig Weidens SPD-Fraktionsspitze und Speerspitze der Bildungspolitik. Bild: Jürgen Herda

Nicht nur an den Mängeln der Schullandschaft rumdoktern, will die Weidener SPD-Stadtratsfraktion. „Wir haben uns grundlegend gefragt: Welchen schulischen Bedarf hat die Stadt?“, erklärt Fraktionsvize Dr. Matthias Holl. „Nicht nur unter wirtschaftlichen Aspekten, sondern aus Sicht moderner Pädagogik.“

Der Grundschulrektor der Hans-Sauer-Schule in Rothenstadt kennt den Bedarf aus eigener Anschauung. „Über welche Schulen muss man aufgrund sinkender Schülerzahlen auch diskutieren“, legt Holl den Finger in die Wunde.

Ausbau von Kitas und Krippen

In vielen Bereichen habe man bereits unter Alt-Oberbürgermeister Kurt Seggewiß Fortschritte erzielt. „Der Ausbau von Kitas und Krippen war länger ein zentrales Handlungsfeld für uns“, sagt er. „In den vergangenen Jahren haben wir hier weiter angeschoben.“ Noch immer sei der Bedarf aber deutlich höher als das Angebot. Der finanzielle Druck der Kirchen, sich aufgrund rückläufiger Mitgliedszahlen von Einrichtungen zu trennen, aber auch der Zuzug ukrainischer Familien mache es notwendig, „bestehende zu sichern, aber auch neue zu schaffen“.

Der Erhalt aller Grundschul-Standorte Weidens sei für die Fraktion nicht verhandelbar. „Bei der Digitalisierung sind einige, wie die Gerhardinger- und die Hans-Sauer-Schule auf einem guten Weg – bei der Ausstattung mit Leihgeräten haben wir einen Sprung von 0 auf 80 hingelegt.“ Andere würden sich gerade neu aufstellen.

Die hölzerne Fassade brachte das Team der Kita auf die Idee für den Namen „Kinderscheune“. Bild: Susanne Götte

Kostenexplosion bei Pestalozzi-Sanierung

Notwendig sei außerdem eine Neustrukturierung weiterführender Schulen, da die Gastschulbeiträge die Kosten nur zu 30 Prozent deckten. „Schulsanierungen sind eine der wichtigsten Aufgaben von Kommunen“, pflichtete deshalb auch Bayerns Finanzminister Albert Füracker im Juni bei, als der einen Förderbescheid für die Sanierung der Pestalozzi-Mittelschule mitbrachte. „Kreisfreie Städte wie Weiden müssen ohnehin mehr Sonderlasten tragen als Große Kreisstädte.“

Oberbürgermeister Jens Meyer warnte aufgrund der aktuellen Teuerungen beim Spatenstich vor explosionsartigen Kosten bei gleichzeitig eingefrorenen Fördersätzen: „Gott bewahre uns vor Kostensteigerungen auf 50 bis 60 Millionen“, schwant dem Stadtoberhaupt Inflationäres, zumal schon jetzt mit einem Anstieg der Baukosten von 36 auf 45 Millionen Euro kalkuliert wird.

Neubau Realschule als Schnäppchen

Kein Weg führt auch am Neubau einer koedukativen Realschule vorbei. „In der Fraktion ist das ein leidiges Thema“, erklärt Fraktionschef Roland Richter. „Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir das schon vor fünf Jahren durchgezogen.“ Immerhin habe man sich jetzt endlich geeinigt: „Es wird neu gebaut und nach dem Vorbild der FOS/BOS wird das ein großer Erfolg, auch was die Kosten für die Stadt betrifft“, ist sich Richter mit Verweis auf die dortige Kooperation mit privaten Investoren sicher.

Kostenpunkt der Projekts: 58 Millionen Euro. Planer Wolfgang Obel (Obel-Architekten, Donauwörth) hatte vor der Stadtratsentscheidung im Januar 2021 die Vorteile eines Neubaus gegenüber einer Sanierung beschrieben – nach dessen Rechnung eine Einsparung von sechs Millionen Euro und eine Bauzeitverkürzung um drei Jahre. Da das verdichtete Gebäude anschließend zudem weniger Raum einnähme, könne die Stadt das übrige Areal verwerten. Stadtkämmerin Cornelia Taubmann freut sich deshalb auf „7000 Quadratmeter höchstwertiges Bauland in der Innenstadt“. Dazu komme, dass die Realschule „einen irren Energieverbrauch habe“, sagt Richter. „Man muss die Themen pädagogisch, baulich und energetisch verknüpfen.“

Oberbürgermeister Jens Meyer, MdL Dr. Stephan Oetzinger, Heimat- und Finanzminister Albert Füracker, Bürgermeister Lothar Höher (von links) freuen sich über die Finanzspritze. Bild: Christina Geiger

Neubau Dreifachturnhalle und Dirtpark

Auch der Bau einer Dreifachturnhalle auf dem Gelände der neuen FOS/BOS ist längst beschlossene Stadtratssache. Planungsmittel dafür standen bereits im Haushalt 2019 zur Verfügung. Die Realisierung dieser Planungen biete die Chance, die Hallenkapazitäten der Stadt grundsätzlich neu zu strukturieren. Denkbar sei, die neue Dreifachturnhalle an der FOS/BOS in erster Linie für den Schulbetrieb zu nutzen. Die Mehrzweckhalle dagegen solle nach einer erfolgten Generalsanierung bevorzugt für Sportgroßveranstaltungen und kulturelle Events genutzt werden.

Jugendliche sollen sich nach dem Willen der SPD-Fraktion spätestens 2023 in einem Dirtpark austoben können. In ihrem Antrag hatte sie argumentiert, dass Randsportarten oft vernachlässigt würden, obwohl sie ein breites Publikum ansprächen und relativ kostengünstig seien. Dazu gehörten Bikeparks und Pumptracks. parkähnliche Sportgelände für Mountainbiker und BMX Fahrer. In Dirtparks könnten die Sportler auf sogenannten „Lines“ in verschiedenen Schwierigkeitsstufen Sprünge und Tricks absolvieren. Für die Realisierung hat das Jugendzentrum Weiden zugesagt, bei der Sponsorensuche zu helfen.

Auch Pleystein plant einen Dirtpark: Der (etwa) geplante Streckenverlauf für einen möglichen Dirtpark liegt aktuell mit einem rotweißen Trassierband aus. Doch der Stadtrat grübelt noch. Bild: Walter Beyerlein.

Keine Kürzungen von Vereinszuschüssen

Apropos Jugendzentrum: Vehement sprechen sich die Genossen gegen Kürzungen bei Vereinszuschüssen aus: „Wir sind stolz auf das Angebot der Vereine“, lobt Roland Richter das ehrenamtliche Engagement. „Was in der Pipeline ist, bleibt in der Pipeline“. Das gelte auch und gerade für den Stadtjugendring: „Der macht eine Wahnsinnsarbeit auch im kulturellen Bereich“, ergänzt Matthias Holl. „Das ist keine Subventionierung einer kleinen Gruppe, sondern mit dem Angebot des Jugendzentrums und dem Kinderbürgerfest erreicht er Tausende von Leuten.“

Dasselbe gelte für den Erhalt der Schulsozialarbeit. „Wir haben unter Seggewiß begonnen, die Schulsozialarbeit auszubauen“, erinnert Holl. „Das war keine einfache Diskussion mit dem politischen Gegner, der der Meinung ist, das brauche es nicht.“ Dabei sei diese aufgrund wachsender sozialer Probleme und dem Anteil betreuungsintensiver Kinder von Migranten bitter nötig. „In den meisten Schulformen, in fast allen Grundschulen, sind wir mit einer JaS-Kraft (Anm. d. Red. Jugendsozialarbeit an Schulen) ausgestattet.“ Berufliche Schulen hingegen würde vom Freistaat bei der Förderung von gerade mal 30 Prozent nicht berücksichtigt. „Wir müssen hier Lücken schließen“, fordert Richter, „spätestens seit der Pandemie sollte jedem klar sein, dass wir da nicht mehr drumherum kommen.“

Ehrenamt für tausende Familien beim Kinderbürgerfest in Weiden. Bild: OberpfalzECHO/David Trott

Deine Meinung? Hier kommentieren!

* Diese Felder sind erforderlich.